Stadt gegen Aldi-Markt in Bieber

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Die Stadt ist gegen einen Aldi-Discounter wie hier in der Offenbacher Rowentastraße.

Bieber - Gleich hinter dem Bieberer Berg, zwischen der Aschaffenburger Straße 105 und der Salzburger Straße, dort, wo früher einmal das Autohaus Georg von Opel Bieber seinen Sitz hatte, ist seit langem eine große Brache. Von Thomas Meier

Ein Grundstück, das dem Speditions- und Busunternehmen Bonifer gehört und das insgesamt rund 6000 Quadratmeter groß ist, zählt man die Fläche mit, auf der in Gebäuden derzeit noch ein Sonnenstudio, eine Werkstatt und ein Getränkemarkt untergebracht sind. Ein Filetgrundstück, das die Eigentümer seit Jahren gern vermarktet sähen, bringt es als Brachland doch keinerlei Rendite. Und - was in Bieber schon seit längerem kursiert - der große Baugrund ist auch schon verkauft, Aldi-Süd will hier einen weiteren seiner Märkte bauen. Bereits am 7. Juli 2008 wurde der Vertrag zwischen dem Discounter und den Eigentümern protokolliert. Doch bis das Geld fließt und der erste Stein für den neuen Markt gesetzt ist, kann noch lange Zeit vergehen. Das Projekt ist Gegenstand eines Konflikts mit der Verwaltung.

Das Grundstück wird seit langer Zeit gewerblich genutzt - auch heute noch, lange nach der Auflösung von Opel-Bieber. Doch gibt es in der Stadtverwaltung Bedenken gegen einen weiteren Aldi. Nicht nur der Oberbürgermeister favorisiert „hochwertige Wohnbebauung“ für Offenbacher Baugrund. Ein Discounter, so wird argumentiert, beeinflusse die benachbarte Wohnbebauung, beeinträchtige ihren Wert.

Deshalb erteilte die Verwaltung dem am 28. April von Aldi für das bislang als „gewerbliches Mischgebiet“ ausgewiesene Areal eingereichten Bebauungsplan einen „ablehnenden Baubescheid“.

Am 22. Mai legte Aldi Widerspruch gegen den Bescheid ein, jetzt liegt das Streitverfahren beim Regierungspräsidium, um danach wohl vor dem Verwaltungsgericht zu landen.

Allen Gewerbetreibenden auf dem Gelände, also Sonnenstudio, Getränkemarkt und Werkstatt, wurde bereits von Bonifer gekündigt, die Werkstatt ist schon umgezogen. Dies alles, obwohl noch kein Euro für das Gelände geflossen ist, weil sich Aldi vorbehielt, dass der Kaufbetrag erst fällig wird, wenn die Baugenehmigung vorliegt.

Der Rechtsvertreter der Bieberer Spediteure, der nicht genannt sein möchte, sieht die Chancen für Aldis Bauantrag als gut an. Der bestehende Bebauungsplan weist das Areal als Mischgebiet aus. Wird es im Planwerk zurückgestuft zur reinen Wohnbebauung, verlöre der Grund und Boden an Wert. Dies bedeutete für den Eigentümer einen Werteverlust, den er sicher von der Stadt ausgeglichen haben möchte.

Helmut Reinhardt, Leiter des städtischen Bauaufsichtsamts, will zu dem ganzen Vorgang nichts sagen, beruft sich auf das laufende Verwaltungsstreitverfahren. Es gebe verschiedene Gründe, warum die Stadt den Bauantrag von Aldi ablehne. Die Stadt könne einiges am Bauvorhaben nicht akzeptieren. „Doch ist dies alles datenschutzrelevant, dazu nehmen wir keine Stellung.“

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