Ist die Stadt nur juristisch auf sicherer Seite?

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Die SPD hat über Schulen in Offenbach, vor allem über den Stand der Neubauten und Sanierungen informiert.

Offenbach (man) ‐ Manchmal tritt das Allgemeine hinter dem Besonderen zurück - wie in der Ernst-Reuter-Schule. Dorthin hatte die SPD Bürgel/Rumpenheim Offenbachs Schuldezernenten Paul-Gerhard Weiß (FDP) eingeladen, um im Allgemeinen über Schulen in Offenbach zu berichten, vor allem über den Stand der Neubauten und Sanierungen.

Doch dann drehte sich die Diskussion, die Rosa Kötter leitete, fast ausschließlich um das Besondere, nämlich die Situation an der Käthe-Kollwitz-Schule. Etliche Lehrer der Berufsschule signalisierten Klärungsbedarf.

Den Personalratsvorsitzenden Iris Bachmann und Michael Köditz ging es hauptsächlich um das Thema Asbest. Der Schulbau in der Buchhügelallee steckt voller Platten, die den gesundheitsgefährdenden Stoff enthalten. In der EU darf kein Fabrikant mehr asbesthaltige Baustoffe herstellen. „Es ist paradox,“ meinte Köditz, „wenn wir die Platten verschenkten, machten wir uns strafbar.“

Die Vertreter der Käthe-Kollwitz-Schule verlangten, bei der anstehenden Sanierung sämtliche Platten auszuwechseln. Weiß berief sich auf entsprechende Gutachten des TÜV. Die belegten, sagte er, dass „von dem gebundenen Asbest keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen“. Entsprechende Messungen, auch des Gesundheitsamtes, hätten das ergeben. Deshalb weise er den Slogan, der Anfang des Monats bei einer Demonstration von Schülern und Lehrern im Rathaus zu lesen gewesen war, zurück. Er jongliere nicht mit der Gesundheit anderer. „Wir wollen Bildung, ihr fördert Krebs“, hatte auf einem Plakat gestanden.

Niemand weiß, wann sich das Asbest löst

Eine Asbestfaser „kann jedoch reichen, um Jahrzehnte später Lungenkrebs auszulösen,“ gab Michael Köditz zu bedenken. Messverfahren „stellten hochgerechnet 297 Fasern pro Kubikmeter bei uns fest.“ Es könnten jedoch auch mehr sein. Entsprechende Richtwerte, ab welcher Höhe es bedenklich werden könnte, „liegen zwischen fünfhundert und tausend“. Weshalb Köditz zu Weiß sagte, dass der „juristisch auf der sicheren Seite“ sei. Aber niemand könne wissen, wann sich das Asbest löse.

Für die Sanierung, die im nächsten Jahr beginnen soll, veranschlagte Weiß 8,4 Millionen Euro. Wenn sich in ein paar Jahren herausstelle, dass die Platten doch „mehr Asbest freisetzen und ausgewechselt werden müssen,“ würde das wesentlich teurer, fügte Köditz hinzu. „Was wir jetzt befürchten, ist Flickschusterei,“ ergänzte die Lehrerin Iris Bachmann.

Sanierungen von Schulen kosteten Viertel Milliarde Euro

Weiß entgegnete, sämtliche Sanierungen von Schulen kosteten eine viertel Milliarde Euro. Nirgendwo ließe sich genau umsetzen, „was sich die Betroffenen erträumen“. Er könnte jetzt noch nicht sagen, mit welchem Geld die Stadt „dringend gebotene Sanierungen, die erst für die nächsten Jahre geplant sind,“ finanzieren soll.

Ein Argument, das die Vertreter der Kollwitz-Schule nicht akzeptieren. Überall seien Löcher in den Platten, „etwa für die Telefonleitungen.“ Die Sekretärinnen säßen daneben. Bitte die Schule den Hausmeisterdienst, Löcher zu stopfen, würde nichts passieren. Nur seit dem Protest im Rathaus „kleben Folien auf löchrigen Platten in der Außenfassade.“

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