Vorreiter darf weitermachen

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Unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung zwischen Stadt und Land: Kultusministerin Nicola Beer und Stadtrat Felix Schwenke.

Offenbach - Das gibt Planungssicherheit und eröffnet weitere Spielräume für die Zusammenarbeit:  Von Fabian El Cheikh

Kultusministerin Nicola Beer und Stadtrat Felix Schwenke unterzeichneten mit den Schulleitern Heinrich Kößler (Theodor-Heuss-Schule) und Manfred Gütlein (Gewerblich-technische Schulen) eine Kooperationsvereinbarung, die das seit 2007 bestehende Projekt Hessencampus in den sogenannten Regelbetrieb überführt. Bis Ende 2016 sind die finanziellen Grundlagen gesichert, damit Offenbach seine Bildungsberatung und berufliche Unterstützung für Erwachsene und Jugendliche fortsetzen kann. Ministerin Beer begründete die Bereitschaft des Landes, sich weiter an dem Projekt zu beteiligen, mit der Vorreiterrolle, die Offenbach während des Probebetriebs eingenommen habe: „Die Stadt war von Anfang an überzeugt, dass die Angebote besser aufeinander abgestimmt werden müssen, und hat ein eigenständiges Beratungskonzept entwickelt.“

Wie wichtig das Vorhaben sei, zeige sich daran, dass zu viele Menschen über existierende Angebote nicht informiert seien, selbst jene nicht, die an entsprechenden Stellen weitervermitteln sollen. „Ohne den Hessencampus wäre es schwierig, ein abgestimmtes Angebot in der Region für Beratung und Qualifizierungsmaßnahmen zu bekommen.“ Der Hessencampus solle diese Verzahnung vereinfachen, Angebote aufzeigen und Lücken erkennen. Dafür haben sich die Theodor-Heuss-Schule und die Gewerblich-technischen Schulen mit der Volkshochschule vernetzt. Eingebunden sind aber auch die Arbeitsagentur, die IHK und die Handwerkskammer. Eine sehr wichtige Rolle eingenommen habe schon im Probebetrieb die Vhs. Beer lobte ausdrücklich deren Leiterin Gabriele Botte: „Sie war stets eine Treiberin des Projekts. So einen Antrieb braucht es dafür auch, und wir als Land haben erkannt, wie sich der Standort profilieren konnte.“ Hervorgehoben wurde im Rathaus unter anderem das Selbstlernzentrum der Vhs, das über die Stadtgrenzen hinaus auf Anerkennung stoße.

Auch Heinrich Kößler (THS) betonte die Notwendigkeit dieses regionalen Bildungsnetzwerks, „da man zu häufig den Überblick verliert“. Mit dem Regelbetrieb entstehe ein gemeinsamer Rahmen, innerhalb dessen das „Lebenslange Lernen“ ausgebaut werden könne. Hintergrund ist, dass heutzutage Berufsbildung oft nicht mehr mit dem ersten Bildungsweg, also dem Schulabschluss, zu Ende ist. Menschen erwerben zusätzliche Qualifikationen, lassen sich umschulen oder holen Schulabschlüsse nach. Gerade auch in Offenbach lebten viele Migranten mit Qualifikationen, die als solche zunächst erkannt und anerkannt werden müssten.

Der Hessencampus ist der wichtigste Baustein zur angestrebten regionalen Bildungskooperation. Der Zugang zu Weiterbildung soll durch Transparenz, Information und Beratung erleichtert, bedarfsgerechte Angebote sollen zur Verfügung gestellt werden. Die Kooperationsvereinbarung beinhaltet die Zuweisung einer halben Stelle in Höhe von 25 000 Euro im Zuge der Lehrerstellenzuweisung an das Landesschulamt. Die Stadt beteiligt sich in gleicher Höhe, um Raum- und Arbeitsplatzkosten mitzutragen. Die beteiligten selbstständigen Beruflichen Schulen stellen im Umfang einer Viertelstelle jeweils 12.500 Euro bereit.

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