Suche nach perfekter Welle

Stadt arbeitet an einer effektiveren Ampelschaltung

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Die Ampel ist grün, aber der Fuß noch auf dem Bremspedal. Da Straßen wie der Odenwaldring überlastet sind, benötigen Autofahrer länger, um eine Kreuzung zu überqueren, als es das Verkehrskonzept der Stadt vorsieht. Deshalb arbeitet das Referat Verkehrsplanung an neuen Konzepten für effektivere Ampelschaltungen.

Offenbach - Offenbachs Straßen sind überlastet. Gerade auf den Hauptverkehrsachsen bilden sich in den Stoßzeiten lange Staus. Das Referat für Verkehrsplanung arbeitet deshalb an einem Konzept für mehr Grüne Wellen. Doch die Umsetzung benötigt Zeit. Von Steffen Müller

Bremsen, warten, anfahren, ein paar Meter rollen, bremsen, warten, anfahren. Nicht nur im Berufs- und Feierabendverkehr kennen viele Autofahrer die Situation. An Offenbachs Ampeln stockt es. Es gibt kaum eine Strecke, auf der mehrere Anlagen hintereinander auf Grün geschaltet sind und so freie Fahrt ermöglichen. Der Grund: Die Berechnungen für eine Grüne Welle sind bislang nicht auf allen Streckenzügen an das Verkehrsaufkommen angepasst. Deshalb arbeitet das Referat Verkehrsplanung an neuen Konzepten für effektivere Ampelschaltungen. Dabei wird auch auf neue Technik gesetzt wie beispielsweise die vermehrte Ausstattung mit zusätzlichen Detektoren, die es den Ampeln ermöglichen, auf kurzfristige Änderungen der Verkehrsstärken flexibler und effektiver zu reagieren.

„Wir haben in Offenbach 137 Anlagen, viele Schaltungen müssen überarbeitet werden“, sagt Rolf Schmidt, der gemeinsam mit seiner Kollegin Ivonne Gerdts für das langfristig angelegte Projekt verantwortlich zeichnet. Vor drei Jahren wurden zusätzliche Mittel für die Erneuerung der Ampel-Steuergeräte und der Steuerungssoftware zur Verfügung gestellt. Seitdem wurden etwa ein Drittel der Anlagen mit der aktuellen Steuer- und Detektionstechnik ausgestattet.

Wie lange manche Ampelschaltungen in Offenbach nicht mehr überarbeitet wurden, wird an der Berliner Straße deutlich. „Seit dem Abschluss des S-Bahn-Baus hat sich hier nichts Grundlegendes geändert“, berichtet Schmidt. Das war im Jahr 1995. Dass sich an der stark befahrenen Straße kurzfristig Besserung einstellt, schließt der Verkehrsplaner aus. „Wir müssen zunächst den Umbau am Kaiserlei und am Marktplatz berücksichtigen. Dann können die Steuerungen exakt auf die neuen Verhältnisse abgestimmt werden.“

Ohnehin dauert es seine Zeit, bis eine Ampelschaltung überarbeitet ist. Denn dafür ist eine gewisse Vorlaufzeit nötig. Erst muss geklärt werden, ob sich eine Umschaltung überhaupt lohnt.

Dies überprüfen die Mitarbeiter der Stadt an Ort und Stelle und durch die Messung des Verkehrs mit Kameras. Dann wird eine Planungsvergabe ausgeschrieben, und erst danach kann das ausgewählte Ingenieurbüro ein Konzept entwickeln. „Der ganze Prozess bis zur Umsetzung dauert für eine Strecke mit sieben bis zehn Anlagen etwa ein bis zwei Jahre“, berichtet Schmidt. „Hinzu kommen hohe Kosten für die technische Umsetzung, so dass die Umsetzung sukzessive erfolgt.“

Dabei sei die Schaltung einer Grünen Welle laut dem Verkehrsplaner „kein Hexenwerk“. Auf Grundlage des Verkehrsaufkommens wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit inklusive Anfahren, Abbiegen und Bremsen bestimmt. Auf dem Südlichen Ring, vom Taunusring bis zur Unteren Grenzstraße, zum Beispiel sind es 45 Stundenkilometer. Bei diesem Tempo wäre eine Grüne Welle möglich, wenn es nicht stellenweise zu sogenannten „Breaks“ kommen würde.

Die irrsten Autofahrer der Welt

Diese entstehen, wenn sich zwei Hauptstrecken kreuzen, beispielsweise der Odenwaldring und die Waldstraße. „Wir stimmen diese Hauptrichtungen bestmöglich aufeinander ab, aber wenn zwei Hauptachsen aufeinandertreffen, ist es oft unvermeidbar, dass die Grüne Welle auf einer Strecke unterbrochen wird“, erklärt Schmidt. Zu den weiteren Hauptverkehrsachsen, die Zug um Zug überarbeitet werden sollen, zählen neben dem Südlichen Ring und der Waldstraße die Sprendlinger Landstraße, Mühlheimer, Berliner, Main- und Bieberer Straße. Mit Blick auf den Stadtplan wird klar, dass sich diese Achsen häufiger kreuzen.

Doch nicht nur die Kreuzungen unterbrechen Grüne Wellen. Durch ein zu hohes Verkehrsaufkommen und Rückstaus kommen auch nicht mehr so viele Autos über eine Ampel wie bei fließendem Verkehr. Damit im Berufs- und Feierabendverkehr etwas Entlastung geschaffen werden kann, hat die Stadt für die Spitzenstunden morgens zwischen 6 und 10 Uhr und abends zwischen 15 und 19 Uhr angepasste Signalprogramme entwickelt. In diesen Zeiten sind die Ampeln in den Hauptfahrtrichtungen etwas länger Grün geschaltet. Anhand von Verkehrsmessungen reguliert ein Computerprogramm die Ampelschaltung.

Sobald wieder weniger Autos unterwegs sind, verkürzen sich die Grünphasen in den Hauptrichtungen wieder. Dass es aber zu einer Überlastung an den Knotenpunkten kommt, kann auch die Grüne Welle nicht verhindern.

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