Marktplatzumbau

Stadt Offenbach greift in Kaiserstraße durch – das sorgt für Ärger

Ärger im Detail: Aus Richtung Fechenheim ist der kürzeste Weg (blau) ins zentrale Parkhaus KOMM-Center via Kaiserstraße gekappt. Wer das Ziel ansteuern möchte, muss eine große Schleife (rot gepunktet) fahren. Kritik: „Das führt zu ungewünschten Staus.“
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Ärger im Detail: Aus Richtung Fechenheim ist der kürzeste Weg (blau) ins zentrale Parkhaus KOMM-Center via Kaiserstraße gekappt. Wer das Ziel ansteuern möchte, muss eine große Schleife (rot gepunktet) fahren. Kritik: „Das führt zu ungewünschten Staus.“

Das Karree des Hauptbahnhofs in der Kaiserstraße in Offenbach ist temporär wieder zur Einbahnstraße geworden. Das sorgt für Ärger.

Offenbach – Die Stadt dreht aktuell das große Zukunftsrad. Der Verkehrsentwicklungsplan (VEB) 2035 soll zeigen, wie man dereinst von nach A nach B gelangt – auch mit welchen Verkehrsmitteln: Bus und Bahn, geteiltes Auto, elektrisch, per Muskelkraft. Klingt alles etwas abstrakt und visionär. Dabei fixiert sich der Bürger lieber auf aktuelle Probleme – etwa in der Kaiserstraße, die im Karree des Hauptbahnhofs temporär wieder zur Einbahnstraße geworden ist.

Die Kaiserstraße ist ab Hospitalstraße wegen Bauarbeiten (Höhe Haus 13-15) schon länger gesperrt, nun ist zudem der Abschnitt vor dem Gerichtsneubau mit rot-weißer Bake und Verkehrszeichen 267 („Verbot der Einfahrt“) dicht. „Die Autofahrer sind zu einer langen Schleife gezwungen; es gibt Staus und dadurch vermehrt Lärm und Abgase. Man wundert sich, zumal man keine Bauarbeiten sehen konnte“, wundert sich etwa Michael John, der sein Büro in der Geleitsstraße hat. Ein Passant wettert derweil in der Kaiserstraße: „Da knickt die Stadt wieder vor den Radfahrern ein.“

Marktplatzumbau in Offenbach sorgt für Verkehrsprobleme

Auslöser der weiteren Sperrung ist tatsächlich ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in Hospital- und westlicher Bleichstraße, die ja seit kurzem Bestandteil einer Fahrradstraßenachse sind. Eigentlich hätte der Verkehr aus Norden kommend die Umleitungsstrecke über die Rathenaustraße nehmen müssen. „Weil sich leider sehr viele Verkehrsteilnehmer nicht an die temporär aufgestellte Beschilderung und verkehrliche Absicherung und Verkehrsführung gehalten haben“, sah sich die Straßenverkehrsbehörde veranlasst, den Verkehrsstrom mit „drastischeren Mitteln“ umzuleiten. Bedeutet: Die zuvor nur für Anlieger freigegebene Kaiserstraße in Richtung Hauptbahnhof ist an Geleits- / Ecke Rathenaustraße nun komplett gesperrt. Wer sich’s an Ort und Stelle anschaut, erkennt, dass dies weiterhin einige Autofahrer herzlich wenig interessiert.

Als zuständiger Planungs- und Baudezernent betont Paul Gerhard-Weiß mit Blick auf die gesamte Innenstadt: „Die Probleme in der Hospital- und Bleichstraße sind - zumindest in diesem Umfang - temporär und haben ihre eigentliche Ursache im Marktplatzumbau.“ Wegen der dortigen Sperrung sah die Umleitungsplanung für den von Norden kommenden Verkehr ursprünglich den Weg über Kaiserstraße und Bismarckstraße zur City vor. Die großen privaten Hochbaumaßnahmen am Anfang der Kaiserstraße kamen dann hinzu und machten es notwendig, „den Verkehr so zu führen, wie er früher ganz regulär floss, als die Kaiserstraße noch Einbahnstraße war: nämlich über die Rathenau- und Luisenstraße zur Bismarckstraße. Das ist noch gar nicht lange her.“

Hohes Verkehrsaufkommen in Offenbach mit Fahrradverkehr führt zu gefährlichen Situationen

Viele Fahrzeuge würden aber die von Michael John angeführte „Abkürzung“ über Hospital-, Mittelsee- und Bleichstraße bevorzugen. Das wäre vielleicht übergangsweise eine hinnehmbare Umleitung, wenn diese nicht Fahrradstraßen wären. Das zu bestimmten Zeiten sehr hohe Pkw-Verkehrsaufkommen kombiniert mit dem Fahrradverkehr in beiden Richtungen führe zu gefährlichen Situationen. Seitens der Stadt wurde sogar nachgedacht, die Fahrradstraßen vorübergehend zu entwidmen, „was aber gar nicht ohne weiteres möglich ist und viele andere Probleme auslösen würde.“ Deshalb folgte seitens der Straßenverkehrsbehörde die „Verschärfung“. Weiß: „Es ist ein nachvollziehbarer Weg, um über die Zeit des privaten Hochbauprojekts zu kommen.“

Die Komplett-Sperrung für Autos auf der besagten Fahrradachse ist übrigens – wie an allen anderen Stellen – keine Option: Die Straßen besitzen zum dortigen Wohnumfeld eine Erschließungsfunktion. Einher geht es stets mit der Bitte um gegenseitige Rücksichtnahme. (Martin Kuhn)

Weitere Informationen zur Offenbacher Fahrradachse erhalten Sie auf der Homepage.

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