„Etwas mehr reinhängen“

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Rundum zufrieden mit der ASS-Sanierung sind die Schüler Ian Jaffrey, Nihal Özdemir und Philipp Despot, die zunächst den Ausführungen von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß folgen.

Offenbach - In die Amtszeit von Paul-Gerhard Weiß fällt eine kommunale Zukunfts-Investition: 250 Millionen Euro waren 2007 für die Sanierung und Erweiterung der Offenbacher Schulen veranschlagt. Von Martin Kuhn

Der FDP-Politiker, in dessen Zuständigkeit das Mammut-Projekt fiel, wird den Vollzug nicht mehr miterleben. Neue politische Mehrheiten kosten ihn den Job. So ist’s nach dem Abschluss der sogenannten 1.  Tranche auch ein bisschen eine persönliche Bilanz, die er gestern zieht. Hinterlässt der Liberale seinem potenziellen Nachfolger ein gut bestelltes Feld? Weiß lächelt und gibt sich diplomatisch: „Ein wichtiges Aufgabenfeld. “ Dann fügt er noch hinzu: „Es bleibt viel zu tun.“

Die Stadt hat es mit ihren Töchter-Gesellschaften genau ausgerechnet. Unvorstellbare 168 941 712 Euro flossen in fünf Jahren in Schulen und Kitas – inklusive aller Förderprogramme. Eine gewaltige Summe. „80 Prozent aller Mittel für den Hochbau haben wir in die Bildung investiert“, sagt der Stadtrat. Klar: Für andere Projekte bleibt kaum ein Euro übrig. Ihn ärgert daher ungemein, dass immer mal wieder der Vorwurf erklingt, das kommunale Sanierungsprogramm habe sich gewaltig verteuert. „Das ist Quatsch.“

Bei nahezu jedem Projekt seien die vom Parlament beschlossenen Kosten eingehalten worden. Ausnahmen: die Buchhügelschule mit einem Plus von 150.000 Euro und die Eichendorffschule mit einem Plus von 100.000 Euro. Dass es in der Addition dennoch heute deutlich mehr sind als im ursprünglichen Grundsatzbeschluss, liege in der Natur der Dinge: „Eine detaillierte Auflistung für jede Schule überfordert ein grundsätzliches Papier.“ Gewünschte Änderungen, notwendige Abstriche und daraus resultierende Summen gebe es mit einem jeweiligen Projektbeschluss – und meist nach zähen, teils emotionalen Gesprächen.

„Ein gegenseitiger Lernprozess“

Im Erdgeschoss der Albert-Schweitzer-Schule, wo aus einem einstigen Musik- erst ein Aufenthaltsraum, später eine Caféteria und heute ein multifunktionales Etwas entstanden ist, nickt Schulleiter Ulrich Schmidt zustimmend. Er erinnert sich: „Da hat’s schon mal gekracht.“ Verständlich. Die Lehrer hatten keinen Plan, wie man eine Schule saniert, die Planer keinen Dunst, welche pädagogischen Anforderungen es gibt. „Ein gegenseitiger Lernprozess“, heißt es rückblickend. Und mit einem Schulleiter, der rundum zufrieden scheint: „Der Neubau des naturwissenschaftlichen Traktes ermöglichte uns die Modernisierung des Unterrichts und eine Profilierung des naturwissenschaftlichen Schwerpunkts.“

Als er 2006 an das Gymnasium kommt, fällt sein Urteil für die Naturwissenschaften vernichtend aus: Aufteilung, Ausrüstung, Brandsicherung – alles schlecht. „Das war kein guter Unterricht möglich.“ Das hat sich mit neuem Gebäude und neuer Ausstattung gewandelt. Ulrich Schmidt: „Ein Glücksfall, eine echte Erfolgsgeschichte.“ Nun gibt es eine Schwerpunktklasse Naturwissenschaften (eine Stunde extra pro Woche) und experimentelles Arbeiten. Ziel: „Wir hoffen, dass wir Schüler verstärkt für naturwissenschaftliche Studiengänge begeistern können.“

Die jungen Damen und Herren sind, zumindest jene, die vor Journalisten sprechen dürfen, angetan. Nihal Özdemir: „In den alten Räumen konnten wir nichts machen, nur beobachten, wenn etwas explodiert ist.“ Heute verbindet sie das Mikroskop mit dem Computer und forscht selbst. Auch Ian Jaffery, wie Özdemir in der Qualifizierungsphase II und somit auf finalem Weg zum Abitur, ist angetan: „Ein rundum positives Bild, das sagen auch die jüngeren Schüler.“ Dickes Lob gibt’s für den digitalisierten Unterricht, mit der Einschränkung: „Es wäre schön, wenn sich die Lehrer etwas mehr reinhängen würden.“

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