Eine sparsame Alternative

LED-Technik für Straßenbeleuchtung

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Auf der Rosenhöhe – hier am Lauterbornweg – ist Monteur Murat Ucar dabei, einen alten „Pilzkopf“ auf modernste LED-Technik umzurüsten. Allerdings reicht es dazu nicht, lediglich die Glühbirne zu wechseln. Bei der Straßenleuchte tauscht er den kompletten Kopf aus.

Offenbach - Mailand hat sich für die großflächige Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED entschieden. In der Summe sind es 141.000 neue Leuchten. Da kann Offenbach nicht mithalten. Von Martin Kuhn 

Gleichwohl versprechen sich die Verantwortlichen die selben Ziele wie in Norditalien: weniger Energie- und Wartungskosten und deutlich besseres Licht in den Straßen. An der EVO ist es, das im Auftrag der Stadt umzusetzen. Energiesparen ist ein großes Thema – auch beim Licht. In den eigenen vier Wänden ist der Wechsel in den Sparmodus recht simpel. Alte 60-Watt-Birne mit Glühfaden rausgedreht, die Energiesparversion dafür eingedreht. Fertig! Bleibt allenfalls die Frage nach dem persönlichen Empfinden: Kompaktleuchtstofflampen werden mitunter als diffus empfunden, LED-Lichtquellen als kalt. Dieses Phänomen ist Peter Roser ebenfalls nicht fremd. Der Elektromeister ist bei der EVO für die Offenbacher Straßenbeleuchtung zuständig. Die subjektive Wahrnehmung ist auch hier unterschiedlich, obwohl Roser mathematisch belegen kann: Die Lichtausbeute ist jeweils identisch.

Weiß oder gelb - das ist hier die Frage. Das Lichtspektrum ist der Technik geschuldet: Die auch in Offenbach ursprünglich weit verbreiteten Quecksilberdampf-Hochdruckleuchten (HQL) geben weißes Licht ab, dürfen aber seit 2015 nicht mehr uneingeschränkt gehandelt werden; de facto bedeutet dies das Aus. Als Alternative bieten sich Natriumdampf-Hochdruckleuchten (NAV, gelbes Licht) oder eben Licht-emittierende Dioden (LED, weißes Licht) an. Dabei kalkulieren die Offenbacher knallhart durch: „Unterm Strich muss es sich rechnen. Der Energieersparnis stehen die Investitionskosten gegenüber. Das kann sich von Straße zu Straße unterscheiden“, sagt Peter Roser, bei der EVO zuständig für Instandhaltung der Straßenbeleuchtung. Nun tut das der lokale Energieversorger nicht allein, sondern mit dem Auftraggeber – der Stadt Offenbach. Und beide sind schon vor dem Ende eines seit 2009 auf zehn Jahre angesetzten Pilotprojekts von der LED-Technik überzeugt.

Elektromeister Peter Roser (rechts) bespricht im großen EVO-Lager mit Thomas Kreis die nächste Umrüstung.

Allerdings verhindert die notorisch klamme Stadtkasse einen rigorosen Schritt wie in Mailand. Dafür fehlt am Main schlicht und ergreifend das Geld. Sehr wohl denkt man bei jeder turnusmäßigen Wartung darüber nach, wie die auslaufenden HQL-Leuchten zu ersetzen sind. Und kommt meist auf eine LED-Lösung – wie unlängst entlang der Waldstraße oder aktuell auf der Rosenhöhe. Nur eines ist klar: Wurde bereits auf NAV-Licht umgestellt, bleibt es (vorerst) dabei. EVO-Teamleiter Roser jedenfalls ist von der Dioden-Technik überzeugt, die sich in den vergangenen Jahren ständig entwickelt und verbessert hat: „Das sind wahre Quantensprünge.“ Daher hat die EVO auch die ursprünglich elf Pilot-Standorte (jeweils à vier Leuchten) auf sieben reduziert – etwa am Mathildenplatz oder vor der Stadtbücherei. Dort begleitet man diesen Alterungsprozess: Stromspannung, Lichtstärke, Temperatur. Entscheidende Frage: Trifft zu, was die Hersteller einst versprochen haben? Roser beantwortet das mit einem schlichten und einfachen: „Ja!“

Auf alle technischen Details achten jedoch die wenigsten. Fürs zuständige Amt für Stadtplanung ist, neben dem Blick aufs Geld und die Zeitspanne, wie rasch sich die in der Anschaffung teureren LED-Leuchten amortisieren, noch etwas anderes wichtig: „Die gestalterische Stärkung des nächtlichen Gesamtcharakters mit einer Qualitätssteigerung durch modernere Technik und einer entsprechenden Leuchtenwahl.“ Inzwischen liegt die Amortisation bei etwa fünf Jahren, haben die Verwaltungsfachleute Achim Weipert und Bodo Boden ausgerechnet. Für Lauterborn, ein mittlerweile komplett auf Dioden-Technik umgerüsteter Stadtteil, haben sie eine durchschnittliche Stromersparnis von 86 Prozent ausgerechnet. „Das macht unterm Strich 70.000 Euro, die wir Jahr für Jahr sparen.“ Zudem werde die Umwelt von 170 Tonnen CO2 entlastet.

Licht aus! Vorher-Nachher-Fotos der "Earth Hour"

Na dann aber los... Eigentlich ja, aber nur innerhalb der finanziellen Möglichkeiten. Im kommunalen Investitionsprogramm sind bis 2018 etwa 2,5 Millionen Euro für die Straßenbelechtung vorgesehen. „Wenn unsere Stadtverordneten das so beschließen“, sagen die beiden Fachleute aus der Verwaltung. Sie verweisen auf externe Fördermittel, die in diesem Fall 90 Prozent der Kosten decken würden. Genug zu tun gibt es jedenfalls in Offenbach: Von 13.168 Leuchten sind noch gut 3500 mit HCL-Technik ausgestattet. Und für eine mögliche Ersparnis sei noch ein Wert angefügt. Die Straßenleuchten kommen auf durchschnittlich 4112 Betriebsstunden – im Jahr. Das summiert sich 2011 auf unglaubliche 6,6 Millionen Kilowattstunden. Durch die kontinuierliche Umrüstung ist dieser Wert 2014 erheblich geschrumpft. Es sind aber immer noch 5,5 Millionen Kilowattstunden.

Eine LED-Leuchte ist bis zu 90 Prozent energiesparender als eine Glühbirne, sie hält bis zu 50.000 Stunden durch.

Allerdings fällt die finanzielle Entlastung für den kommunalen Haushalt geringer aus als der Laie denkt. Der Betrag bleibt nahezu konstant. Grund: Die Steigerung der Stromsteuer frisst nahezu komplett die Energieersparnis auf. Umgerüstet werden aktuell die sogenannten Pilzleuchten auf der Rosenhöhe. Dabei gleichen die Monteure auch die Masthöhen an - auf einheitlich 4,50 Meter. Als nächster Stadtteil folgt Tempelsee. In den Neubaugebieten (Hafen, Bieber-Nord und Bürgel-Ost) werden ohnehin LED-Leuchten installiert. Und wie ist es mit der längeren Betriebslaufzeit und dadurch geringeren Wartungskosten, mit denen auch Privatleute zum Wechsel gelockt werden sollen? „Das trifft für uns nicht zu“, sagt Peter Roser. Alle vier Jahren kontrolliert sein Team die Straßenbeleuchtung turnusmäßig – egal, welche Leuchtentechnik verwendet wird. Das geben gesetzliche Bestimmungen für fest installierte Leuchtkörper vor. An dieser Stelle greift der Spareffekt also nicht. Für alles andere stehen die Zeichen aber eher auf Grün, beziehungsweise auf Weiß...

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