„En scheene Verein...“

Stadt zieht bei verschuldeter TSG Bürgel die Reißleine

Offenbach - Die Stadt übernimmt Schulden der TSG Bürgel. In welchem Umfang steht in einer vom Magistrat bereits beschlossenen Vorlage, über die das Parlament im Dezember abstimmt. Von Matthias Dahmer

Der Beschluss hat es in sich: Faktisch verliert der offenbar tief in der Kreide stehende Verein damit langfristig die Herrschaft über seine Sportanlagen. So wird die Stadt zunächst 460.000 Euro Schulden übernehmen, welche der mehr als 2000 Mitglieder zählende Verein bei der Städtischen Sparkasse hat. Es handelt sich dabei aber nur um eine anteilige Übernahme von Verbindlichkeiten: Wie aus vertraulichen Unterlagen hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegen, steht die TSG noch mit 920.000 Euro bei der Sparkasse im Soll. Die offene Hälfte der Restforderung sollte die TSG eigentlich in monatlichen Raten von mindestens 2800 Euro an die Sparkasse abstottern. Doch auch das ist für den Verein offenbar nicht mehr zu stemmen: „Die Zahlung wäre eine so große finanzielle Herausforderung, dass der vollständige und reibungslose Ablauf der jetzigen Vereinstätigkeit gefährdet wäre“, heißt es in der Magistratsvorlage.

Um die Schuldenübernahme der Stadt abzusichern, wird der bestehende Erbbaurechtsvertrag mit der TSG erheblich von 60 auf nur noch 14 Jahre verkürzt. Er läuft damit Ende 2023 aus, womit dann das Investitionsvermögen des Vereins auf die Stadt übergeht. Nach 2023 erhält die TSG einen 30-jährigen Pachtvertrag über die Sportanlage zu marktüblichen Konditionen. Davon ausgenommen ist die Vereinsgaststätte, die dem Verein zu einem symbolischen Pachtzins überlassen werden soll. Dass der Erbbaurechtsvertrag noch weitere acht Jahre läuft, ist dem Umstand geschuldet, dass man beim Bau der ESO-Sportfabrik ein mittlerweile geschlossenes Steuerschlupfloch nutzte und der Ausstieg aus dieser Regelung erst dann möglich ist. Die TSG, deren Motto „En scheene Verein“ lautet, trat als Bauherr der fast ausschließlich über öffentliches Geld finanzierten Halle auf, weil damit 820.000 Euro Steuern gespart und Fördermittel gesichert werden konnten.

Faktisch verliert der Verein aber schon zum 1. Januar 2016 die Hoheit über seine Sportanlagen: Dann soll der „Vertrag über den Betrieb der Sportanlage ESO-Sportfabrik“ greifen, der laut den Plänen Sportfabrik, Tennishalle und Pellets-Heizungsanlage umfasst. Danach führt und betreibt die TSG die Anlagen im eigenen Namen und auf eigene Kosten. Dafür gibt es dann von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von 101.400 Euro. Hinzu kommen 46.500 Euro pro Jahr, welche die Stadt der TSG zahlt, damit sie die Halle für den Schulsport nutzen kann.

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Man habe damit eine Zuschussregelung analog zum Schwimmbadbetreiber EOSC getroffen, sagt Kämmerer Felix Schwenke. Ihm ist wichtig: „Die TSG wird künftig wie jeder andere Verein auch behandelt.“ Dazu gehöre etwa, dass die Bürgeler, ähnlich wie der EOSC, höhere Beiträge von ihren Mitgliedern verlangen müssten. Bei aller künftigen Gleichbehandlung lässt die Stadt die TSG rückwirkend doch noch gut davonkommen: So werden dem Verein im Erbbaurechtsvertrag seinerzeit vereinbarte und seit 2013 nicht mehr gezahlte Erbbauzinsen von insgesamt rund 40.000 Euro erlassen. Hinzu kommt der Verzicht aus offenen Forderungen der Stadt aus Erschließungskosten über 69.000 Euro.

Die Schieflage der TGS Bürgel, da sind sich alle Akteure einig, rührt noch aus Zeiten, die vom aktuellen Vorstand nicht zu verantworten sind, aber immer noch nachwirken. 2008, so heißt es in der Magistratsvorlage, konnte dann die Kontinuität des Vereinsbetriebs nur durch Forderungsverzicht von Sparkasse und Stadt gegen Besserungsabrede gesichert werden. Insgesamt hat die anfangs auf 3,5 Millionen Euro veranschlagte ESO-Sportfabrik 5,2 Millionen Euro gekostet. 2,2 Millionen davon wurden über Konjunkturprogramm, Landeszuschuss und Steuerspar-Modell aufgebracht. 3,1 Millionen zahlte die Stadt, wobei 2,25 Millionen aus dem Verkauf des Grundstücks der alten Jahnhalle refinanziert wurden. Der TSG-Vorstand teilte gestern auf Anfrage mit, über den aktuellen Magistratsbeschluss werde die Vereinsspitze morgen beraten.

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