Spitzenquote bei Teilhabe

Stadt Offenbach stellt Sozialbericht für 2014 vor

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Das kommunale Jobcenter Mainarbeit schafft es besser als die Einrichtungen in Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt, Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen.

Offenbach - Mit der Einwohnerzahl ist in Offenbach auch die Zahl der Empfänger staatlicher Hilfen gestiegen. Das mag man als schlechte Nachricht bewerten. Die gute ist: Zumindest die Quote ist nicht hochgegangen. Dies weist der städtische Sozialbericht für 2014 aus. Von Markus Terharn 

Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke, Dr. Matthias Schulze-Böing als Leiter des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration sowie des kommunalen Jobcenters Mainarbeit und Ralf Theisen als Referent für soziale Stadtentwicklung und Sozialplanung legten das Papier gestern vor. Auf fünf Thesen knackt SPD-Stadtrat Schwenke den insgesamt neunten Report seiner Art zusammen:

Erstens: „Die Sozialausgaben bleiben konstant hoch“, nimmt Schwenke Wesentliches vorweg. Grund ist, dass mit dem Wachstum der Bevölkerung die Zahl derer zunimmt, die Arbeitslosengeld II beziehen. Was nicht mitwächst, ist die Quote. Mit den Zuwanderern aus dem Südosten der Europäischen Union kommen nämlich auch andere, betuchtere Neubürger nach Offenbach, so dass sich der Effekt ausgleicht.

Zweitens: „Nach wie vor lebt jedes dritte Kind in einem Hartz-IV-Haushalt“, benennt Schwenke einen unerfreulichen Aspekt. Um eine positive Seite gleich hinzuzufügen: „Bei der Inanspruchnahme von Bildung und Teilhabe liegen wir auf Platz drei unter den Kreisen und kreisfreien Städten im Land.“ Das heißt: Es gelingt im Hessen-Vergleich sehr gut, dass die Berechtigten wissen, welche Möglichkeiten sie haben.

Drittens: „Das Jobcenter macht eine gute Arbeit“, lobt Schwenke und kommt damit sogleich zu Punkt vier: „Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt an.“ Punkt fünf ist schließlich die Frage, was die Stadt tun kann, damit die Kurve in Sachen soziale Entwicklung weiter nach oben zeigt.

Dezernent Schwenke und Amtsleiter Schulze-Böing untermauern ihre Kernthesen mit Zahlen und Statistiken. So ist die Zahl der Leistungsberechtigten nach Sozialgesetzbuch II zwar seit 2011 im Steigen begriffen, liegt aber mit 19 684 noch knapp unter dem Ausgangsniveau 2006 (19 965). Die Quote ist in dem Zeitraum von 20,1 auf 18,3 Prozent gesunken. „Das ist in Hessen aber immer noch die höchste Quote und liegt bundesweit im oberen Viertel“, bedauert Schulze-Böing.

Kommunen ächzen unter drastisch gestiegenen Sozialausgaben

Interessant: Die Bulgaren liegen mit 25,5 Prozent klar über, die Rumänen mit 14,8 Prozent jedoch deutlich unter dem Durchschnitt. Bei den Deutschen beträgt dieser Wert übrigens 15,2 Prozent. Ein Aspekt, der Schwenke wichtig ist: „Wir können keinen rausschmeißen, sondern nur dafür sorgen, dass auch andere kommen.“ Den Einwand, die Stadt profitiere ohne ihr Zutun vom Zuzug aus Frankfurt, kontert er so: „Niemand zwingt uns, Baugebiete für Einkommensstarke auszuweisen. Wir könnten die Flächen ja auch aus ökologischen Gründen freihalten – oder sie aus sozialen Gründen mit öffentlich gefördertem Wohnraum bebauen.“

Ein Trend: Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der in Offenbach Arbeitenden (damals 50.000) an die Zahl der in Offenbach wohnenden Beschäftigten (damals 40.000) auf je 45.000 angeglichen. Bei in Anspruch genommenen Leistungen für Bildung und Teilhabe erreicht Offenbach eine Quote von 73,6 Prozent. Nur die Stadt Kassel und der Kreis Marburg-Biedenkopf schaffen mehr, die Stadt Frankfurt liegt bei der Hälfte.

Bei der Integrationsquote, der Vermittlung in Beschäftigung, liegt Offenbach mit 25,6 Prozent vor Wiesbaden (25,1), Darmstadt (25,0) und Frankfurt (23,1). Beim Anteil der Leistungsbezieher rangiert die Innenstadt weiter vor Lauterborn oder den Außenbezirken. Die Stadtteile nähern sich einander zwar an, ohne sich jedoch völlig zu nivellieren.

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