Schutzengel sind überall

Stadt verleiht Rathausmedaillen an sieben Lebensretter

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Sie taten im entscheidenden Moment das Richtige: OB Horst Schneider und Anja Wetz, Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums, zeichneten die Lebensretter Sebastiana Di Bella, Jörg Gerlach und Tobias Hofmann, Tom Knoche und Gabriel Eckhardt, Rolf-Michael Isaak und Yunus Emre Tangör aus. Letzterer fehlte beim Fototermin.

Offenbach - Sie haben beherzt eingegriffen, als Hilfe nötig war. Während einer kleinen Feierstunde überreichte Oberbürgermeister Horst Schneider sieben Lebensrettern die Offenbacher Rathausmedaille. Sie alle kamen im vergangenen Jahr Menschen in Offenbach zu Hilfe.

Durch ihre Aufmerksamkeit und ihr schnelles Handeln retten sie andere aus Gefahrensituationen. Hilfe ist im Alltag leider keine Selbstverständlichkeit. Obwohl die meisten Menschen wissen, wie wichtig etwa Erste Hilfe bei einem akuten Notfall ist, sind nur wenige bereit und in der Lage, einzugreifen. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 10.000 Menschen, weil Hilfe zu spät oder gar nicht kommt.

In Offenbach aber haben sieben Menschen im vergangenen Jahr in ihrer jeweiligen Situationen genau das Richtige getan: Sie haben nicht nur zugesehen, sondern gehandelt. „Sie haben uns gezeigt, dass Leben retten keine Frage des Alters, der Nationalität oder des Geschlechts ist“, dankte Oberbürgermeister Horst Schneider den Rettern. „So entschieden, selbstbewusst und energisch Sie in den einzelnen Fällen zur Hilfe eilten, so bescheiden sind Sie alle, wenn es darum geht, Dank anzunehmen. Denn für Sie war die Hilfe selbstverständlich.“

Sebastiana Di Bella verhinderte im April 2014 einen Selbstmord. Die 38-Jährige ging mit ihrem Hund am Mainufer spazieren, als sie beobachtete, wie eine Frau mit Hausschuhen bekleidet aus einem Taxi stieg, zielstrebig zum Wasser lief und kopfüber in den Fluss sprang. Di Bella zögerte nicht lange und sprang der Frau hinterher. „Mein Gedanke war damals: Wenn du so schnell bist, dass sie nicht allzu weit von der Strömung abgetrieben wird, kannst du es schaffen!“, erinnert sich die Retterin. Sie schaffte es. Einzig ihr Schlüsselbund und das Handy versanken im Wasser.

85-Jährige vor Rauchvergiftung bewahrt

Jörg Gerlach und Tobias Hofmann bewahrten eine 85-Jährige vor einer Rauchvergiftung. Die Männer aus Mühlheim und Klein-Wallstadt bauten im Mai 2014 Dachfenster in einem Mehrfamilienhaus ein, als im Haus ein Rauchmelder Alarm schlug. Schnall hatten sie die Wohnung gefunden, aus der Qualm drang.

Weil Klopfen und Rufen erfolglos blieb, klingelten sie bei den Nachbarn. Zum Glück hing dort ein Schlüssel für die Nebenwohnung. Als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr wussten die 28 und 35 Jahre alten Männer, was zu tun ist: Sie gingen in die brennende Wohnung und fanden die 85-jährige Bewohnerin am Boden liegend. Durch Öffnen der Fenster und Herausbringen der Seniorin retteten sie nicht nur die Bewohnerin, sondern verhinderten mit großer Wahrscheinlichkeit auch einen Wohnungsbrand.

Yunus Emre Tangör rettete einem Mann durch unermüdliche Herzmassage das Leben. Vor den Augen des damals 19-Jährigen fiel im Juni 2014 ein älterer Herr ohne ersichtlichen Grund um und schlug hart mit dem Gesicht auf dem Boden auf. Tangör griff sofort ein. Der blutüberströmte Mann war zuerst noch ansprechbar, verlor nach mehreren Krampfanfällen aber das Bewusstsein. Tangör brachte ihn in die stabile Seitenlage – als weitere Krampfanfälle folgten und der Mann plötzlich aufhörte zu atmen, begann er sofort mit einer Herzdruckmassage, bis der Verletzte schließlich wieder zu atmen anfing.

Aus dem Main gerettet

Tom Knoche und Gabriel Eckhardt aus Obertshausen zogen im August einen Mann von den S-Bahn-Gleisen. Beim Ausstieg bemerkten die 19 und 22 Jahre alten Männer einen jungen Mann, der sich schwankend dem Bahnsteig auf der gegenüberliegenden Seite näherte, das Bewusstsein verlor und auf die Gleise stürzte. Weil die Ankunft der nächsten Bahn laut Anzeigetafel kurz bevor stand, sprangen sie auf die Gleise und versuchten, den bewusstlosen 19-Jährigen zu bergen. Als dies nicht sofort gelang, kamen ihnen zwei Frauen zu Hilfe. Gemeinsam brachten sie den jungen Mann in Sicherheit. Die beiden Frauen verließen die Station, noch ehe die Polizei eintraf.

Rolf-Michael Isaak rettete eine Frau aus dem Main: Mit seiner Hündin Mila ging der 53-jährige Offenbacher im Dezember am Mainufer spazieren, als das Tier auf ein Geräusch im Wasser aufmerksam wurde. Isaak entdeckte eine Frau regungslos im Wasser treiben. Schnell setzte er einen Notruf ab und stieg in den drei Grad kalten Fluss. „Hoffentlich machst du jetzt nichts Falsches“, dachte er sich einen kurzen Moment, tauchte dann aber ins Wasser. Er erreichte die Frau und brachte sie ans Ufer. Da es ihm nicht möglich war, sie allein an Land zu bringen, harrte er in der Kälte aus, bis die Rettungskräfte eintrafen.

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jb

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