Jeder zweite städtische Verwaltungsmitarbeiter arbeitet bereits zuhause

Stadt Offenbach wartet auf Laptop-Bestellung

Laptops für sämtliche Angestellte sollen mobiles Arbeiten bei der Stadt ermöglichen.
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Laptops für sämtliche Angestellte sollen mobiles Arbeiten bei der Stadt ermöglichen.

Lange Zeit wurde die digitale Heimarbeit in Deutschland teils belächelt, teils argwöhnisch betrachtet, während sie in anderen Teilen der Welt längst fester Bestandteil des Arbeitslebens ist. Die Corona-Pandemie hat seit dem Frühjahr zu einem Umdenken hierzulande geführt. Unternehmen und Verwaltungen setzen auf Homeoffice, auch das Offenbacher Rathaus: Schon zu Beginn der ersten Corona-Welle meldete die Stadt, dass ein Großteil der Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten kann.

Offenbach - Doch daran hat Leserin Bianca Bartl ihre Zweifel: Sie schreibt, dass einige ihrer Bekannten bei der Stadt in Lohn und Brot stünden und die Heimarbeit in vielen Abteilungen „an der stoischen Haltung der Amtsleitungen“ scheitern würde. „Einige möchten einfach nicht oder sehen es nicht gerne, dass ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten (...). Sie bestehen ausdrücklich auf deren Anwesenheit, weil sie offenbar glauben, zu Hause würde weniger geleistet“, schreibt sie.

Auf Nachfrage teilt die Stadt unserer Zeitung mit, dass noch immer mit 630 Mitarbeitern knapp die Hälfte der 1300 Beschäftigten momentan von zuhause aus ihrer Tätigkeit nachgehen. Laut Stadtsprecher Fabian El Cheikh wurde seit dem Frühjahr in die digitale Infrastruktur des Rathauses investiert, um etwa sichere VPN-Zugänge in ausreichender Zahl für die Mitarbeiter, die in den eigenen vier Wänden arbeiten wollen, zur Verfügung zu stellen.

Auch das Land hat mit seinem Programm „Starke Heimat Hessen“ bereits 16 Millionen Euro für die Kommunen und Kreise zur Unterstützung der Digitalisierung der Behördenarbeit zur Verfügung gestellt, bis 2023 stehen jährlich weitere 20 Millionen dafür bereit. Erst kürzlich hat das Land verlautbaren lassen, dass sämtliche Kommunen und Kreise Förderanträge zur Unterstützung der Digitalisierung gestellt hätten und diese bewilligt worden wären.

Allerdings lassen sich nicht alle Arbeiten vom Büro ins zuhause der Mitarbeiter verlegen, besonders wenn es um den Umgang mit sensiblen Daten geht. „Genau an der Frage der Sicherheit scheitert es in manchen Fällen“, sagt El Cheikh. Zwar verfüge die Stadt über sichere VPN-Zugänge, es gebe „trotzdem Sonderfälle, die nicht aus dem Homeoffice getätigt werden können“. Wo es betrieblich möglich sei, werde Homeoffice ermöglicht, wie an der großen Zahl der bereits in Heimarbeit befindlichen Mitarbeiter zu sehen. Die Stadtverwaltung versuche, „wo immer möglich ist, dies einzurichten“.

Gleichzeitig kündigt sich generell ein Wechsel für die Zukunft an: Die Stadt stelle „grundsätzlich alle Arbeitsplätze auf mobiles Arbeiten um – Laptops werden die Desktoprechner ersetzen“, wie El Cheikh sagt. Dabei ist jedoch einen Unterschied zu beachten: Die Stadt – wie auch das Land – sprechen hier vom „mobilen Arbeiten“, was nicht gleichbedeutend mit Homeoffice ist. Denn den Arbeitsplatz komplett in die Wohnungen der Beschäftigten zu verlegen, bringe einiges an Verpflichtungen mit sich: „Der Arbeitgeber muss dann auch den Arbeitsplatz zu Hause mitbezahlen. Hinzu kommen Versicherungsfragen. Daher erstmal nur der Schritt auf mobiles Arbeiten, das dann auch – zeitweise – von zuhause möglich ist“, sagt El Cheikh.

Zunächst werden also Laptops angeschafft für die Mitarbeiter. Das Problem dabei: Da momentan sehr viele Kommunen und Unternehmen einen erhöhten Bedarf an mobilen Geräten haben, gibt es lange Lieferfristen. Laut Stadt werden inzwischen gar keine Liefertermine mehr genannt. Für einige Bereiche der Verwaltung kann es daher noch dauern, bis sich die Möglichkeit zur Heimarbeit eröffnet.

Dass diese aber auch Nachteile mit sich bringt, sollte jedoch nicht vergessen werden. Vor Kurzem veröffentlichte der TÜV- Rheinland eine Umfrage zur Arbeitsqualität im Homeoffice: Von 2 500 befragten Personen gaben zwar 60 Prozent an, „gut“ von zuhause aus arbeiten zu können, doch fast 30 Prozent gaben an, „eher“ oder „deutlich schlechter“ zu arbeiten.

Von Frank Sommer

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