Stadt will Hoheit über Trinkwasser

Offenbach - Wenn es nach dem Willen des Offenbacher Magistrats geht, wird die Bewirtschaftung des Wassers zum 1. Januar 2016 wieder komplett in kommunale Hände gelegt.

Oberbürgermeister Horst Schneider bestätigte gestern auf Anfrage, dass der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) der Energieversorgung Offenbach (EVO) das Geschäftsfeld Wasser abkaufen soll. Branchenexperten schätzen, dass dafür nahezu 40 Millionen Euro gezahlt werden müssten. Laut Schneider ist der Kreis als ZWO-Anteilseigner in die Pläne eingeweiht. Beschlüsse gibt es freilich noch keine. Gleichwohl ist Schneider zuversichtlich, dass „die komplette Rekommunalisierung des Wassers von der Quelle bis zum Wasserhahn“ von allen Gremien abgesegnet am 7. Mai in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden kann. Vorgesehen sei ein Stufenmodell, bei dem die betriebliche Führung zunächst bei der EVO bleiben solle, „auch um die kurzfristigen Auswirkungen der Eigentumsübertagung so klein wie möglich zu halten“.

Neben dem ordnungspolitischen Schritt einer Rückführung des Wassers in öffentliche Regie rechnet der OB auch noch mit einem finanziellen Vorteil. So erwartet Schneider eine höhere Ausschüttung durch den ZWO als durch die EVO, die die Kommunalpolitiker ja auf sinkende Beträge vorbereitet habe. Auch für den Energieversorger gebe es auf der Sachebene nur Vorteile, fließe ihm doch erheblich Liquidität zu.

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Vom EVO-Vorstand gab es keine Stellungnahme. Betriebsratsvorsitzender Johannes Böttcher sagte, für die Belegschaft sei es unerklärlich, wie die Stadt als Anteilseigner dem eigenen Unternehmen buchstäblich das Wasser abgraben wolle. Darüber hinaus sei sie enttäuscht, dass 20 Jahre gute und zuverlässige Arbeit nicht gewürdigt würden. Böttcher: „Die Belegschaft schaut mit Sorgen in die Zukunft.“

Aus politischen Kreisen werden die Wasserpläne in einen größeren Zusammenhang gestellt. Danach sollen sie ein erster Schritt zur Rekommunalisierung der gesamten EVO sein. Dazu müssten die Anteile vom Hauptaktionär MVV Energie AG aufgekauft werden. Mit den Wasserplänen würde den Mannheimern bedeutet, dass die Stadt in der Lage ist, wesentliche Teile aus der EVO herauszubrechen, heißt es. Die Drohkulisse solle den MVV-Vorstand letztlich davon überzeugen, dass der Anteilsverkauf die für ihn lukrativere Variante sei.

fp

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