Konfliktfreie Anlieferung

Stadt und UPS stellen Pilotprojekt für die Fußgängerzone vor

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Lautlose Päckchen-Rikscha: Fahrer Anastasios Savallas demonstrierte gestern schon mal, wie es künftig funktioniert. Das bedeutet für die Passanten: Kein Lärm, keine Abgase und wesentlich weniger Platzbedarf dank des neuen Lieferfahrzeugs.

Offenbach - Im Zuge eines Pilotprojekts mit der Stadt testet der Paketdienst UPS in der Offenbacher Fußgängerzone in den nächsten zwei Jahren ein elektrisch unterstütztes Lastenrad. Von Matthias Dahmer 

Mit dem emissionsfreien „Cargo Cruiser“ soll der Anlieferverkehr in der City stadt- und umweltverträglicher werden. Bislang gibt es das Projekt nur in Hamburg. Er müsse sich noch ein wenig an das Gefährt gewöhnen, sagt Anastasios Savallas. Der 49-jährige UPS-Mitarbeiter wird künftig vermutlich zur Freude vieler Passanten in der Fußgängerzone die Pakete seines Unternehmens lautlos und platzsparend ausliefern. Die Zeit der großen Dieselstinker, welche die Wege versperren, sind in Offenbach zumindest für UPS vorbei. Und so soll es funktionieren: Täglich stellt der amerikanische Dienstleister einen zuvor in der Niederlassung Fechenheim beladenen großen Lkw-Anhänger auf dem Platz der Deutschen Einheit ab. Dort lädt Savallas die Pakete in sein braunes, Rikscha ähnliches Elektrorad um und beliefert dann die jeweiligen Geschäfte in der Fußgängerzone. Weil Radeln dort verboten ist, gab es vom Rathaus eine Ausnahmegenehmigung. Abends holt UPS den Anhänger wieder ab, das E-Lastenrad wird bei einem Unternehmen an der Waldstraße aufgeladen.

Für Heike Hollerbach, Chefin des Umweltamts, ist es „ein bisschen wie Weihnachten“, wie sie bei Vorstellung des Projekts gestern Vormittag auf dem Platz der Deutschen Einheit gesteht. Bereits seit 2010 sei man mit UPS im Gespräch, um dieses Projekt nach Offenbach zu holen. Die dadurch entstandenen Kontakte und die Nähe zur Niederlassung Fechenheim haben nach den Worten von Victor Stern, UPS-Direktor für Frankfurt, den Ausschlag dafür gegeben, dass Offenbach ausgewählt wurde. Bislang sind nur in Hamburg fünf UPS-Lastenräder unterwegs. Dort werden sie seit 2013 eingesetzt. Auch der hessische Verkehrsminister lässt es sich gestern nicht nehmen, mit dem Gefährt eine Runde zu drehen. Zuvor weist Tarek Al-Wazir auf die Bedeutung des Projekts hin, das er als etwas „völlig Innovatives“ bezeichnet: Paket-Diensleistungen seien ein wachsender Markt, sagt er. Allein 2014 seien in Deutschland 28 Milliarden Sendungen verschickt worden. Die Branche erwirtschafte 16,6 Millionen Euro jährlich, schaffe Arbeitsplätze und sei damit ein Wirtschaftsfaktor. Auf der Negativ-Seite stehe indes der dadurch zunehmende Verkehr in den Städten. Unter den Anlieferungen der Paketdienstleister, die meist noch mit Dieselfahrzeugen unterwegs seien, leide die Luft- und Aufenhaltsqualität in den Innenstädten.

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Umweltamtsleiterin Hollerbach untermauert mit Offenbacher Zahlen: Der Gesamtbestand an Nutzfahrzeugen ist von 2008 bis 2015 um 400 auf 3201 Fahrzeuge gestiegen. Der größte Teil davon, nämlich 2398, verfügt über eine grüne Plakette. Bislang, so Hollerbach, seien 521 Ausnahmegenehmigungen für die Umweltzone ausgestellt worden. Geringer als der geneigte Beobachter vielleicht denken mag ist die Zahl der erteilten Genehmigungen zum Befahren der Fußgängerzone. Einschließlich derer, die dort als Anwohner parken dürfen, gebe es 76 Genehmigungen, berichtet Hollerbach. Anja Georgi, OVB-Chefin und Leiterin der Projektleitstelle Elektromobiliät Rhein-Main, weist darauf hin, dass UPS das Projekt ohne staatliche Förderung in Angriff genommen habe. Für Bürgermeister und Umweltdezernent Peter Schneider ist das E-Lastenrad ein „beispielhaftes Projekt“, das auch eine gute Werbung für das Unternehmen darstelle. Weniger Lärm und weniger Stickoxide in der Innenstadt seien ein wichtiges Thema.

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