Kaum Personal für Knöllchen

Autofahrer blockiert Fahrrad-Stellplätze - Marktbesucher sind sauer

Dauer-Ignoranz: Auch wenn die Suche nach Parkplätzen quälend ist, sollte nicht jede Lücke so dreist missbraucht werden – an Markttagen ist das ein ständiges Ärgernis.
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Dauer-Ignoranz in Offenbach: Auch wenn die Suche nach Parkplätzen quälend ist, sollte nicht jede Lücke so dreist missbraucht werden – an Markttagen ist das ein ständiges Ärgernis.

Auf dem Wilhelmsplatz in Offenbach blockiert ein Falschparker mehrere Fahrrad-Abstellplätze. Das sorgt bei Marktbesuchern für Unmut.

Offenbach – Sommer, Sonne, Sonnenschein. Da satteln viele um aufs Radfahren. Ist ja viel gesünder. Und – aktuell nicht ganz zu vernachlässigen – man darf als Pedalritter auf die vierlorts obligatorische Mund-Nasen-Bedeckung verzichten. Die gestiegene Radler-Frequenz ist an Markttagen gut zu beobachten. Allerdings steigt auch der Frust, weil die Fahrrad-Abstellanlagen teils rigoros zugeparkt werden. Das ärgert einige Leser. So sehr, dass die Verwaltung am Wilhelmsplatz jetzt baulich reagieren muss.

Samstag, 8 Uhr, südlicher Wilhelmsplatz.  Der schwarze Volkswagen passt prima zwischen die Fahrradabstellanlage, blockiert jedoch sechs Bügel. „Einige Verkehrsteilnehmer wollen es partout nicht begreifen...“, ist der Offenbacher Thomas H. sauer und fügt ein Bild bei. Klar, er nutzt das Velo für die Einkäufe. Auch Hilde F. reicht’s an diesem Morgen, sie fotografiert kurze Zeit später den selben VW und beklagt: „Am Samstag wurde hier nicht kontrolliert, obwohl ich die Stadtpolizei angerufen hatte. Wir standen bestimmt eine Stunde hier. Man hat das Gefühl, hier kann jeder machen was er will.“ Im konkreten Fall ist’s entweder ein standhafter Ignorant oder ein wiederholtes Vergehen: Der Firmenwagen blockiert bereits am Freitag die Stellplätze.

Verkehr in Offenbach: Priorität der Polizei liegt beim Corona-Geschehen

Da müsste doch mal mit wachem Auge geschaut werden – zumal zehn Meter weiter am frühen Samstagmorgen zwei Autos, so die Bekannte, an den Haken gekommen sind. Das Ansinnen wird Peter Weigand weitergereicht. Der Leiter des Ordnungsamtes bekundet: „Die Parksituation rund um den Wilhelmsplatz und auf ihm selbst, ist uns bekannt. Es existiert ein Sonderkontrollauftrag für die Verkehrsüberwachung.“ Mit der Corona-Pandemie haben sich allerdings die Prioritäten verschoben.

Zwei Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung sind dauerhaft zur Überwachung der Maskenpflicht am Wochenmarkt eingesetzt. Bedeutet: weniger Überwachung im ruhenden Verkehr an drei Wochentagen – also ausgerechnet an den Markttagen. Und: „Die Stadtpolizei ist zurzeit ausschließlich in Corona-Maßnahmen gebunden und kann den Verkehrsdienst kaum unterstützen.“

Die Zahl der Verwarnungen im ruhenden Verkehr lag im vergangenen Jahr bei etwa 80 000. Dies ist deutlich geringer als in den Vorjahren, hat aber Hintergründe und Ursachen: Zum einen führen der Corona-bedingte Lockdown in der Innenstadt und die damit verbundenen Schließungen der Geschäfte zu einem Rückgang des Individualverkehrs „und damit auch zu einem Rückgang der geahndeten Verstöße“.

Offenbach: Beschluss des OLG Frankfurt sorgt für Personallücken

Hinzu kommt: Aufgrund eines Beschlusses des OLG Frankfurt vom Januar 2020 zur Parkraumüberwachung dürfen private Sicherheitsdienste nicht mehr zur Verkehrsüberwachung eingesetzt werden. Weigand: „Aus diesem Grund wurde der Einsatz von Leiharbeitnehmern in diesem Bereich zum 21. Januar 2020 beendet.“ Das Verfahren zur Gewinnung von neuem städtischen Personal zur Bewältigung dieser Aufgabe sei zwar schon in einer Eilaktion zum 17. Februar 2020 abgeschlossen worden, im Januar und Februar habe aber für gut vier Wochen kaum eine Überwachung stattgefunden.

Heißt letztlich: Jene Knöllchen waren null und nichtig. Weitere „erhebliche Einbußen“ resultierten Ordnungsamtsleiter aus dem seitens des Bundesverkehrsministeriums fehlerhaft erstellten neuen Bußgeldtatbestandskatalog und der dadurch auf Anweisung einzustellenden Verkehrsverstöße. In der Summe liest es sich wie ein Freibrief für Parksünder.

Stadt Offenbach: Neue Stellplätze für Fahrräder in Planung

Zumindest die radelnden Marktkunden können künftig indes auf mehr und besser zugängliche Stellplätze hoffen. Es werden neue Ständer montiert, die so platziert werden, dass kein Automobil mehr dazwischen Platz findet, aber der notwendige Mindestabstand zwischen den Fahrradständern von 1,90 Meter gewahrt bleibt, kündigt Stadtsprecher Fabian El-Cheikh an.

Damit folge die Stadt den aktuellen Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität in Hessen (AGNH) von 1,80 bis zwei Meter Abstand. „So bleibt der nötige Raum zum Rangieren mit dem Rad bestehen, aber Autos können sich nicht mehr dazwischen stellen.“ (Martin Kuhn)

Der Wochenmarkt in Offenbach findet trotz Corona-Lockdown statt. Aber auch hier hat Corona etwas geändert.

Infos im Internet nahmobil-hessen.de

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