Stadt setzt auf viele Paten

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Bello hat sie alle im Blick. Mit diesem Plakat wirbt die Stadt für mehr Sauberkeit und Rücksichtnahme. Als Werbung gedacht, spiegelt es ein heiß diskutiertes Thema wieder. Im Senefelder-Quartier stinkt’s vielen Anwohnern im wahrsten Sinne.

Offenbach - Reisezentrum, Schalterhalle, Baustelle. Dieser Flügel des Hauptbahnhofs hat einen steten Abstieg erlebt. Dort versammeln sich gestern mehr als 50 Anwohner des „Senefelder-Quartiers“. So könnte einmal der Bereich zwischen Bahnlinie und Starkenburgring heißen. Von Martin Kuhn

Die Namensfindung ist eines der Ziele der Initiative „Besser leben in Offenbach“, die dort in die fünfte Runde geht. Es ist eines der kleineren Problems. Das verdeutlichen teils emotionale Wortbeiträge. Kurz gefasst: Dem Bürger stinkt der Hundekot und nervt der Bolzplatz.

Ordnungsdezernent PaulGerhard Weiß (FDP) umreißt die Grundzüge des Projekts: „Mehr Sicherheit, mehr Sauberkeit. Details anpacken, die nicht größer auffallen.“ Er betont das Prinzip des „Bürgerprojekts“: „Wir wollen mit Ihnen etwas erreichen, setzen auf Hinweise und hoffen auf Mitstreiter.“ Das sind Paten, die sich um Kleinigkeiten kümmern. In den bisherigen vier Gebieten Mathildenviertel, Innenstadt, Nordend und Lauterborn hat’s funktioniert. Weiß spricht von mehr als 50 Paten, die das Motto „Gib acht auf Offenbach“ besonders beherzigen.

„Bewusstsein der Menschen muss sich ändern“

Auf Auge und Nase geht den Anwohnern südlich der Bahnlinie vor allem der Hundekot. „Das Bewusstsein der Menschen muss sich ändern, sonst verschwenden Sie das ganze Geld“, klagt eine Frau. Der Stadtrat stimmt ihr zu: „Es ist, was diese Problematik betrifft, einer der schlimmsten Offenbacher Stadtteile.“ Dann, so folgt die Forderung der Menschen, möge die Stadt Hundehalter ähnlich penetrant kontrollieren wie Falschparker. Dafür gibt’s vereinzelt Beifall und Bravo-Rufe. Der Freidemokrat schränkt aber ein: „Um diese Sünder zu belangen, braucht es richtige Stadtpolizisten mit polizeilicher Vollzugsgewalt. Der reguläre Verkehrsdienst darf das gar nicht.“ Immerhin: Unter seiner Federführung wurde deren Zahl von 12 auf 23 erhöht. Und er kündigt fürs Senefelder-Quartier unangenehme Zeiten fürs Gassigänger an, die sich nicht um die Hinterlassenschaften kümmern: Mehr Aufklärung, mehr Streifen, mehr Kontrollen. Ob das in der Summe weniger Hundedreck gibt, wird sich zeigen.

Ein zweiter Knackpunkt: der Spielplatz Schäfer-/ Ecke Herrmannstraße. Ein Graus ist den Anwohnern dort vor allem der Bolzplatz mit seinen Stahltoren – jeder Treffer gibt ordentlich Geschepper. „Eine absolute Dummheit“, urteilt ein Anwohner. Lutz Plaueln, SPD-Stadtverordneter und in der Marienstraße wohnhaft, erinnert sich lebhaft an die Entstehung des Spielplatzes, seinerzeit von seinem Ortsverein mit angestoßen: „Von einem Bolzplatz war da nie die Rede. Der ist später entstanden.“

Lebendiges Viertel mit sehr vielen Kleinkindern

Und jetzt soll er wieder weg. Der Aufforderung, sich einzumischen, aber auch mitzugestalten, nimmt Martina Korth auf und wahr. Die Leiterin der Krabbelstubb-Einrichtung genau an diesem besagten Eck sagt: „Es ist ein lebendiges Viertel mit sehr vielen Kleinkindern. Und für genau die fehlt hier eine Spielmöglichkeit. Ich bin bei der Umgestaltung dabei.“ Projektleiterin Sabine Süßmann (Stadtwerke Offenbach Holding), die mit der Stadt ohnehin eine Umgestaltung anstrebt, notiert begeistert ihren Namen. Ohnehin darf die junge Frau als beispielhaft bezeichnet werden, sie spricht die Hundehalter an, die den Dreck der Vierbeiner nicht beseitigen: „Kein Gemotze, da ist freundliche Kommunikation gefragt. Dann sind eigentlich alle einsichtig.“ „Ja, Sie können das auch“, grummelt ein Mann anerkennend.

Gezielt wurde das unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude als Ort des Geschehens gewählt. Das Bauwerk, für viele zentraler Teil der Offenbacher Geschichte, soll wieder aufgewertet werden. Neben einer äußeren Auffrischung durch Reinigung und Streichen der Fassade, soll auch im Inneren wieder für mehr Leben gesorgt werden. Weiß: „Es ist ja schon etwas traurig hier. Aber angesichts unserer finanziellen Situation schaffen wird es nicht, den Bahnhof zu kaufen.“

Räume zum Stadtteilbüro machen

Nun soll die SOH die Räume der ehemaligen Bäckerei und der Spielhalle mieten, um diese zum zentralen Anlaufpunkt des Architektursommers zu nutzen. Ferner ist geplant, die Räume künftig zum Stadtteilbüro, und damit zur Anlaufstelle für Anwohner zu machen. Auch außen soll sich in den nächsten Monaten einiges zum Positiven wandeln. Und die Ideen sind vielseitig: So ist etwa die Mauer in der Marienstraße entlang des Bahndamms, welche seit Jahren keinen schönen Anblick mehr bietet, „ein Hebelpunkt, an dem man ansetzt“. Mit der August-Bebel-Schule, Jugendkunstschule und dem Bildungs- und Kulturverein werden die tristen Fassaden im Sommer in Angriff genommen und zu einem farbenfrohen Blickfang umfunktioniert.

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