Die Stadt und der Stau

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Da ist reichlich Platz. Am Abend des Pokalspiels zählt unser Fotograf Bernd Georg gegen 19 Uhr etwas mehr als 20 Autos auf dem Parkplatz Wiener Ring.

Offenbach ‐ Der Nürnberger Block füllt sich erst mit dem verspäteten Anpfiff zum Pokalspiel. Kein Wunder: Die Fans des Altmeisters stecken im Stau. „Irgendwo auf der A 3“, weiß der Kollege.  Von Martin Kuhn

Den Clubberern ist’s ein schwacher Trost: Sie stauen sich am Mittwochabend nicht allein. Der Feierabendverkehr und ein ausverkauftes Stadion sorgen für Stillstand. Und die Kickers erhoffen sich ja durch den Bau des Sparda-Bank-Hessen-Stadions eigentlich ein deutliches Mehr an Zuschauern. Wird die Ausnahme dann zur Regel? „Nein“, sagt Verwaltungschef Horst Schneider, sowohl für die Stadtplanung als auch für den Sport als Dezernent zuständig. Der lokale Verkehrsinfarkt sei vor allem der Spielansetzung durch den DFB geschuldet: „Das ist so nicht akzeptabel. Um 20 Uhr wäre alles entspannter gewesen; da ist der Berufsverkehr durch“, sagt der Oberbürgermeister, der selbst den Anpfiff verpasst und jene bedauert, die sein Schicksal teilten.

An der Ausfahrt Taunusring der A 661 geht eine Stunde vor Anpfiff nicht mehr viel, obwohl die Autofahrer aus Richtung Langen sogar eine zweite Spur aufmachen. Der Ortskundige steuert kurzerhand die Ausfahrt Kaiserlei an. Dort das gleiche Bild: Stoßstange an Stoßstange. Er fährt über die Kaiserleibrücke, biegt nach Fechenheim ab und sucht sich über die Carl-Ulrich-Brücke einen Weg zum Bieberer Berg: „Eine Katastrophe.“ Ähnlich ist die Situation entlang des südlichen Rings, auf der B 448 und auf der Waldstraße/Ecke Stadthalle. Der Oberbürgermeister geht davon aus, „dass sich das in dieser Form nicht wiederholen wird. 24 000 Fans werden unser Fußballstadion lange Zeit nicht mehr füllen.“ Zudem werde im Ligabetrieb zu dieser Zeit nicht gespielt.

Neue Verkehrslenkung ist nicht angedacht

Bekanntlich wird das neue Stadion zunächst mit einer Kapazität für 20 500 Zuschauer gebaut. Eine nahezu verzweifelte Parkplatzsuche wie am Mittwoch werde es nicht mehr geben. Auf den heutigen Hartplätzen hinter dem Stadion gibt’s gut 300 zusätzliche Parkplätze, am Sportzentrum Wiener Ring stehen mittlerweile etwa 170 Stellplätze in Stadionnähe bereit. Es ist eine Merkwürdigkeit des Pokalabends: Der Parkplatz, so dokumentiert es Fotograf Bernd Georg, bleibt nahezu leer. Einschätzung: Den Fußballfans sind drei Euro Parkgebühr zu teuer.

Die Auffassung teilt Horst Schneider indes nicht: „Fürs Pokalspiel haben wir Dampf gemacht, damit die Stellflächen fertig sind. Das hat sich noch nicht rumgesprochen, obwohl wir öfters darauf hingewiesen haben.“ Wenn alles ausgeschildert ist sowie Verkehrsführung und Ampelanlage an der Y-Tangente geändert sind, werde der Parkplatz angenommen. Dass er nur gegen Entgelt nutzbar ist, habe einen Grund: „Der Parkplatz liegt auf dem Sportgelände und nicht mehr davor, wie’s am Tambourweg war.“ Daher sei eine Verkehrssicherungspflicht zu leisten – und das kostet Geld.

An eine neue Verkehrslenkung sei nicht gedacht, auch nicht an einen S-Bahn-Halt hinterm Stadion. „Gern, aber illusorisch. Da müssten wir schon in der Champions-League spielen.“ Und Ansprechpartner für eine Investition in Millionen-Höhe sei nicht die Stadt, sondern der Rhein-Main-Verkehrsverbund.

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