Kombi aus Vision und Konkretem

Stadt und IHK-Verein ziehen Zwischenbilanz zum Offenbacher Masterplan

Im Kaiserlei, dem Tor zur Stadt, werden im Masterplan festgelegte Ziele derzeit sichtbar umgesetzt.
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Im Kaiserlei, dem Tor zur Stadt, werden im Masterplan festgelegte Ziele derzeit sichtbar umgesetzt.

Der Schulterschluss vom Februar 2016 hat gehalten. Mehr noch: Der Optimismus ist größer denn je. Fünf Jahre nach dem parteiübergreifenden Beschluss einer Richtschnur für die Stadtentwicklung bis ins Jahr 2030 haben die Akteure gestern eine überaus positive Zwischenbilanz zum Offenbacher Masterplan gezogen.

Offenbach – Ein einziges Kritikpünktchen, es sei vorangestellt, lässt sich Baudezernent Paul-Gerhard Weiß entlocken: Man habe im Masterplan zu wenig deutlich gemacht, welche mitwachsende Infrastruktur die ganzen Projekte erforderten.

Ansonsten gibt’s nur Lob für das seinerzeit unter breiter Bürgerbeteiligung zustande gekommene Werk: „Der Masterplan ist eine Kombination aus Vision und konkreten Projekten. Keine andere Stadt im Rhein-Main-Gebiet bietet der Wirtschaft so eine verlässliche Planungssicherheit wie Offenbach“, ist sich Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Felix Schwenke sicher. Mittlerweile seien alle Schlüsselprojekte in Bearbeitung, einige seien sogar bereits abgeschlossen. Und die gewerbliche Entwicklung zeige erste erhoffte Erfolge: Die Stadt habe das einstige Allessa-Gelände mit rund 36 Hektar erworben, um dort den vorgesehenen Innovationscampus mit Leben füllen zu können, neue Gewerbeansiedlungen vor allem im Kaiserlei und im Offenbacher Osten realisiert und das komplexe Prüf- und Planungsverfahren für die Verbindungsstraße von der B 448 zur Mühlheimer Straße vorangebracht.

Frank Achenbach, Geschäftsführer des IHK-Vereins „Offenbach offensiv“, hebt die gute Kooperation mit der Stadt hervor und weist auf einen atmosphärischen Wandel hin: „Die Stimmung und das Image haben sich verändert. Wir treten mit dem Standort Offenbach selbstbewusster auf.“ Die Stadt werde als cool und kantig beschrieben, als kreativ und unkonventionell. Achenbach: „Als wir 2015 mit der Erarbeitung des Masterplans begonnen haben, war das noch kaum absehbar. Zwar stehen noch viele Herausforderungen an, doch insgesamt kann man sagen: Der Masterplan ist ein Erfolgsprojekt.“

Das sieht auch Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß so und belegt das mit Fakten und Zahlen: Die Stadt habe eine Richtlinie für die kooperative Wohnbaulandentwicklung von Grundstückseigentümern, Investoren und der Stadt beschlossen; sie habe 13 städtebauliche Verträge mit Investoren geschlossen, um die Qualität von Großprojekten sicherzustellen. Es seien drei Quartiers- und Stadtteilkonzepte mit umfassenden Maßnahmenkatalogen für Bieber, Bürgel und Nordend erstellt worden, um Offenbach als Wohnstandort zu stärken. Zudem habe man mehr als 8000 Quadratmeter für die Herstellung öffentlicher Grünflächen erworben, und es seien neun Kilometer Fahrradstraßen entstanden.

Beispielhaft stellen die Verantwortlichen den Stand der Dinge bei einigen Schlüsselprojekten vor. Frank Achenbach betont bei der Aufwertung der Innenstadt die Bedeutung des auf den Weg gebrachte Zukunftskonzepts, der als „Masterplan im Mastplan“ anzusehen sei. Die Umgestaltung von Schlüsselgebäuden wie Rathaus-Plaza oder City-Center sei abgeschlossen oder im Gange, die S-Bahn-Station Marktplatz aufgewertet. Weitere Ziele seien Prüfung der Umsiedlung der Stadtbibliothek ins Zentrum, ein neuer Park im Bereich des Parkplatzes an der Hospitalstraße sowie Pläne zur Nachnutzung von Isenburger Schloss und HfG. Zu letzterem befinde man sich in Gesprächen mit dem Land, ergänzt OB Schwenke.

Für Simon Valerius, Leiter des Stadtplanungsamts, wird am Kaiserlei, den „Tor zur Stadt“ am deutlichsten, was der Masterplan bewegt. Als Stichworte nennt er den Rückbau des Kreisels sowie die Schaffung von mehr Grün und eines attraktiven Nutzungsmixes. Felix Schwenke betont, es werde keine Betonwüste wie in Eschborn entstehen, und mittels Verkehrslenkung in Echtzeit würden die Staus kürzer. Eine Hürde ist bei den im Kaiserlei derzeit noch geltenden Stellplatz-Regelungen zu nehmen. Dadurch gibt es zu wenig Parkplätze, „und es tut weh, wenn deshalb ansiedlungswillige Unternehmen abspringen“, sagt Stadtrat Weiß. Man arbeite daran, die Satzung zu ändern. (Von Matthias Dahmer)

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