Stadt wird aufgehübscht

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Die Umgestaltung des Stadthofs steht ganz oben auf der zuschussfähigen Wunschliste der Planer. Im nächsten Jahr soll das Areal in Angriff genommen werden. Wie es nach dem Umbau aussehen wird, ist noch offen.

Offenbach ‐  Wenn es so käme, wie es sich die kommunale Stadtentwicklerin Marion Rüber-Steins und ihre Mitstreiter aus der Lokalen Agenda, aus Planungsbüros und nicht zuletzt aus der Bevölkerung vorstellen, wäre Offenbach wahrlich eine schönere Stadt. Von Matthias Dahmer

Eine mit Plätzen, auf denen man sich gern aufhält, mit kulturellen Angeboten für jedes Alter, mit einer städtebaulichen Vision aus einem Guss für die Innenstadt. In der Theorie gibt’s das alles schon; nach und nach aufbereitet seit April 2009 in einem bislang 88 Seiten umfassenden „Integrierten Handlungskonzept“. Diese Bedienungsanleitung für ein besseres Offenbach ist Grundlage für einen satten Zuschuss im Zuge des Landesprogramms „Aktive Innenstadt“. Der regionale „underdog“ Offenbach, wie es im Handlungskonzept formuliert ist, war eine von 20 Städten in Hessen, die im Oktober 2008 den Zuschlag für eine Förderung erhielten.

Seitdem wurde in die Stadt hineingehört, geplant, verworfen und neu formuliert. Herausgekommen sind mehr als 20 Projekte mit einem über acht Jahre angepeilten Investitionsvolumen von nahezu 15 Millionen Euro. Zwei Drittel davon würden jeweils projektbezogen als Zuschuss fließen. An der Stadt blieben demnach insgesamt rund 3,5 bis 4 Millionen Euro hängen. „Über jedem Projekt hängt natürlich das Fallbeil der Finanzierung“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Als Paradebeispiel für die Unvereinbarkeit des Wünschenswerten mit dem Machbaren kann er auch sogleich das bei den Bürgerbefragungen oft genannte Kommunale Kino nennen. „Das ist nicht finanzierbar“, bilanziert der Verwaltungschef.

Satte Landeszuschüsse für die Verschönerung

Auf jeden Fall umgesetzt werden aber wohl die dicksten Brocken im Verschönerungspaket: Die Umgestaltung von Stadthof und Marktplatz. Für beide soll jeweils ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden. Besonders am Herzen liegt dem Oberbürgermeister dabei der Marktplatz. Dass er für rund 3,5 Millionen Euro angepackt wird, markiert für Horst Schneider den „Schlussstein für eine attraktive und funktionierende Innenstadt.“ Im nächsten Jahr soll der Gestaltungswettbewerb für den Platz laufen, 2012 und 2013 könnte dann umgebaut werden.

Vorrang – und da konnten sich die Genossen in der Ampelkoalition mit ihrem Favoriten Marktplatz nicht durchsetzen – wird jedoch der Stadthof genießen. 2,5 Millionen Euro sind für seinen bereits für nächstes Jahr angepeilten Umbau vorgesehen. Ob die Pavillons bleiben, ob der Brunnen weiter sprudelt: „Alles kommt im Ideenwettbewerb für die Gestaltung des Areals auf den Prüfstand“, sagt Marion Rüber-Steins. Klar ist nur: Der Stadthof muss Repräsentations-Charakter haben. Verbunden mit dem Umbau ist die Sanierung der maroden Decke der Rathaus-Tiefgarage, die sich direkt unter dem Stadthof befindet. Die dafür nötigen 1,5 Millionen Euro gehören indes nicht zum Maßnahmenbündel der Innenstadt-Verschönerung. Wohl aber der Vorschlag, einige Bausünden vergangener Jahrzehnte zu beseitigen. Wie etwa den Betonklotz des ehemaligen Bieberhauses, der derzeit den Spielwaren-Riesen „Toys’r’us“ samt Parkhaus beherbergt.

Neun Einzelmaßnahmen aus dem Gesamtpaket „Integriertes Handlungskonzept“ soll das Stadtparlament in seiner Sitzung am Donnerstag, 6.  Mai, abnicken. Dazu gehört etwa eine Stadtbeleuchtung, die mittels LED-Technik auf den neuesten Stand gebracht wird. Geplant sind aber auch Regeln gegen den Werbe- und Schilderwildwuchs. Weitere Projekte verfolgen das Ziel, städtische Plätze künstlerisch zu beleben. So ist für den Karl-Carstens-Platz ein Wettbewerb für eine künstlerische Installation vorgesehen. Weil die Innenstadt-Kosmetik nur funktioniert, wenn einer den Überblick hat, soll für sieben Jahre ein so genannter Kernbereichsmanager engagiert werden. Der per Ausschreibung zu suchende Freiberufler erhält pro Jahr ein Honorar von 60 000 Euro.

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