Biotonne ohne Filterdeckel

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Das Bio kommt in die Tonne. In Offenbach setzen die Verantwortlichen auf Standardgefäße. Spezielle Filterdeckel mit einem Substrat auf Basis von Kokosfasern, geimpft mit speziell adaptierten Mikroorganismen, sind nicht vorgesehen.

Offenbach - Kaum haben die Stadtverordneten ihr Votum zur Einführung der Biotonne gegeben, flattert Post auf den Schreibtisch – in der Redaktion, beim Stadtdienstleister. Eine Firma bietet bereits ein Tonnen-Tuning, eine Standard-Biotonne mit Bio-Filterdeckel. Von Martin Kuhn

Die Werbebotschaft: Keine Maden, kein Gestank. Das wär doch was. Weniger euphorisch ist der kommunale Eigenbetrieb: So weit ist es noch gar nicht. Allerdings gibt sich der ESO eher kühl distanziert als hellauf begeistert. „Solche Angebote landen immer wieder auf unseren Schreibtischen“, heißt es an der Daimlerstraße. Etwas mehr lässt sich ESO-Sprecher Oliver Gaksch entlocken: „Natürlich sondieren unsere Mitarbeiter stets den Markt nach Neuerungen.“ Man kenne dieses Angebot, setze bislang aber auf eine kostengünstigere Variante, die bundesweit etabliert ist: Der Biomüll wird in Zeitungspapier eingeschlagen.

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Also kein Biodeckel für die Biotonne? „Das ist nicht vorgesehen.“ Zudem gebe es unterschiedliche Aussagen zu Qualität und Effizienz. Wen das Filterdeckel-System (im Angebot sind auch Universal-Deckelbolzen für den Austausch) dennoch überzeugt, der darf als handwerklich begabter Mülltrenner die Gebinde keinesfalls aufrüsten. Oliver Gaksch betont: „Auch die Biotonne ist und bleibt Eigentum des ESO.“ Das Unternehmen aus Münster (Westfalen) setzt in seinem Deckel auf Mikroorganismen und aktive Enzyme, die „dreifache Arbeit“ leisten: Abbau von Geruchsstoffen im Filter, Einleitung der Kompostierung in der Tonne, Hemmung des Pilzwachstums. Dadurch kommt es zu keinem gesundheitlich gefährdenden Austrag von Sporen.

Dienstleister setzt auf Information

In Offenbach setzt der Dienstleister vor allem auf die Information; ein entsprechender Frage-Antwort-Katalog wird derzeit vorbereitet. Größtes Problem: In der Biotonne kann es durch Sauerstoffmangel – und begünstigt durch Wärme – zum Fäulnisprozess kommen. Das ist der Fall, wenn sehr viele nasse und relativ dicht gepackte Küchenabfälle in die Tonne gegeben werden. Die Belüftung des so geschichteten Materials ist dann nicht mehr gewährleistet. Abhilfe: Biotonne möglichst in den Schatten stellen, Küchenabfälle in Zeitungspapier oder Papiertüten einpacken und locker in die Tonne füllen. Kompostierbare Plastiktüten, wie sie in manchen Städten benutzt werden dürfen, sind in Offenbach verboten.

Einer von vielen befürchteten Geruchsbelästigung begegnen die Fachleute in Offenbach mit einem wöchentlichen Leerungsrhythmus – falls gewünscht. Auch das, so bleibt wohl festzuhalten, hat viel mit subjektivem Empfinden zu tun. So wirbt das Unternehmen aus Münster mit einem Erfahrungsbericht von 2009 aus Neu-Ulm, wo sie auf Biodeckel setzen: „Eine wöchentliche Abfuhr brachte nicht die gewünschte Hygiene und Akzeptanz, wie sie nun bei einer 14-tägigen Abfuhr mit Filterdeckeln erreicht wird.“ Weiter heißt es: „Fliegen, die an Standplätzen mit konventionellen Behältern in großer Zahl auftreten, sind bei Biotonnen mit Filterdeckeln nicht zu beobachten.“ Stadtsprecherin Sandra Schiele betont, dass sich an der positiven Einschätzung nichts geändert hat: „Wir haben die Bio-Tonnen mit Filter weiterhin und sind sehr zufrieden. Auch der Wechsel der Filter durch die Bürger nach einer gewissen Betriebszeit klappt gut.“ Anders am gegenüberliegenden Donau-Ufer: Da ist man mit der konventionellen Biotonne, wie sie hier verteilt werden soll, rundum zufrieden. Das zeigt: Biomüll ist wohl eine Glaubensfrage. Generell gilt: Falsch befüllte Biotonnen müssen von der Stadt nicht entleert werden. Dann ist eine teure Einzelabfuhr als Restmüll fällig.

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