Gebäudemanagement will Verträge kündigen

Drückt Stadtfirma die Preise?

+

Offenbach - Es grummelt unter Offenbacher Reinemachern. Die städtische Gebäudemanagement GmbH (GBM) will für Kosteneinsparungen Verträge kündigen. Von Jenny Bieniek 

Dass eine Stadt wie Offenbach in Zeiten chronisch klammer Kassen und diverser Schutzschirmauflagen  sparen muss, ist verständlich. Dass darunter jedoch Reinigungskräfte leiden sollen, sorgt für Empörung unter Dienstleistern und Betroffenen. Konkret geht es um das Vorhaben der städtischen Gebäudemanagement-GmbH (GBM), bestehende Reinigungsverträge zugunsten günstigerer Anbieter zu kündigen. Eine entsprechende Ausschreibung ist bereits abgeschlossen. Putzkräfte, die in den von der GBM verwalteten Gebäuden – darunter alle Schulen – tätig sind, fürchten nun um ihren Arbeitsplatz. Oder sehen sich zumindest von geringeren Löhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen bedroht. Zwar betont die GBM stets, trotz Sparzwangs auf eine ordentliche Behandlung des Personals zu achten und Lohndumping ausdrücklich nicht zu unterstützen. Offenbacher Reinigungsfirmen aber widersprechen dem. So habe die GBM in den vergangenen vier Jahren immer wieder auf Kostensenkung bestanden und die Vertragsverlängerung davon abhängig gemacht. 15 Prozent sollten es im Jahr 2011 sein, weitere 10 Prozent drei Jahre später. Das belegen unserer Zeitung vorliegende Schreiben. Die zwischenzeitlich beschlossene Tariferhöhungen bei den Gebäudereinigern interessierte die GBM nicht.

Für GBM-Chef Winfried Männche stellt sich die Lage freilich anders dar. Er bestätigt auf Nachfrage zwar, dass es 2011 die Anweisung der Geschäftsführung gegeben habe, zusammen mit den beauftragten Dienstleistern auszuloten, „wo im Reinigungsbereich noch Luft ist“. Im Ergebnis hätten beide Seiten eine Preissenkung von 15 Prozent für realistisch gehalten, was damals einer Ersparnis von rund 400.000 Euro entsprochen habe. 2014 ist die GBM erneut auf die Dienstleister zugegangen. Männches Eindruck: Ja, das geht. Von Druck kann aus Sicht des Geschäftsführers keine Rede sein. Die Gespräche seien lediglich im Zuge von Markterkundungen geführt worden. In Schreiben der GBM liest sich das jedoch ganz anders. Dort heißt es unter anderem: „Sofern die Kostensenkungen von der GBM akzeptiert werden, wird (...) ein neuer Jahresvertrag abgeschlossen.“ Auch in puncto Tarifanpassung machte die GBM klare Ansagen: Der ersten Tarifrunde stimmte der damalige Bereichsleiter noch zu, vorausgesetzt, „die zusätzlichen Lohnkosten“ würden „durch Synergien innerhalb des Auftrages“ kompensiert. Eine Vertragsverlängerung wurde nur bei entsprechender Zustimmung in Aussicht gestellt. Ein Jahr später, nach der zweiten Tarifrunde, lehnte es die GBM wegen der schwierigen städtischen Finanzlage ab, Tariferhöhungen zu berücksichtigen.

Erzwungene Einsparungen gehen zu Lasten des Personals

Ziel sei es immer gewesen, „dass uns günstigere Leistungen ohne Einschränkungen“ angeboten werden, betont Männche. Die Forderung, die Tariferhöhung nicht weiterzugeben, schmälere lediglich den Gewinn der Unternehmer. Dass am Ende die Putzleute die Leidtragenden sind, glaubt er nicht. Reinigungsunternehmer Heiko Lohr (Name geändert) kann darüber nur lachen. „Wie blauäugig muss man sein, um sowas zu behaupten?“ Solche erzwungenen Einsparungen könnten nur zu Lasten des Personals gehen, schließlich könne kaum eine Firma derart hohe Gewinne abzwacken. „Das haben wir der GBM auch immer klar gesagt.“ Die GBM hat mittels europaweiter Ausschreibung unterdessen nach vier Firmen gesucht, die die Reinigungsarbeiten in 43 städtischen Gebäuden verrichten sollen. Wegen „Verfeinerungen im Vergabeverfahren“ hat sie damit das Frankfurter Unternehmen Canzler Ingenieure betraut. „Ein Fachunternehmen mit sehr viel Erfahrung im Reinigungsbereich“, wie Männche versichert. Zwar sei die detailliertere Ausschreibung aufwändig und kostenintensiv.

Trotzdem rechne man am Ende mit Ersparnissen: „Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir durch die neue Ausschreibung etwas für die Stadt rausholen“, so Männche. Von ursprünglich 60 Interessensbekundungen haben 21 Firmen Angebote vorgelegt. Bis Mitte September werde man diese sichten. Erst dann entscheidet sich, ob Verträge verlängert werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare