OFloveU-Touren: Stets auf der Suche

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Wohl bekomm’s! Die OFLovesU-Tour durchs Nordend machte unter anderem Station im neuen Restaurant „Kanohou“.

Offenbach - Loimi Brautmann, Student der Hochschule für Gestaltung und Initiator der OFlovesU-Touren, hat an diesem Nachmittag zehn Interessierte um sich geschart – Einwohner und Gäste, die mit dem 30-Jährigen das Quartier zwischen Kaiserstraße, Berliner Straße, Goethering und Main in vielerlei Hinsicht entdecken wollen. Von Harald H. Richter

In diesem Viertel mit seinem Vielvölker-Mix sind kleine Ateliers und findige Werbeagenturen ebenso beheimatet wie produktive Designbüros, originelle Läden mit Kultcharakter und fantasievolle Gastronomie.

Immer häufiger wird über sie gesprochen, aber „sie sind oft nur schwer zu greifen“, wie Loimi Brautmann feststellt. Das hat ihn, der auch weitere Touren durch Offenbach anbietet, auf die Idee gebracht, sich der kreativen Seite Offenbachs erneut fußläufig zu nähern. Dort, wo sich Ungewöhnliches entdecken und Bekanntes aus anderer Perspektive erspähen und erlaufen lässt, gibt es allerhand zu erzählen über Begebenheiten und Begabungen.

Frischer Kaffeeduft lockt ins „Caffè Cuore“

Die um kleine Geschichten aus dem Quartier angereicherte Tour nimmt ihren Anfang am beziehungsweise im Rathaus mit einem Rundumblick vom 15. Stockwerk des Verwaltungshochhauses auf die Stadt. Danach geht’s hinüber zur Frankfurter Straße. Die Gruppe entert das Geschäft im Haus Nr. 55, wo sich einst das Modehaus Sauer befand. Heute ist dort das Designer Outletcenter „Gallery Parviz“ ansässig mit Modischem für Sie und Ihn vom Kopf bis zu den Füßen und einer Besonderheit im Kellerraum: eine gut 100 Jahre alte Stahltresortür mit armdicken Querverstrebungen.

Gleich nebenan lockt frischer Kaffeeduft ins „Caffè Cuore“. Bei Francesco Schito im Haus Frankfurter Straße 57 erwartet die Kunden eine ungeahnte Vielfalt italienischer Delikatessen und erlesener Getränke. Der „beste Espresso der Stadt“ ist inzwischen legendär und wird nicht selten mit mediterranen Klängen als Zugabe serviert. Denn der musikalische Autodidakt Franco versteht es vortrefflich, dem Absatz von Vino, Pasta und Cappuccino „alla chitarra“, also zur Gitarre, noch eine besondere akustische Note zu verleihen.

Mit Restaurant „Kanouhou“ einen Traum erfüllt

Im eigentlichen Quartier erwartet Tom Hoenig, der dem hanseatischen Exil entsagte und aus Hamburg wieder ins Hessische zurückkehrte, die Stadtentdecker in seinem und Tanja Luthers „Atelier für Fotokunst“ an der Bernardstraße 23. Hoenigs Fotoserien beschäftigen sich mit ganz unterschiedlichen Gegenständen. Neben den Hauptserien „Blütenrausch“, „Goldene Zeiten“ und „Wichtige Dinge“ stehen Motive aus New York, Offenbach und weiteren Orten im Mittelpunkt. Auch eine fotografische Verbeugung vorm alten OFC-Stadion darf nicht fehlen. Überwiegend quadratische Holzkörper aus unbehandelter Buche bilden das Trägermaterial seiner in Handarbeit gefertigten Bilder. Darauf sind die laminierten Fotoabzüge aufgebracht.

Nur ein paar Schritte entfernt, an der Bernardstraße 36, hat sich der Marokkaner Abdellatif Kanouhou mit seinem kürzlich eröffneten Restaurant „Kanouhou“ einen Traum erfüllt. Bisher überwiegend im Catering tätig, setzt er nun Akzente im eigenen Lokal mit internationaler crossover Küche, wöchentlich wechselnder Karte und ausgewählten Weinen. Und auch das Ambiente stimmt: reduzierte Farbtöne dominieren den Gastraum, aufgelockert vom Goldbraun des Tresens und der Eichentische und den leuchtenden Rottönen der Kunst an den Wänden ist der Einrichtungsstil des „Kanouhou“ stylish und heimelig zugleich. Der Außenbereich mit den Schatten spendenden Bäumen wirkt gerade als Ort mittäglicher Verschnaufpausen wie eine kleine Oase mitten in der Stadt – ideal nicht nur für die im prosperierenden Viertel ansässigen gescheiten Köpfe.

Die Tour durchs Nordend wäre nicht sie selbst ohne einen Abstecher zum Hafen 2, wo progressive Kunst und alternative Kultur eine Symbiose bilden. Der über dreistündige Stadtspaziergang, der am 21. September eine Zweitauflage erfährt, findet seinen Abschluss im Gebäudekomplex der Heyne-Fabrik an der Ludwigstraße 180d, wo sich vor inzwischen zwölf Jahren die „Convecto New Media – Agentur für digitale Medien und Marketing“ angesiedelt hat. Inhabergeführt von Julian M. Flockton und Markus Zebisch sieht das kleine, aber feine Unternehmen mit seinen acht talentierten Kreativlingen unabhängig von Agenturnetzwerken und Softwareanbietern seine Kernkompetenzen in der Entwicklung von Strategien und der Umsetzung im Bereich der digitalen Medien.

Die erlaufenen Stationen sind exemplarisch, aber sie stehen für Realität und Lebensstil einer sich entwickelnden und einander befruchtenden Szene in einem urbanen Umfeld, teils in vorderer Reihe, teils in Hinterhöfen ansässig. Mutig-engagiert, inspirierend-schöpferisch und offen für Neues sind die Menschen hinter den Ideen zugleich selbstbewusste Repräsentanten eines modernen Offenbacher Wirtschaftslebens – sie kennenzulernen ist eine Bereicherung.

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