Stadthof

Wo die Lederstadt Hof hält

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Wo einst das Stadthaus (und später bis 1921 das Rathaus) der Isenburger stand, öffnet sich heute in der Frankfurter Straße der Stadthof.

Offenbach - Die Zeit der Baustelle rund um das Rathaus nähert sich dem Ende. Ein historischer Blick zurück auf die Ära, als es den Stadthof in seiner heutigen offenen Form noch gar nicht gab. Von Lothar R. Braun 

Schritt für Schritt lockert sich die Enge auf dem Stadthof. Die Bauzäune weichen zurück. Sie grenzen immer kleinere Areale ab. Den größten Teil des Stadthofs bedecken bereits neue Platten. „Es wird Zeit, dass die zu Ende kommen“, seufzt die Kellnerin am Café-Pavillon. Noch queren wenige Fußgänger die frei gewordenen Flächen.

Stadthof. Der Hof der Stadt. Wie anmutig sich das ausnimmt neben dem tönenden Pathos, mit dem der Nachbar als Platz der deutschen Einheit auftritt. Seinen Namen erhielt der Stadthof, weil er der Hof hinter dem Stadthaus war. Das stand an der Frankfurter Straße und diente den Offenbachern von 1858 bis 1921 als Rathaus. Im Obergeschoss hatte in den ersten Jahren die Verwaltung des Landkreises Offenbach ihren Sitz. Das Stadthaus an der Frankfurter Straße blickte auf den Aliceplatz und trug diesen Namen bereits, bevor die Stadt es 1858 als Verwaltungssitz erwarb. Es war das Stadthaus der fürstlich-isenburgischen Hofhaltung, nachdem den hohen Herrschaften das alte Schloss am Main zu ungemütlich geworden war. Sie residierten seit etwa 1760 in einer Stadtwohnung, in ihrem Stadthaus.

Offenbacher erinnern sich

Es gibt noch Offenbacher, die sich erinnern, wie das aussah, bevor 1972 die Verwaltung am Stadthof ihr neues Rathaus bezog. Wie am brutwarmen 10. Juli jenes Jahres einige tausend Offenbacher mit dem Ministerpräsidenten Albert Oswald die Fertigstellung feierten. Die Feiernden standen dort, wo sie noch einige Monate vorher Parkplätze unter Bäumen gefunden hatten. Georg Dietrich hieß der Oberbürgermeister, der als Erster im Rathaus amtierte. Seinen Schreibtisch, das erschien manchen bemerkenswert, hatte der OB so platziert, dass er beim Aktenstudium die Industrie- und Handelskammer im Nacken hatte. Oder ihr den Rücken zukehrte, wie auch immer.

Die benachbarte IHK stand seit 1957 auf dem Standort einer im Krieg zerbombten Schule. Diese 1873 erbaute Oberrealschule am Stadthof war die Mutter der beiden Gymnasien Leibniz- und Rudolf-Koch-Schule. Als sie zerbombt wurde, verlor die Stadtverwaltung ein Notquartier. Sie hatte sich in dem Gebäude eingerichtet, nachdem das seit 1921 als Rathaus genutzte Büsingpalais bei einem Luftangriff zertrümmert worden war. Auch das auf den Aliceplatz blickende Stadthaus mit der Hausnummer Frankfurter Straße 31 war Ruine geworden. Heute ist dort der Blick frei vom Aliceplatz auf das Rathaus.

Es wird noch Offenbacher geben, die in der grauen Nachkriegszeit auf dem dicht gefüllten Stadthof zuhörten, als der legendäre SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher seinen Gegner Konrad Adenauer so leidenschaftlich angriff. Er sprach vor dem Feuerwehrhaus, das den Krieg überstanden hatte und erst 1962 verschwand. Wo heute der Oberbürgermeister in Akten blättert, baumelten einst schlappe Schläuche.

Bierfest auf dem Stadthof (Archiv)

Bierfest auf dem Stadthof

Der Stadthof ist ein Platz mit erinnerungssatter Vergangenheit im Herzen der Stadt. Er wartet auf die letzten Bodenplatten, auf Grünzeug und Ruhebänke. 2,7 Millionen Euro hat die Stadt hat sich das Projekt kosten lassen. Es ist nicht bloß Kosmetik, sondern war notwendig, weil die teils darunter liegende Rathaus-Tiefgarage saniert werden musste.

Jetzt, im September, soll der Stadthof fertiggestellt sein, nach knapp anderthalb Jahren Bauzeit. Dann kann er wieder eine gegen Verkehrslärm abgeschirmte Fußgängeroase sein. Nur nach oben schützt ihn kein Schirm. Aber gegen den Fluglärm protestieren wir ja unverdrossen seit 43 Jahren. Ihre erste Protestresolution gegen den Ausbau des Flughafens verabschiedeten die Offenbacher Stadtverordneten am 18. Februar 1971. Damals hieß das Ärgernis noch „Rhein-Main-Flughafen“, und der Stadthof war nur eine Baugrube, die uns die Parkplätze geraubt hatte.

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