Stadthof-Umbau

Zwangs-Kosmetik folgt im Frühjahr

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Wenn die Umgestaltung des Stadthofs in etwa einem Monat abgeschlossen ist, könnte es dort, an den neuen Brunnen zwischen Rathaus-Café und Polizeiladen, richtig schön werden. Doch schon jetzt zeichnen sich notwendige Nachbesserungen ab. Das ruft Kritiker auf den Plan, die Pfusch vermuten.

Offenbach - Risse in den Bodenplatten, Wasser in der Tiefgarage: Schon vor Fertigstellung des letzten Abschnitts der Stadthof-Umgestaltung steht fest, dass Nacharbeiten nötig sind. Die Stadt sagt: Alles ganz normal. Von Jenny Bieniek 

Der letzte Bauabschnitt am Stadthof ist noch gar nicht freigegeben, da sorgen gerissene Bodenplatten schon für Unverständnis bei manchem Bürger. „Ich bestelle doch keinen Neuwagen, wenn der Hersteller mir sagt, dass ich ihn möglicherweise beschädigt erhalte“, entrüstet sich ein Offenbacher, der Verbindungen ins Rathaus hat und seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, über die städtische Vorgehensweise. Und er vermutet weitere Baumängel: Bei starken Regenfällen sickere es an einigen Stellen in die Tiefgarage. „Kein Privatmann würde sich mit so etwas zufrieden geben“, moniert der kritische Beobachter. Begnügt sich die Stadt bei ihrem Großprojekt mit schludriger Arbeit?

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Stadthof-Umbau bis September

Stadtplanerin Sigrid Pietzsch weist Mutmaßungen über möglichen Baupfusch von sich, betont die enge Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Statikern. Auf Nachfrage heißt es beim Stadtplanungsamt: Kein Baumangel, kein Materialfehler, alles im Bereich des Erwartbaren und gemäß der Absprachen. Bei den festzustellenden Rissen in einigen Platten handele es sich um „Spannungsrisse, die aufgrund der Bauweise im Bereich der Tiefgarage typischerweise auftreten können“. Weil die Tiefgarage nur knapp unter der Oberfläche liege, sei eine der Norm entsprechende Konstruktion mit großzügigem Unterbau an dieser Stelle nicht möglich gewesen, erklärt Pietzsch. Nur „gebundene Bauweise“ sei in Frage gekommen, bei der die Platten fest auf der Garagendecke verklebt werden. Bei der ungebundenen Variante hätten die Kräfte zu sehr nach unten gedrückt, was der erst im vergangenen Dezember sanierten Tiefgarage geschadet hätte.

Sachverständiger wies im Vorfeld auf Probleme hin

Schon im Vorfeld der Sanierungsarbeiten habe ein Sachverständiger auf das Risiko hingewiesen, dass dabei trotz Bewegungsfugen Risse entstehen könnten. „Eine ideale Lösung gab es nicht, also haben wir versucht, den besten Weg zu finden“, sagt Pietzsch. Natürlich habe man gehofft, dass alles gut geht. „Aber die entstandenen Risse sind mehrheitlich Haarrisse. Es hätte also schlimmer kommen können.“ Um die negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu schmälern, sollen die Platten in Absprache mit dem OB im Frühjahr erneut kontrolliert und einzelne Platten gegebenenfalls ausgetauscht und mit zusätzlichen Dehnungsfugen versehen werden. Eine kosmetische Maßnahme, die so nicht vorgesehen war. Was so keiner bestätigen will: Die Stadtplaner hätten zugunsten der Optik bewusst auf zusätzliche Fugen verzichtet.

Ursprünglich sollte die umfangreiche Sanierung des Innenstadt-Areals Ende September abgeschlossen sein. Doch unvorhergesehene Probleme mit den Bäumen führten zu Verzögerungen (wir berichteten). Nun soll die Fläche noch vor dem Weihnachtsmarkt freigegeben werden. Und das Wasser in der Tiefgarage? Die Stadt begründet die zwar bereits zurückgegangene, aber noch immer auftretende Feuchtigkeit mit dem noch nicht vollständig verlegten Plattenbelag sowie „Undichtigkeiten an den Rathaus-Pavillons“. Auch diese würden Schritt für Schritt behoben; nach Fertigstellung der Baumaßnahme werde die verantwortliche Firma in der Tiefgarage nachbearbeiten.

„Von der neuen Fläche kommt’s nicht, da haben wir quasi Hosenträger mit Knöpfen gemacht“, versichert Sigrid Pietzsch und verweist auf Dichtungs- und Entwässerungsebene, dazu der gebundene Aufbau. „Da kann nichts durchsickern.“ Höchstens durch noch offene Arbeitsflächen seitlich der Tiefgarage.

Bierfest auf dem alten Stadthof

Bierfest auf dem Stadthof

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