Stadthof: Am Detail festgebissen

Offenbach - Letztlich war’s Kosmetik, über die am Donnerstagabend im Stadtparlament gestritten wurde. Von Matthias Dahmer

Kosmetik für den Stadthof, der für 2,7 Millionen Euro saniert und dessen Treppenabgang zur Rathaus-Tiefgarage dabei zwar verbreitert und aufgehübscht wird, der aber vorerst aus Kostengründen keine Überdachung, sondern nur ein 3000 Euro teures Fundament dafür erhält.

Ein Dach hätten die CDU- und nicht wenige in der SPD-Fraktion aus Gründen der Sicherheit und Sauberkeit aber gern gehabt. Die dafür veranschlagten Mehrkosten von mehr als 31 000 Euro, beteuerte Oberbürgermeister Horst Schneider, seien beim besten Willen nicht drin gewesen im Budget. Er machte deutlich, dass mit so spitzem Bleistift gerechnet wurde, dass sogar für die unterirdische Verlegung elektrischer Leitungen ein Sponsor her müsse.

Detail der Treppenüberdachung

Zuvor hatte Gerhard Länder für die CDU bedauert, dass das Detail der Treppenüberdachung bislang kein Berücksichtigung gefunden habe. Weil Sicherheit vor Schönheit gehe, stelle seine Fraktion einen Ergänzungsantrag. Die Höhe der Mehrkosten bezweifelte Länder. Schon für zirka 15 000 Euro, schätzte er, sei ein ansprechend gestaltetes Dach zu haben. Nun lediglich ein Fundament errichten zu wollen, bezeichnete Gerhard Länder als halbherzig.

Für Oliver Stirböck, Fraktionschef der FDP, wäre eine Überdachung dagegen ein „Weggucker“, der den Platz ebenso zerschneide wie die beiden Pavillons. Wegen der dem Geldmangel geschuldeten Erhaltung dieser Pavillons ist für ihn die Stadthof-Sanierung ohnehin „nicht der ganz große Wurf“.

Ulla Peppler gehört zu jenen in der SPD, die gern ein Dach über der Treppe gehabt hätten, die sich aber dem Argument beugten, das sei derzeit nicht zu bezahlen. Sie warb deshalb für den Kompromiss, hält eine spätere Überdachung für möglich. Lucia Gerharz (Grüne) war der Ansicht, das Ganze sei eine ästhetische Angelegenheit, mehr als das Fundament derzeit nicht machbar.

Regelrecht in Rage geredet

Regelrecht in Rage redete sich CDU-Frontmann Peter Freier: Eine Überdachung sei immer wieder versprochen worden, wenn sie nicht komme, sehe die neue Treppe nach einem Jahr genauso versifft aus wie heute. Freiers Urteil: Das wäre keine Visitenkarte für die Stadt. Was die Kosten angehe, sollte es doch möglich sein, 0,6 Prozent der Gesamtsumme für eine Überdachung aufzubringen. Zumal an anderen Stellen in der Stadt Hunderttausende etwa für einen Klimapfad oder die Sanierung eines Parkwegs ausgegeben würden, so Freier.

Stadtoberhaupt Schneider bekannte, er ärgere sich maßlos über die Ausgaben für den Stadthof. Denn: „Wir hätten den Platz nicht angefasst, wenn die Tiefgarage nicht wäre. Wir hätten doch den Marktplatz zuerst gemacht.“ Was nun entstehe, sei trotz Sparzwangs eine Verbesserung, so Schneider. Er appellierte an die Stadtverordneten, sie mögen ihren Frieden machen mit dem Kompromiss. Man müsse den Winter abwarten und dann sehen, wie es weitergehe.

Der Verwaltungschef hatte dabei auch die City-Passage im Blick. Wenn sich dafür ein Investor finde, könne der „größte Polizeiladen der Republik“ dort verschwinden, es entstehe ein wirkliches Platzgefühl.

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