Ausstellung im Stadtmuseum

Die Kickers im Herzen

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Ruhmreiche Zeiten erlebte das Stadion am Bieberer Berg, wo die legendäre Stehtribüne über die Spielfeld-Längsseite am 14. Dezember 1952 eingeweiht wurde.

Offenbach - Das Stadtmuseum blickt zurück auf den Fußballsport. Es geht aber nicht allein um Heldentaten, sondern auch um alte Rivalitäten im Mainbezirk.

Der Bremer Senat sorgte im Juli für Aufsehen. Er beschloss, Fußballvereine künftig an den Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Risikospielen beteiligen zu wollen. Seitdem wird eifrig diskutiert. Mitunter mischt sich der altbekannte Satz ein: „Früher war alles besser...“ Das heißt: Sind Tumulte und Ausschreitungen beim Fußball Phänome der jüngeren Zeit? Nein! Davon zeugt ein Vortrag im Programm des Hauses der Stadtgeschichte. Titel: „Mit Steinen beworfen die Wagen, der Schiedsrichter bedroht mit Senge“. Dr. Rudolf Oswald beschäftigt sich am Sonntag, 16. November, mit Fanatismus im Offenbacher Fußball der Zwischenkriegszeit. Er erläutert: Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Fußball in Deutschland immer wieder von Gewaltexzessen erschüttert. Grund: Der örtliche Fußballverein avancierte zum Aushängeschild eines Viertels oder einer Stadt und wurde gegen konkurrierende Klubs vehement verteidigt. Der Fußball in und um Offenbach fügt sich ein in diesen Entwicklungsprozess, zeitgenössisch Vereinsfanatismus genannt. Auch die Fans der Kickers, der Germania aus Bieber oder des SC aus Bürgel fassten ihren Klub als Symbol einer örtlichen Gemeinschaft auf, als Symbol einer überschaubaren und – notfalls mit allen Mitteln – zu schützenden „Heimat“. Gerade die Entwicklung in Offenbach liefere einige Belege.

Das ist zu erahnen, wenn man in der Chronik des FSV Frankfurt blättert, die aus dem FN-Sport zitiert. In der Saison 1922/23 geht es gegen die Kickers um die Bezirksmeisterschaft, ein überaus hartes, teilweise brutal geführtes Spiel: „Und noch etwas muß gewürdigt, daß den Sieger über die anderen stellt: Die Zugehörigkeit zur Stadt Frankfurt.“ Das schürte die Emotionen und ließ offenbar die Sitten verrohen. Das Jahrbuch des OFC bestätigt es für 1924/25: „Die Spiele wurden brutaler, Ausschreitungen gegen Schiedsrichter häuften sich. Gerade der Mainbezirk genoss in dieser Hinsicht einen miserablen Ruf, weil jeder Verein nur noch nach Punkten trachtete, ohne auf die Gesundheit der Gegenspieler zu achten.“ Neben den Ursachen der Tumulte in den 1920er Jahren und den politischen Zusammenhängen der Ausschreitungen in der NS-Zeit, kommen bei Dr. Oswald der regional-spezifische Gegensatz Offenbach Frankfurt sowie einzelne spektakuläre Vorfälle zur Sprache – unter anderem der schwere Krawall beim Punktspiel der Kickers gegen den FSV im Herbst 1924.

Die Strehtribüne: Tradition aus hartem Beton

Die Stehtribüne : Tradition aus hartem Beton

Im Haus der Stadtgeschichte wird allerdings auch auf positive Schlaglichter der Kickers geblickt. „Die Kickers im Herzen, den Adler auf der Brust“, hat Harald Spoerl seinen Vortrag überschrieben. Der ehrenamtliche Betreuer des Kickers-Fanclubarchivs berichtet am Sonntag, 7. September, über Geschichten rund um die A-, B- und Amateurnationalspieler des OFC. Es wird von „inoffiziellen“ Länderspielen die Rede sein, von Einsätzen in Auswahlteams bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, wie auch von der süddeutschen Auswahl und der Stellung der Nationalelf im Laufe der verschiedenen Ligareformen. Bei 20 A-, 15 B- und nahezu 100 Amateur-Länderspielen finden sich Kickers-Spieler in den Aufstellungen. Es sind Namen genannt, die von der jeweiligen Jugend als Helden verehrt wurden, aber nur auf der Ersatzbank das Nationaltrikot tragen durften. Obwohl der OFC von 1946 und 1963 zu den zwanzig stärksten Mannschaften in Deutschland zählen, spielten lediglich Gerhard Kaufhold und Berti Kraus unter Sepp Herberger...

(mk)

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