Bedingt pädagogische Wirkung

Parlament beschließt Masterplan für Offenbach

Offenbach - Garniert mit Wahlkampfgeplänkel und verfrühter Kritik an Details fand das Mammutwerk Masterplan am Donnerstagabend im Stadtparlament die erwartete breite Mehrheit. Von Matthias Dahmer

„So etwas hat es in dieser Stadt noch nicht gegeben“, schwärmte Oberbürgermeister Horst Schneider. Der Masterplan, der in einem beispiellosen Prozess entstanden sei, stelle den Grundkonsens für die Zukunft dar. Zudem sei er eine richtungsweisende Entscheidung für die politische Kultur in Offenbach, so Schneider. Nicht minder geriet FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck ins Schwärmen: Der Plan sei ein „ausgewogenes Paket“ und werde eine „wirkmächtige Vision“ entfalten. Zugleich schrieb er dem Werk ein pädagogische Wirkung zu. Auch die SPD habe dadurch erkannt, dass die städtische Wirtschaftsförderung gestärkt werden müsse.

Roland Walter, Fraktionsvize der CDU, verpackte die grundsätzliche Zustimmung der Union geschickt in Wahlkampf: Die Initiative sei 2012 von der bürgerlichen Opposition ausgegangen, im Rathaus habe man nur auf gesellschaftlichen Druck reagiert. Walter warnte wie zuvor schon Stirböck davor, sich nur auf einzelne Punkte des Plans zu beschränken. Zudem seien die Reihenfolge der Projekte sowie deren dauerhafte Begleitung durch einen Beirat wichtig. Beim Blick aufs Gesamtpaket stellte Walter die Wirtschaft in den Vordergrund: „Ohne gewerbliche Basis wird unsere Stadt nicht funktionieren.“

Alles zum Masterplan für Offenbach

Ulla Peppler (SPD) mahnte mehr Sachlichkeit an und befand, der Masterplan sei weder Teufelswerk noch Gesetzestext, sondern ein Strategiepapier. In den Krümeln suchten indes schon Freie Wähler (FW) und Grüne. FW-Fraktionsvorsitzende Annette Schroeder-Rupp sah im Plan zwar einen „guten Ideengeber“, er sei jedoch keine Blaupause für die Stadtentwicklung. Zu den Mängeln zählte sie, dass der Plan sich nur auf Offenbach beschränke, nicht die Region im Blick habe und eine Verzahnung mit Konzepten anderer Kreiskommunen fehle. Zudem vermisste Schroeder-Rupp die Planung zur Infrastruktur.

Edmund Flößer versicherte für die Grünen, der Masterplan werde voll und ganz begrüßt. Bei aller Euphorie dürfe man jedoch nicht vergessen: Offenbach starte nicht bei der Stunde null. Wermutstropfen ist für die Grüne, dass zirka 15 Hektar Grünfläche als künftige Gewerbeareale ausgewiesen seien. Das sei nicht „raumverträglich“, nannte Flößer die Waldkulisse in Bieber-Waldhof als Beispiel. Weil diese Dinge aber nur langfristige Optionen im Masterplan seien, bestehe kein Grund zur Ablehnung. Den sahen indes die Linken. Der Masterplan zementiere nur, was der IHK-Verein gewollt habe, so Markus Philippi. Dieses „Wünsch-Dir-Was“ aus falsch priorisierten Maßnahmen, die sowieso nicht umzusetzen seien, werde man nicht unterstützen. Philippi: „Uns ist die Schulsanierung immer noch am wichtigsten.“

Masterplan: Zehn Maßnahmenpakete

Rubriklistenbild: © Archiv: Häsler

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