Stadtparlament spült „WC-Prämie“ runter

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Sind öffentliche WCs bald wieder die einzige Alternative?

Offenbach - (thh/mcr) Die Diskussion streifte Stichworte wie Reglementierungswut und Toilettenkultur, doch am Ende drückte die Mehrheit die parlamentarische Spülung und ließ den Antrag mit dem Titel „WC-Prämie für Gastwirte“ untergehen: Die Stadt Offenbach wird Innenstadt-Gastronomen, die ihre Klos Passanten mit dringenden Bedürfnissen kostenlos zur Verfügung stellen, keine monatliche Belohnung bezahlen.

Die Freien Wähler, Urheber des Antrags, warben am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung vergeblich dafür, die WC-Prämien-Stadt Troisdorf als Beispiel zu nehmen und wenigstens Bedarf und Bereitschaft für die Mehrung öffentlich zugänglicher Toiletten zu prüfen. Der Grünen-Fraktionschef Peter Schneider setzte den Verwaltungsaufwand dagegen („…keinen Wasserkopf produzieren…“), und in den Reihen der FDP erklärte man den Freiwähler-Vorstoß als „überflüssig“.

Ähnlich differenziert sehen auch die Gastwirte selbst die Situation. So findet Jürgen Geisler vom „Pressestübchen“ die Idee einer WC-Prämie generell nicht schlecht, jedoch gerade bei Lokalen ohne einen separaten Zugang zu den Toiletten schwer umsetzbar - weil sich Gäste, die einen Kaffee trinken wollen, von denen gestört fühlen könnten, die nur einen loswerden wollen. „Und eine Prämie würde sich nicht lohnen, wenn man dafür dreimal am Tag putzen müsste“, sagt der Gastwirt. Er weist schon länger auf Schildern am Eingang und vor den Toiletten seiner Gaststätte darauf hin, dass für die Toilettenbenutzung durch Menschen, die nicht Gäste seiner Gaststätte sind, eine Gebühr von einem Euro zu zahlen ist.

Ein anderes Etablissement, die gleichen Argumente: Youssef El-Machit vom Restaurant „Tafelspitz und Söhne“ am Wilhelmsplatz hält von der Öffnung der hauseigenen Sanitäreinrichtungen wenig. Zum einen störe der ständige Personenverkehr Gäste an umliegenden Tischen, zum anderen sieht auch El-Machit einen hohen Aufwand für die Reinigung. „Der Gast achtet da schon mehr auf Sauberkeit als jemand, der lediglich kurz auf die Toilette gehen möchte“, befürchtet er.

Ganz anders sieht das Stefan Klemisch von der gegenüberliegenden „Brasserie Beau d´eau“. Wer ein dringendes Bedürfnis verspürt, stößt bei ihm stets auf Verständnis. „Das Wort Notdurft kommt ja schließlich nicht von irgendwo“, sagt der Gastwirt. Zudem sehe er die zusätzlichen Besucher auch als Chance. „Wer diesmal vielleicht nur auf die Toilette geht, dem gefällt es eventuell bei uns und er kommt auch mal zum Essen wieder.“ Eine WC-Prämie einzuführen, statt für eine ausreichende Zahl öffentlicher Toiletten in der Innenstadt zu sorgen, sei jedoch ein Armutszeugnis für die Stadt, so Klemisch.

Dem pflichtet Günter Domogalla vom „Café am Rathaus“ am Stadthof bei. Sein Café werde aufgrund der zentralen Lage gerade bei Veranstaltungen häufig von Passanten genutzt, um eben auf die Toilette zu gehen. Domogalla: „Eine Prämie für die WC-Benutzung muss nicht sein, das machen die meisten Wirte ohnehin. Das Geld könnte die Stadt wesentlich sinnvoller investieren.“

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