Stadtschülersprecher tritt zurück 

Antisemitische Drohungen: Kappe verbirgt die Kippa

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Offenbach - Für Aufregung sorgte gestern die Meldung: Stadtschulsprecher Max Moses Bonifer will zum 1. Dezember sein Amt niederlegen. Der 18-Jährige, der erst als Jugendlicher das Judentum seiner getauften Mutter für sich entdeckte, macht misslungene Integrationspolitik für seine Misere verantwortlich.

Bonifer versteht sich als praktizierender Jude, trägt Kippa und wird somit offenbar zum Ziel antisemitischer Verbal-Aggression. „Ich wurde wiederholt von muslimischen Menschen beleidigt und sogar bedroht. Ich kann es nicht mit meinen Grundsätzen vereinbaren, eine solche Jugend zu vertreten. “ Daher legt er sein Amt nieder. Stadtschulsprecher war Bonifer ohnehin nur noch kommissarisch, weil sich seit dem Sommer kein geeigneter Nachfolger gefunden hatte und er längst in Mühlheim das Abitur anstrebt.

Die Schuld für steigende Aggression sieht er im Gespräch mit unserer Zeitung vor allem bei der Stadt Offenbach: „Die Politik ist dafür verantwortlich, dass ein Großteil der muslimischen Schüler nicht integrierbar ist.“ Es werde versäumt, nicht Integrationswilligen klare Grenzen aufzuzeigen. Als Lösung wünscht er weniger symbolische Zugeständnisse: „Vordergründige Kulturfeste bringen gar nichts.“

Vielmehr geht es ihm um die Arbeit „direkt in den Familien“, um die Abschaffung des Religionsunterrichts und um verpflichtende Deutschkurse. Auch Einwanderung möchte er unterbinden. „Zumindest solange, bis die hier lebenden Minderheiten richtig integriert sind“, erläutert Bonifer. Von Einsicht oder Handlungswillen sei bei der Stadt jedoch nichts zu spüren. „Die Verantwortlichen ergehen sich vielmehr in Selbstbeweihräucherung und haben den Ernst der Lage nicht begriffen.“ Es sei eine zunehmende Aggression gegen Juden zu beobachten, die vor allem aus den jüngsten Entwicklungen am Gaza-Streifen resultiere. „Ich habe Angst, mit Kippa aus dem Haus zugehen.“ Daher verbirgt er die Kopfbedeckung unter einer Baseballmütze.

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Bonifers Kritik schlägt hohe Wellen, im Internet ist eine heftige Diskussion entbrannt, regionale Medien reißen sich um Interviews. Das Stimmungsbild: viele Solidaritätsbekundungen, wenig Gegenwind. Allerdings bekommt er auch Angebote rechtsextremer Gruppierungen. Eine Schublade, gegen die er sich vehement zur Wehr setzt: „Ich bin kein Gegner des Islams.“ Mit seinen Äußerungen möchte er provozieren und wundert sich über die zahmen Reaktionen. Wobei von „zahm“ kaum die Rede sein kann: Die Gegensprecher der Offenbacher Integrationspolitik sind nicht weit.

eml

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