„Als nächstes Kita-Hotels?“

Stadtverordnete streiten über Betreuungszeiten

Offenbach - Auf einen Antrag der Tansania-Koalition hin will die Stadt nun die Verlängerung der Kita-Öffnungszeiten von 6 bis 22 Uhr prüfen. Betreffen soll das die beiden noch nicht eröffneten Tagesstätten am Hafen und auf dem ehemaligen MAN-Gelände im Senefelder Quartier.

Die längeren Öffnungszeiten sollen berufstätigen Eltern, besonders jenen, die Schicht arbeiten, entgegenkommen. In der jüngsten Sitzung des Stadtparlamentes hat dieser Vorschlag allerdings für Diskussionen gesorgt: Sozialdemokratin Gertrud Marx kritisiert, der Antrag von CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern sei eine Zumutung für die zu betreuenden Kinder. Diese bräuchten feste Zeiten und verlässliche Rituale, betont Marx und fragt: „Wo bleibt hier das Kindeswohl?“

Außerdem zweifelt die SPD-Stadtverordnete daran, dass sich genügend Erzieherinnen für eine Umsetzung dieses Vorhabens finden werden. „Bevor wir uns mit neuen Modellen für Öffnungszeiten befassen, sollten wir die aktuellen Betreuungszeiten und eine gute Personalbesetzung der Kitas garantieren.“ Statt längerer Öffnungszeiten fordert Marx, zu dem Modell „Potzblitz“ zurückzukehren, bei dem Kinder, deren Eltern Schicht arbeiten, früh morgens oder spät abends zu Hause betreut werden.

Auch Elke Kreiss von den Linken stellt den Antrag der Koalition infrage: „Wollen wir etwa, dass Kinder nach den Schichten ihrer Eltern leben müssen – eine Woche früh und dann eine Woche spät im Wechsel?“. Als Nächstes kämen wohl Kita-Hotels, wo die Kleinen dann übernachten könnten, mutmaßt die Linke-Stadtverordnete. Wie ihre Vorrednerin von der SPD fordert Elke Kreiss, dass die Arbeitgeber diesbezüglich flexibler werden müssten. Und nicht die Arbeitnehmer.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Für den Grünen-Vertreter Tobias Dondelinger fällt dieses Argument durch den Realitätscheck. „Solche Forderungen ändern erst mal nichts an der Situation der Eltern“, äußert er. Fraktionskollegin Susanne Schmitt entgegnet der oppositionellen Kritik: „Immer mehr Kinder leben in Armut, weil die Mütter Beruf und Kind nicht unter einen Hut bekommen.“ Flexiblere Betreuungsmöglichkeiten seien ein probates Mittel, das sich auch schon in anderen Städten durchgesetzt habe.

Mit knapper Mehrheit hat das Parlament den Koalitionsantrag verabschiedet. (san)

Die gravierendsten Mängel in deutschen Kitas

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