Rückkehr zur Normalität

Stadtwerke Holding präsentiert gute Bilanz

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Offenbach - Handlungsspielraum hat die chronisch defizitäre Stadt Offenbach seit Jahren nur noch über ihre in privatwirtschaftlicher Form organisierte Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH). Um so bedeutsamer ist, dass der Konzern schwarze Zahlen schreibt. Von Matthias Dahmer 

Die konnte er gestern mit der Bilanz 2014 verkünden. SOH-Chef Peter Walther ist zufrieden: Einen Jahresüberschuss von knapp 5,5 Millionen Euro hat die Unternehmensgruppe erwirtschaftet, weshalb 2014 „ein sehr gutes Jahr“ gewesen sei. Nachdem 2013 „Einmaleffekte“, also Turbulenzen um die Kickers-Insolvenz und damit auch um das Stadion, das Konzernjahresergebnis mit einem Minus von 13,6 Millionen mächtig getrübt hatten, kann Walther nun wieder von einem „normalen Geschäftsverlauf“ sprechen. Und fürs laufende Jahr ist der Geschäftsführer optimistisch, die guten 2014er-Zahlen noch übertreffen zu können. Parallel zum Überschuss haben die Stadtwerke den städtischen Haushalt um 600.000 Euro entlastet, was dadurch gelang, dass von der Stadt beauftragte Leistungen günstiger als geplant erbracht wurden. Auf eine Ausschüttung der vereinbarten zwei Millionen Euro jährlich an die Stadt, sei nach Rücksprache mit dem Kämmerer verzichtet worden, so Walther. Trotz Schutzschirm komme die Kommune in diesem Jahr ohne die verabredeten SOH-Millionen aus.

Möglicherweise kann der Chef den diesmal eingesparten Betrag noch gut gebrauchen. Denn langfristig bereitet ihm Sorge, dass die Energieversorgung Offenbach (EVO), die regelmäßig über ihre jährliche Ausschüttung den defizitären ÖPNV in Offenbach subventioniert, künftig weniger überweisen könnte. Waren es 2013 noch knapp zehn Millionen Euro, die von der EVO flossen, so sind es dieses Jahr nur noch 7,35 Millionen; 2016 wird gar nur noch mit 6,3 Millionen gerechnet. Bislang gebe es keine Antwort auf die Frage, was passiere, wenn die EVO-Millionen die Verluste im ÖPNV nicht mehr decken könnten, so Walther. Das Konstrukt der Quersubventionierung, betont er, sei keine Offenbacher Spezialität, und die Finanzierung des ÖPNV sei in vielen Kommunen eine Herausforderung. Die schrumpfenden Ausschüttungen der EVO sowie die angespannte Haushaltssituation der Stadt, die deshalb hohe finanzielle Erwartungen an die Stadtwerke habe, blickt Walther voraus, setze den Konzern unter Druck, weshalb der Konsolidierungskurs fortgesetzt werden müsse.

Positive Bilanz 2014

Zur positiven Bilanz 2014 trug bei, dass die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) mehr Miete kassierte, was mit zusätzlichen 829.000 Euro zu Buch schlug. Zugleich musste die GBO nach Abschluss ihres Sanierungsprogramms acht Millionen Euro weniger für Instanhaltungen ausgeben. Waren das eingeplante Zahlen, so gehörte zu den ungeplanten positiven Abweichungen vom Wirtschaftsplan, dass dank gesunkener Treibstoffkosten 300.000 Euro gespart wurden. Der Spritverbrauch bei den Stadtwerken ist immens: Insgesamt 2,4 Millionen Liter Diesel flossen in die Fahrzeuge von ESO (700.000 Liter) und OVB (1.660.000), was 2,47 Millionen Euro kostete. Auch der RMV war für eine Überraschung gut: Die an ihn zu entrichtenden Umlage – auch das nur ein Einmaleffekt aufgrund eines geänderten Verteilungsschlüssels – fiel um eine halbe Million niedriger aus als gedacht.

Ihr Profil als attraktiver Arbeitgeber wollen die Stadtwerke mit einer neuen Werbekampagne schärfen. Bei der Suche nach passendem Personal soll unter anderem auf Anzeigen gesetzt werden, auf denen derzeit bei der SOH Beschäftigte zu sehen sind. Dafür würden freiwillige „Charakter-Köpfe“ gesucht, sagt Walther. Außenstände in Höhe von zehn Millionen Euro hofft er im März 2016 eintreiben zu können. Das Geld hat die Stadt für die Freimachung des Buchhügels ausgeben, damit das Land ein neues Polizeipräsidium bauen kann. Es gebe ein klares Signal vom Land, dass das PPP-Projekt endlich verwirklicht werde, so Walther. Verhaltener ist er beim Ausblick auf einen landeseigenen Neubau der Hochschule für Gestaltung im Hafen: Das Thema sei keineswegs beendet, es gebe aber keinen neuen Stand.

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