Stadtwerke trennen sich von Hantl

SOH: Der EEG-Chef wird gefeuert

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Reinhard Hantl (53) soll den Stadtkonzern verlassen, für den er seit 1996 tätig ist, erst als Chef der EEG, seit 2005 auch der GBM.

Offenbach - Die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) ordnet ihre Geschäftsfelder Standortentwicklung und Immobilienmanagement neu und reduziert dabei die Zahl ihrer führenden Köpfe. Von Thomas Kirstein

Gehen muss Reinhard Hantl , der Geschäftsführer der verschmolzenen Stadtgesellschaften für Entwicklung und Erschließung (EEG) sowie Gebäudemanagement (GBM). Gestern hat SOH-Chef Peter Walther den 53-Jährigen beurlaubt. Am 21. März soll der Stadtwerke-Aufsichtsrat die Neuausrichtung beschließen, was am 27. März den Beschluss über den vorzeitigen Hantl-Abschied unter Gewährung einer Abfindung zur Folge hätte.

Diese Trennung ist auch ein Nebeneffekt der Offenbacher Schutzschirm-Vereinbarungen. Die Stadtwerke müssen sparen, um ihrer Mutter im Jahr bis zu drei Millionen Euro überweisen zu können. Der Verzicht auf einen Geschäftsführer samt dem damit verbundenen Stab („Back Office“) wird auf 350 000 Euro jährlich beziffert.

Alle bislang von EEG/GBM erfüllten Aufgaben gehen nach der bisherigen Planung an zwei andere Stadtfirmen, die bereits in ähnlichen Funktionen tätig sind. Die Gebäudeverwaltung kommt zur Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) mit ihrem Geschäftsführer Winfried Männche. Projektsteuerungen und Ingenieurleistungen übernimmt die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG, unter anderem Hafen) mit ihrer Chefin Daniela Matha.

Doppelzuständigkeiten vermeiden

Damit wären diverse Doppelzuständigkeiten im Stadtkonzern Vergangenheit. Bereits vor zwei Jahren startete die SOH eine Analyse des im Lauf der Jahre von mehreren Stadtfirmen abgedeckten Geschäftsfelds Standortentwicklung und Immobilienmanagement. Neun von 18 Beteiligungen der Unternehmensgruppe tummeln sich dort in der einen oder anderen Weise.

Unter dem schönen Arbeitstitel „Convenio“ (wörtlich: ich suche auf, hier im Sinne von Zusammengehen) haben sich die Experten und Chefs der Geschäftsführer aber nicht freiwillig auf eine neue Organisation einigen können. Deswegen musste wieder mal externe Hilfe angeheuert werden. Die Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers empfiehlt eine Neuausrichtung des Geschäftsfelds mit unter anderem nur noch zwei Geschäftsführern.

Einer ist also zu viel an Bord. Für Stadtwerke-Spitze und Magistrat ist das Reinhard Hantl. Für gestern war er zu einem Gespräch mit Oberbürgermeister Horst Schneider und dessen Dezernenten-Kollegen gebeten, er meldete sich aber krank.

Kritik von Betriebsrat und CDU

„Entsetzen“ über die bevorstehende Entlassung formuliert der Betriebsrat von EEG/GBM. Vorsitzender Reiner Kellnhofer lobt, unter Hantl hätten eine neue Kommunikations- und Unternehmenskultur sowie andere Formen des Umgangs miteinander Einzug gehalten.

„Seiner unternehmerischen Weitsicht und seinem großen persönlichen Engagement verdankt das Unternehmen einen Großteil des geschäftlichen Erfolgs“, schreibt Kellnhofer. Der Betriebsrat verstehe nicht, dass man so einfach auf Hantls fachliches Wissen und persönliches Engagement verzichten wolle. Die Mitarbeiter stünden bis auf wenige Ausnahmen hinter dem Chef, ebenso Kunden wie Schul- und Kindergartenleitungen.

Aus dem Rathaus wird eine andere Sichtweise übermittelt. Dort gilt der Diplom-Bauingenieur Reinhard Hantl als guter Projektsteuerer, soll aber seiner Rolle als Gebäudemanager nicht zufriedenstellend gerecht geworden sein. Zudem sei er in Kommunikation und Führungsverhalten eher schwierig.

Fassungslos gibt sich CDU-Fraktionschef Peter Freier. Es gebe keinen objektiven Grund für die Trennung. Hantl habe viele Verdienste erworben: „Aber leider musste er oftmals als Schuldiger für das Versagen oder Unfähigkeit anderer in Politik und Gesellschaft herhalten.“ Vielleicht sei Hantl zu unbequem gewesen, meint Freier, weil er nicht alles einfach abgenickt, sondern Rückgrat bewiesen habe.

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