Frankfurter Architekt geht bei Veranstaltung der Lokalen Agenda mit Stadtplanung hart ins Gericht

„Städtebauliche Verbrechen“

Offenbach - Stefan Forster lässt kein gutes Haar an Offenbach. Die Innenstadt rund um den Marktplatz - desolat. Die Hochbeete im Stadthof - asozial. Der Parkplatz am Mainufer - ein Affront gegen die Bürger, eine Vergewaltigung des öffentlichen Raums. Von Denis Düttmann

Der Frankfurter Architekt ist auf Einladung der Lokalen Agenda 21 ins Klingspormuseum gekommen, um seine Vision von gelungenem Städtebau zu entwerfen und Verbesserungsvorschläge für Offenbach zu präsentieren.

Unter dem Motto „Auf die Plätze. Qualität im öffentlichen Raum“ stellt der Städtebau-Experte Beispiele für die gelungene Gestaltung innerstädtischer Räume vor, erklärte, worauf es bei der Planung von Plätzen und Straßen ankommt und diskutiert mit den Gästen Lösungsansätze für Offenbach.

Das grundsätzliche Problem liegt laut Forster darin, dass bei der Planung die Prioritäten falsch gesetzt würden: „Oft geht es nicht darum, einen lebenswerten Raum für die Menschen zu schaffen, sondern den Autoverkehr möglichst reibungslos abzuwickeln.“ Dabei müsse beim Städtebau immer der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen stehen: „Es ist unsere Aufgabe Atmosphären zu schaffen, in denen Bürger sich wohl fühlen.“

Um sich auf den Vortrag in vor den Aktiven der Lokalen Agenda 21 vorzubereiten, ist Forster mit dem Rad durch Offenbach gefahren: Vom Kaiserlei über die Berliner Straße zum Stadthof, weiter über Aliceplatz und Frankfurter Straße bis zum Hugenottenplatz. „Da hatte ich dann endgültig die Nase voll und bin wieder nach Hause gefahren“, sagt Forster. Im gesamten Innenstadtbereich sei keinerlei Konzept zu erkennen. Plätze verlören sich ohne Begrenzung durch klare Raumkanten im Nirgendwo; unterschiedliche Gebäude seien ohne Bezug zueinander errichtet worden; unbefestigte Parkplätze wie an der Domstraße oder am Kleinen Biergrund verschandelten das Stadtbild und raubten den Menschen den Lebensraum. „Hier fehlt ein Regulativ“, konstatiert Forster. Auch im Kleinen vermisst der Architekt eine einheitliche Gestaltung. So seien Stadthof und Aliceplatz unterschiedlich gepflastert, alle paar Meter stünden verschiedene Lampen, und der Brunnen vor dem Rathaus werde seiner Funktion - nämlich den Platz zu strukturieren und zu beleben - nicht gerecht.

Forster hat sichtlich Spaß an polemischer Überspitzung: Gnadenlos richtet er über die Offenbachs City als „einzige Ansammlung städtebaulicher Kapitalverbrechen“ und führt die Verantwortlichen schließlich zur rhetorischen Schlachtbank. Die Menschen seien von den Autos an den Rand gedrängt worden, die Stadtplanung habe offenbar die Waffen gestreckt und der Wildwuchs das Regiment übernommen.

Die grundsätzlichen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte lassen sich laut Forster kaum rückgängig machen, stattdessen plädiert er für kleine Schönheitskorrekturen. Mit der Bepflanzung des Parkplatzes am Mainufer etwa ließe sich beispielsweise ein Stück Lebensqualität zurück erobern. Auch eine einheitliche Gestaltung von Stadthof und Aliceplatz würde mit geringem Aufwand große Wirkung erzielen. Um alte Fehler nicht zu wiederholen, müsse sich in der Zukunft jedoch das ganze städtebauliche Leitbild ändern. „Wenn man Räume mit Aufenthaltsqualität schaffen will, muss das Leben entschleunigt werden. Es darf nicht darum gehen, möglich schnell und bequem hin und wieder weg zu kommen, sondern man muss Anreize setzten, damit die Leute sich gerne Zeit lassen und verweilen“, sagt Architekt Forster.

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