Städtischer Personalbericht 2018:

Offenbach hat vergleichsweise niedrige Pro-Kopf-Kosten

Offenbach - Obwohl die Belegschaft der Offenbacher Verwaltung angewachsen ist, bleibt die Stadt bei den Personalausgaben pro Kopf die sparsamste unter den hessischen Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern. Dies verrät unter anderem der jetzt veröffentlichte Personalbericht 2018. Von Thomas Kirstein 

Geht es um die Stadtfinanzen und wird angedeutet, das einkommensschwache Offenbach könne vielleicht über seine Verhältnisse leben, hält die örtliche Politik gern Vergleichszahlen entgegen: Bei den Pro-Kopf-Ausgaben für die Belegschaft der sogenannten Kernverwaltung macht sich die Kreativstadt seit vielen Jahren fast schon knausrig aus. Wie aus dem vom Personalamt erarbeiteten Bericht hervorgeht, geht die Prognose für 2018 von 589 Euro (2010: 470 Euro) pro Einwohner aus. Zum Schätz-Vergleich für dieses Jahr fehlen noch die Daten des Statistischen Landesamts. Doch ist kaum wahrscheinlich, dass die anderen Kommunen mit sechsstelliger Bewohnerzahl ihr Budget so abgeschmolzen haben, dass die Vorjahrs-Relation nicht mehr gilt: 2017 hatte Darmstadt einen Aufwand von 683 Euro pro Kopf, Frankfurt von 836, Wiesbaden von 922, Kassel von 899.

Der Offenbacher Bericht weist aber auch seit 2010 aus, dass die Personalausgaben kontinuierlich steigen: von insgesamt 56 Millionen auf 67,5 Millionen (vorläufiges Rechnungsergebnis ‘17, geplant waren 70,7). Das ist aber kaum der Wiederkehr früherer Großzügigkeit, sondern tariflichen Veränderungen, einer förmlich explodierenden Einwohnerzahl wie dem Gedanken geschuldet, dass veränderte Anforderungen Aufstockungen in Ämtern erfordern. Bei der Kommunalaufsicht hat das allerdings keine Milde bewirken können: Das Regierungspräsidium mahnte bei der Genehmigung des Haushalts 2017 eine „restriktive Personalbewirtschaftung“ an. Unter der 2016 gebildeten Tansania-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern wurden 36,5 zusätzliche Stellen im Rathaus geschaffen.

An der Personalnot in bestimmten Bereichen ändert das noch nichts: Dem Baudezernat von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß macht der gegenwärtige Bauboom schwer zu schaffen; man kommt einerseits der Antragsflut kaum nach, andererseits folgen qualifizierte Mitarbeiter den Verlockungen der freien Wirtschaft. Eine kurzfristige Gegenmaßnahme soll sein, bislang befristete Verträge zu unbefristeten zu machen, was die Attraktivität der Arbeit im Rathaus erhöhen soll.

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Wie 2016 wurde die Ausbildungsquote auch 2017 bei der Stadtverwaltung erhöht. Doch konnten im ersten Auswahlverfahren 2017 nicht alle Plätze besetzt werden, erst ein weiteres war dann erfolgreich. Es habe sich dadurch bestätigt, dass die Teilnahme an mehreren Ausbildungsmessen notwendig sei, um „niedrigschwellige Erstkontakte“ herzustellen, heißt es im Personalbericht. Um die Zahl der Bewerbungen zu erhöhen, sollen diese künftig nicht nur klassisch, sondern auch per Mail möglich sein.

Die Bewerbersituation bei der Stadt Offenbach gilt den Fachleuten des Personalamts als angespannt: Es wollen sich einfach zu wenig Leute mit der erforderlichen Qualität bei der Stadt verdingen. Zudem springen während der Ausbildung zu viele wieder ab. „Diese Problematik wird sich aufgrund der demografischen Entwicklung und der Wirtschaftslage verstärken“, unkt der Bericht. Gegensteuern soll professionelles Personalmarketing, dessen Maßnahmen derzeit von einer Projektgruppe erarbeitet werden.

Rubriklistenbild: © dani

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