Ständiges Scheitern als Leitmotiv

Gäbe es Dagobert Duck in echt, würde er wohl eine Deflation auslösen. Erneut trafen sich die Donaldisten beim Stammtisch, dieses Mal mit ihrer „PräsidEnte“.

Offenbach - In der Realität „bedingte der Umgang Dagoberts mit seinem Vermögen eine totale Deflation“. Schließlich entziehe der von manischem Geiz getriebene steinreiche Erpel das Geld dem Wirtschaftskreislauf. Auch das Auflegen einer parallelen Währung zum Taler wäre denkbar. Von Stefan Mangold

„Dagobert würde aber sofort versuchen, auch das neue Geld an sich zu ziehen“.

Noch bis Ende Februar sitzt der Mathematiker Martin Söllig als „Präsid-Ente“ einem Club vor, der sich „Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus“ nennt. Die Legislaturperiode dauert jeweils nur ein Jahr. Am Dienstag kam der oberste Donaldist in die Gastwirtschaft „Apfelwein Klein“ an der Bettinastraße, wo die noch junge Ortsgruppe durch ihn die letzten Weihen erhielt. Vor sechs Monaten gründete Willi Magel die hiesige Donaldistenzelle. An den Geschichten des Walt-Disney-Zeichners Carl Barth berührten ihn neben „dem schrägen Humor“ besonders die Details – die Texte, „die Gesichter auf Bildern an der Wand“, deren Ausdruck oft wechsele und so das Geschehen kommentiere.

Einmal im Monat trifft man sich zum Austausch in wechselnden Lokalen. „Manchmal gibt es ein Quiz“, erzählt Matthias Schmidt, der die Donald Duck-Hefte in seiner Jugend las und den Stammtisch über Kontakte für sich entdeckte. So geht es den meisten. Bald dürfte ein Tisch nicht mehr reichen. „Ständig kommt einer hinzu“, freut sich Magel. Im deutschsprachigen Raum hängen dem Donaldismus 800 Mitglieder an. „Für einige ist Dagobert die Identifikationsfigur, für die meisten aber Donald selbst.“ Jener Onkel, der sich mit wechselnden Berufen über Wasser hält und „dessen Leitmotiv im ständigen Scheitern liegt“, wie der Präsident betont. Dem Club gehe es um augenzwinkernde „wissenschaftliche Aufarbeitung des Werks, das die deutsche Sprache veränderte“. Zum Beispiel durch „den verkürzten Infinitiv in den Übersetzungen von Erika Fuchs“, wie „ächz“, „grübel“, „seufz“.

Sexualität und Familienplanung in Entenhausen

Die Donaldisten beschäftigen sich etwa mit der Sexualität und Familienplanung in Entenhausen. Über primäre Geschlechtsmerkmale verfügten Donald und seine Artgenossen nicht. Die Frauen unterschieden sich nur durch längere Wimpern von den Männern. Im Alltag trügen die Enten zwar eine Jacke, unten herum jedoch nichts. Trotzdem lege sich Donald immer ein Handtuch um die Hüften, wenn er aus der Wanne steige. Erotische Bedürfnisse fänden sich nur in sublimierter Form, wenn etwa Dagobert in einem Becken voller Münzen badet.

Von Martin Söllig selbst stammt eine im wissenschaftlichen Duktus gehaltene „empirische Studie zur Unterscheidbarkeit von Tick, Trick und Track“. Diese weist etwa Behauptungen zurück, Donalds Neffen seien an den Farben ihrer Mützen oder den Grübchen zu differenzieren. Bei den dreien handele es sich vielmehr „um eine Figur in drei Körpern“. Seine Frau akzeptiere sein ungewöhnliches Hobby – es gebe Schlimmere, und Donaldismus sei weit weniger gefährlich als Motorradfahren.

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