Stärken und Schwächen erkennen

+
Für viele die letzte Chance auf einen Ausbildungsplatz: Vor dem Kurs „Jugend Creativ Studios“ der GOAB galten die jungen Leute als unvermittelbar. Jetzt haben zehn von ihnen eine Lehrstelle gefunden.

Offenbach - (ddü) Die Teilnehmer des „Jugend Creativ Studios“ der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) hatten es nicht immer leicht:

Vor der sechsmonatigen Schulung galten die jungen Leute als unvermittelbar – schlechte Zeugnisse, Kommunikationsschwierigkeiten und rüdes Benehmen erschwerten den Start ins Berufsleben.

Doch sie haben nicht aufgegeben, und so feierten die zehn Teilnehmer, die jetzt einen Ausbildungs- oder Studienplatz ergattert haben, den Abschluss des Kurses mit einer Performance zum Michael-Jackson-Hit „Beat it“.

Das „Jugend Creativ Studio“, in dem sie tätig sind, ist ein Fotostudio. An der Mühlheimer Straße können sich andere Mitarbeiter der städtischen Beschäftigungsfirma professionelle Bilder für Bewerbungen im so genannten Ersten Ausbildungsmarkt anfertigen lassen. Vor den Aufnahmen werden die Kunden von den jungen Leuten geschminkt, später bearbeiten die Kreativen die Fotos am Computer.

Zwischen 15 und 30 Mitarbeiter der GOAB nehmen das Angebot wöchentlich in Anspruch. Die Kursteilnehmer lernen außerdem, wie Kundengespräche geführt werden, worauf beim Ausstellen einer Rechnung zu achten ist und wie man mit Reklamationen umgeht. „Wir simulieren hier nicht das Berufsleben, sondern trainieren in einem echten Geschäftsumfeld“, erklärt Projektleiterin Monika Warnicki-Berger. Wenn die Klienten von der Main-Arbeit an das „Jugend Creativ Studio“ vermittelt werden, hapert es oft an grundlegenden Fähigkeiten. „Sie sind gehemmt im Umgang mit Fremden, wissen nicht, wie man sich gegenüber Autoritätspersonen verhält und lassen grundlegende Umgangsformen vermissen“, erklärt Warnicki-Berger. Hinzu kämen mangelnde Mathematik- und Deutschkenntnisse sowie fehlende „Soft Skills“ wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Neben ihrer Arbeit im Fotostudio erstellen die jungen Leute Bewerbungsmappen und üben das Verhalten im Vorstellungsgespräch. Gemeinsam mit dem Offenen Kanal haben sie den Film „Mach die Tür auf für deine Nachbarn“ über das Miteinander verschiedener Kulturen und Konfessionen in Offenbach gedreht.

Wir sind hier an unsere Grenzen geführt worden“, sagt Kursteilnehmerin Katharina Ruhl. „Aber die Arbeit hat uns geholfen, unsere Stärken und Schwächen zu erkennen.“ Das Ausbildungsteam habe ihr Wege aufgezeigt, wie man mit Problemen umgehen könne und sich nicht entmutigen lasse. „Wir haben alle sehr schnell gemerkt, wie viel wir hier lernen können“, so Ruhl.

Einige Teilnehmer waren nicht so einsichtig: Monika Warnicki-Berger musste im vergangenen halben Jahr immerhin elf jungen Leuten kündigen, weil sie die Regeln missachteten und sich nicht in die Gruppe integrierten: „Für die meisten ist das hier die letzte Chance auf einen Ausbildungsplatz. Manche erkennen aber den Ernst der Lage nicht und verweigern die Zusammenarbeit.“,

Obwohl die Teilnehmer jetzt Profis auf dem Gebiet der Fotografie sind, ist es nicht das Ziel des Jugend Creativ Studios, die Teilnehmer ausschließlich in dieses Metier zu vermitteln. Die Absolventen gehen in den Einzelhandel, werden Bürokaufleute oder machen eine Ausbildung in einem IT-Unternehmen. Die angespannte wirtschaftliche Situation bekommen jedoch auch sie zu spüren. Lag die Vermittlungsquote im vergangenen Jahr noch bei 70 Prozent, konnten diesmal nur etwas über die Hälfte der Teilnehmer einen Ausbildungsvertrag unterschreiben. „Das ist aber immer noch ein gutes Ergebnis, mit dem wir weit vor vergleichbaren Institutionen rangieren“, sagt Warnicki-Berger.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare