Standortfrage bleibt aktuell

Offenbach ‐ Ein Ideenwettbewerb plus ein Denkmal ergibt Kontroversen: So etwa könnte in Kurzform die Chronik der Ereignisse lauten rund um Ruben Talbergs Vorschlag, ein etwa 15 Meter hohes Mahnmal auf dem Max-Willner-Platz an der Berliner Straße zu errichten. Von Simone Weil

Die chronisch verschuldete Stadt bekäme die Skulptur geschenkt – einen bislang ungenannten Sponsor liefert der Künstler gleich mit.

Die unterschiedlichen Positionen zu seinem Projekt, für das sich Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) stark macht, hält Talberg aus. Schließlich ist er prinzipiell der Auffassung, dass Kunst polarisieren müsse. Die eigentliche Frage für ihn lautet: Will Offenbach dieses Monument überhaupt? Wenn ja, an diesem Ort oder an einem anderen? Grundsätzlich sei er offen für jeden sinnvollen Vorschlag. Und doch denkt der international anerkannte Künstler darüber nach, seine „Jakobsleiter“, so der Name des Denkmals, in einer anderen Stadt zu verwirklichen, sollten die politischen Entscheider sich nicht in absehbarer Zeit klar und deutlich äußern.

Doch der Reihe nach: Der Kulturausschuss lehnte im September 2009 das Ansinnen des Malers und Bildhauers ab. Ausschussvorsitzender Lutz Plaueln (SPD) begründete die Entscheidung mit dem im März 2008 gefassten Beschluss eines Ideenwettbewerbs für die Gestaltung von Max-Willner- und Karl-Carstens-Platz: „Um inhaltliche Einwände ging es uns gar nicht, sondern nur ums Verfahren“, erklärte Plaueln. Schließlich könne man nicht heute so und morgen wieder anders entscheiden.

Ruben Talberg denkt inzwischen über eine Standort-Alternative nach

An dem von ihr initiierten Stadtverordnetenbeschluss hält auch die FDP-Fraktion fest. Ihr kulturpolitischer Sprecher Dominik Schwagereit erklärt: „Wir gehen davon aus, dass der Magistrat den Auftrag des Stadtparlaments umsetzen und entsprechend der Vereinbarung der Koalition in Kürze einen Gestaltungs-Wettbewerb initiieren wird.“ So soll es tatsächlich geschehen: „Noch in der ersten Jahreshälfte“, kündigt Gordon Hadler, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, an.

Ruben Talberg denkt inzwischen über eine Standort-Alternative nach, sollte seine ursprüngliche Planung „partout nicht funktionieren“, weil Stadtverordnete und Magistrat ihre Meinung nicht ändern: Von einem Vorschlag, sein etwa 15 Meter hohes Mahnmal gegen rechte Gewalt und gegen das Vergessen des Holocausts im Büsingpark aufzustellen, hält er nichts. Die Skulptur sei durch ihre Höhe für einen freien Platz konzipiert. Voraussetzung seien freie Sichtachsen. Außerdem sei die räumliche Nähe zum Tempelchen problematisch. „Dort lassen sich Hochzeitspaare fotografieren, das kollidiert thematisch ganz gewaltig mit einem Mahnmal“, meint der Künstler.

Daher hat er Ausschau gehalten und einen neuen Platz auserkoren. Die Freifläche an der Berliner Straße / Ecke Schlossstraße, ehemals „Feldherrnhügel“ genannt, käme für Ruben Talberg als möglicher Standort in Frage.

Mal sehen, was daraus wird...

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