Stark verdichteter Alltag

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Mit einer mächtigen Schaumkanone löschen die jungen Feuerwehrleute den imaginären Brand auf dem Gelände des Chemieparks.

Offenbach - Der Arbeitstag der Feuerwehrleute ist lang: Er dauert 24 Stunden. Ständig rechnen sie damit, einen Brand löschen oder eine Tür öffnen zu müssen. Wenn Sanitäter hinter einer verschlossenen Türe einen Verletzten vermuten, rufen sie die Feuerwehr. Von Stefan Mangold

Etliches aus der Welt der Berufsfeuerwehr üben am Wochenende die Buben und Mädchen der Offenbacher Jugendwehr - beim so genannten Berufsfeuerwehrtag.

Für 14 junge Blauröcke im Alter zwischen zehn und siebzehn Jahren bedeutet das, einen ganzen Tag der Berufsfeuerwehr nachzuempfinden. Von morgens um halb acht organisieren 16 Betreuer verschiedene Szenarien. Eine der vielen Aufgaben besteht darin, hinter einer Kellertüre im eigenen Jugendfeuerwehrhaus, dem Hauptstandort, einen Verletzten zu bergen. „Natürlich haben wir für den Tag mehr vorbereitet, als meistens tatsächlich an Einsätzen vorkommt,“ erklärt Andy Glaw (25), zuständig für die Jugendfeuerwehr.

Denn bei der Berufsfeuerwehr passiere es zwar, dass ein Alarm auf den anderen folge, an Schlaf nicht zu denken sei, doch andere Tage vergingen „relativ ereignislos“. Glaw weiß, wovon er spricht. Bis vor vier Wochen gehörte er der Werksfeuerwehr einer Fabrik in Hanau an. Nun rückt er für die Stadt Offenbach mit seinen Kollegen aus. Seine Funktion als Jugendwart erfüllt er ehrenamtlich nebenbei.

Zu löschen gibt’s für den Nachwuchs zuerst etwas am Mainufer. Eine Mülltonne „brennt“. An sich kein Problem. Doch die Jugendlichen müssen sich behelfen, da das Löschfahrzeug kein Wasser mitführt. So saugen sie mit der entsprechenden Technik ihr Löschmittel aus dem Fluss. Wasser eignet sich aber nicht im jeden Fall, um einen Brand zu bekämpfen. Mittags folgt der nächste Alarm: Auf zur Allessa-Chemie in der Kettelerstraße. Die angenommene Lage: Aus einem roten Tank tritt eine Flüssigkeit aus und es qualmt. Bei der Flüssigkeit handelt es sich natürlich um Wasser, den Qualm erzeugen die Betreuer mit den gleichen harmlosen Substanzen, die auch in Diskotheken oder bei Bühnenshows für Nebel sorgen. Außerdem liegt eine Puppe im Blaumann in der Nähe des Tanklecks, die einen Verletzten markierte. Mit Blaulicht und Martinshorn fahren die Feuerwehrwagen übers verwaiste Fabrikgelände.

Wichtig: Am Tank ist eine Nummer angebracht, die der Feuerwehr anzeigt, um was für einen Inhalt es sich handelt. Auf bestimmte Chemikalien mit Wasser zu zielen, hieße, den Brand noch anzufachen. Die Zahl zeigt auch dem Nachwuchs: Schaum statt Wasser. Außerdem scheint Giftiges auszulaufen. Die beiden Jugendlichen tragen komplette Schutzanzüge und Atemmasken. Mit Klebeband dichten sie das Leck zunächst ab. „Jetzt müsst ihr euch um den Verletzten kümmern,“ sagt Thomas Calore von der Werksfeuerwehr seinen jungen Kollegen. Später löschen sie die vermeintliche Brandursache mit einer imposanten Schaumkanone.

Nachts wird die Ruhe durch Alarme unterbrochen,“ kündigt Glaw an, von was die Jugendlichen noch nichts wissen. In der Nähe des Fußballstadions sollen Holzplatten brennen, in der Schumannstraße Rauch aus einer Wohnung steigen. Für den frühen Morgen steht ein Fehlalarm auf dem Plan: „Das gehört leider immer wieder dazu.“ Die meisten Kinder und Jugendlichen dürften sich, wieder daheim, erst mal aufs Ohr gelegt haben; erschöpft von einem verdichteten Feuerwehr-Alltag.

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