Start-up-Firma aus Offenbach drängt auf den Markt

„Lebensenergie“ fürs Smartphone

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Markus Stadler von der Firma QI4You zeigt eine Station zum kabellosen Laden von Smartphones. Künftig sollen auch andere Geräte auf diese Weise mit Strom versorgt werden.

Offenbach - Das Smartphone einfach auf den Tisch legen und schon wird es aufgeladen. Künftig soll das Zuhause, im Zug und Hotel auch mit anderen elektronischen Geräten möglich sein. Das verspricht eine Offenbacher Firma. Von Marc Kuhn.

Wer kennt das nicht: Kabelsalat auf dem Schreibtisch. Für Smartphones gibt es verschiedene Verbindungen zum Aufladen. Hinzu kommen Kabel für Kameras, iPad und MP3-Player. Abhilfe verspricht eine Offenbacher Firma, die im Herbst an den deutschen Markt gegangen ist. Auf ihre Ladestationen muss das Smartphone einfach nur gelegt werden. „Dabei findet eine elektromagnetische Energieübertragung per Induktion statt“, sagt Markus Stadler, Vetriebsleiter der QI4You Mobile Accessories GmbH. Das Prinzip sei nicht neu. Eine elektrische Zahnbürste werde genauso aufgeladen. Die Geräte, die an die Steckdose angeschlossen werden oder wie ein Akku kabellos funktionieren, seien bei den Kunden „extrem gut angekommen“, berichtet Stadler und fügt hinzu: „Wir erwarten einen Boom.“ Einen Probelauf gab es seit Anfang 2013 zunächst in China. Dort kennt sich Elias Rumelis, Gesellschafter von QI4You gut aus. Schließlich lässt er dort wie auch in der Türkei für die Marke M.O.D Jeans produzieren, die in ganz Europa verkauft werden. QI4You hat einen Sitz in Cheng du und Offenbach sowie ein Büro in Hong Kong. In Deutschland wurden bisher 100.000, in China etwa 600.000 Ladestationen verkauft.

Fast alle Smartphones können mit Charger geladen werden

Das Start-up arbeitet mit großen Distributoren zusammen, die alle namhaften Elektrofachgeschäfte wie Mediamarkt und Saturn versorgen. Auch der Mobilfunkdistributor einsAmobile aus Obertshausen mit 50 Filialen und 300 Fachhandelspartnern zählt dazu, wie Stadler sagt. QI4You ist auch in Zypern und Griechenland vertreten. „Für uns ist Russland interessant“, berichtet Stadler über Pläne für die Zukunft. „Die Menschen dort fahren auf solche Produkte voll ab.“ Nahezu alle Smartphones können mit den Charger genannten Geräten kabellos aufgeladen werden. Bei Smartphones von Samsung müsse beispielsweise ein kleiner sogenannter Battery-Pad auf den Akku befestigt werden, erläutert Stadler. Das iPhone von Apple müsse in eine spezielle Hülle gesteckt werden, in die die Technologie eingebaut sei. Bei Nokia sei sie komplett in die Smartphones integriert. Die Ladegeräte kosten zwischen 29 und 59 Euro, der Battery-Pad 11,90 Euro.

Handys und Ladegeräte unterschiedlicher Hersteller werden so kompatibel. Stadler ist sich sicher, dass andere elektronische Artikel in nächster Zeit ebenfalls auf diese Weise mit Strom versorgt werden können. Ziel ist es, mit einer Ladestation alle Geräte kabellos mit Strom zu versorgen. Möglich macht dies der Standard QI - das chinesische Wort für Lebensenergie. Auf ihn hatte sich das Wireless Power Consortium für kabelloses Laden von batteriebetriebenen Geräten geeinigt. Zu ihm gehören 145 namhafte Firmen wie Samsung, HTC, LG, Nokia oder Sony. Aber auch Autokonzerne wie Mercedes, VW und GM setzen auf den QI-Standard und bieten ihn bald in der gehobenen Mittelklasse an, wie Stadler erklärt.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Starbucks habe in Amerika neue Filialen mit dem Standard ausgestattet, so dass Kunden beim Kaffeetrinken das Handy zum Laden einfach auf den Tisch legen, sagt der Medienfachwirt. Auch in den Konferenzzentren von American Airlines sei die Technologie in Möbel eingebaut worden. Die Offenbacher führen mit einer großen Möbelfirma Gespräche mit dem gleichen Ziel. Auch auf Flughäfen, in Zügen und Restaurants können Smartphones nach Einschätzung von Stadler künftig auf den Tisch gelegt werden und der Akku wird mit Strom versorgt. Bisher hat QI4You in Offenbach fünf Mitarbeiter. „Wir wollen das Thema weiter ausbauen“, sagt der 33-Jährige. Neue Produkte sollten angeboten werden. Zudem solle das Design in Deutschland gestaltet werden, damit es noch besser auf die Wünsche europäischer Kunden ausgerichtet werden könne. Stadler will mit seinem Team in der Lederstadt bleiben. „Ich mag Offenbach. Ich bin hier aufgewachsen.“

Die Versorgung von Smartphones mit Strom mittels induktiver Energieübertragung sieht Stadler nur als Einstieg ins kabellose Laden. „Magnetresonanz - das ist die Zukunft.“ Dabei könne das Gerät neben der Stromquelle liegen. „Es gibt erste Tests.“ Mit einem Durchbruch der Technologie rechnet Stadler Anfang 2016. Dann wolle das Unternehmen sie auf den Markt bringen. Schließlich könnten Visionen wahr werden: Betritt der Handynutzer sein Haus, dann wird das Smartphone automatisch aufgeladen.

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