Hilfe bei den ersten Schritten

Starthaus kümmert sich um Kriegsflüchtlinge

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Skeptische Blicke: Sozialminister Stefan Grüttner und Kreisbeigeordneter Carsten Müller (von links) besuchten gestern Welcome-Center im Starthaus Offenbach. In einem vom Kreis beauftragten Projekt werden dort Flüchtlinge aus Krisengebieten auf das Leben in Deutschland vorbereitet.

Offenbach - In ihren Heimatländern herrscht Krieg. Weshalb ihre Anerkennung als Asylberechtigte unproblematisch ist. Von Matthias Dahmer 

37 dieser Flüchtlinge, die im Kreis untergebracht sind, werden im Zuge eines vom Land geförderten Projekts im Offenbacher Starthaus auf das Leben in Deutschland vorbereitet. Herr Ammar, schwarzer Adidas-Trainingsanzug mit roten Streifen, Brille mit schmalen Silberrand, hört aufmerksam zu, schaut aber skeptisch. Ob dem Flüchtling aus Syrien das genügt, was der Herr Sozialminister und der Herr Kreisbeigeordnete auf die vom ihm und den anderen Kursteilnehmern vorbereiteten Fragen gestern morgen antworten, lässt sich seiner Miene nicht entnehmen.

Immerhin – Stefan Grüttner und Carsten Müller bemühen sich, aus ihrem Politsprech auszubrechen und es dem Dolmetscher nicht allzu schwer zu machen: Ja, man sei bestrebt, die Zeit in den engen Sammelunterkünften so kurz wie möglich zu halten und für jeden eine Bleibe zu finden. Aber der Immobilienmarkt im Rhein-Main-Gebiet sei schwierig. Ja, die Bearbeitung der Anträge dauere lange. Aber Hessen müsse in diesem Jahr 40.000 Flüchtlinge aufnehmen, im Kreis seien es im letzten Quartal 295 gewesen. Und: Ja, eine Ausbildung im Herkunftsland werde nicht automatisch anerkannt, weil die Standards verschieden seien. Die Kursteilnehmer lächeln freundlich und stehen auf, als der Herr Minister, der ihnen viel Glück wünscht, und der Herr Kreisbeigeordnete den Raum verlassen.

166.000 Euro gibt das Land für die Ende März begonnene und zunächst bis Januar 2016 laufende Starthilfe in ein neues Leben aus. Die Anschlussfinanzierung sei gewährleistet, versichert der Sozialminister. Auftrageber des Pilotprojekts mit dem Titel „Welcome Center“ ist der Kreis Offenbach beziehungsweise dessen Jobcenter Pro Arbeit. Die Offenbacher Bildungseinrichtung Starthaus an der Löwenstraße hat den Zuschlag im Zuge einer Ausschreibung erhalten. Alle Teilnehmer, sie sind überwiegend in Mühlheim und Rödermark untergebracht, werden aufgrund ihrer laut Grüttner „guten „Bleibe-Perspektive“ nicht nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz behandelt. Vielmehr haben sie Anspruch auf Leistungen nach dem SGB II, der Grundsicherung für Arbeitsuchende, wie etwa Krankenversicherung oder Kindergeld.

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Erklärtes Ziel ist es, die Flüchtlinge, von denen viele eine Berufsausbildung oder studiert haben, in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Nach dem Aufnahmelager in Gießen und der Verteilung auf die Unterkünfte im Kreis soll die bis zu sechsmonatige „Erstorientierung“ im Starthaus die Eingewöhnung in eine neue Welt erleichtern, bevor sich möglichst schnell Sprachkurse anschließen. Das ist nicht einfach: „Alle haben eine unterschiedliche Fluchtgeschichte“, sagt Sandy Lehmann vom Starthaus-Team Einige seien auf der Flucht missbraucht worden, seien traumatisiert. „Es ist mitunter harte Kost für uns, wer uns da gegenübersitzt.“

Wo kann man einkaufen ? Wo ist der nächste Arzt ? Wie komme ich von A nach B ? Für uns Selbstverständliches gehört für die Neuankömmlinge zum Welcome-Programm. Hinzu kommen Informationen darüber, wie unser politisches System funktioniert, was Grund- und Menschenrechte bedeuten. Weitere Schwerpunkte sind etwa Bewerber- und EDV-Training. Verständigt wird sich auf deutsch oder auch mit Händen und Füßen. Bei komplexeren Themen sind Welcome-Mitarbeiter dabei, die Farsi, Arabisch, Spanisch, Französisch oder Englisch sprechen. Die meisten Teilnehmer sind unter 40 Jahre alt, der älteste ist 56. Sie kommen überwiegend aus Syrien und Afghanistan. In ihren Heimatländern waren sie Koch, Schneider, Elektriker, auch ein Wasserpfeifenmacher ist dabei. Fünf haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium, zwei davon sind Englischlehrer, zwei Bauingenieure, einer Veterinär. 16 von ihnen haben indes keine Ausbildung.

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