Offenbach: Private Wildbachschule bisher nur einzügig angelaufen

Startschwierigkeiten im Hainbachtal

Silke Klaußner
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Silke Klaußner

Lernen mitten in der Natur und doch stadtnah, kleine Klassengrößen, ein inklusives Konzept mit Ganztagsbetreuung und Möglichkeiten zum Bewegen und Entdecken – das Angebot der Wildbachschule klingt durchaus reizvoll. Und doch hat die private Grundschule in AWO-Trägerschaft mit Startschwierigkeiten zu kämpfen, die durch die Corona-Krise verstärkt wurden.

Offenbach - „Es ist leider nicht so angelaufen, wie gewünscht“, bedauert Thomas Ruff, Geschäftsführer der Werkstätten Hainbachtal, auf deren Gelände die Schule neu erbaut wurde. Eröffnung war aufgrund von Bauverzögerungen erst ein Jahr später als geplant, im Sommer 2019, mit nur einer ersten Klasse. Eigentlich war vorgesehen, zweizügig zu arbeiten und jedes Jahr zwei neue erste Klassen mit jeweils 22 Schülern zu eröffnen. Doch auch mit Beginn dieses Schuljahres kam nur eine erste Klasse zusammen. Derzeit besuchen 38 Kinder die Einrichtung, davon ist momentan coronabedingt lediglich ein Drittel im Präsenzunterricht.

Im ersten Jahr, so vermuten Ruff und die Schulleiterin Silke Klaußner, war der Bekanntheitsgrad der Schule noch nicht hoch genug, war sie in Offenbachs Bildungslandschaft schlicht noch nicht etabliert. Vergangenes Jahr spielte Corona eine große Rolle bei der Entscheidung von Eltern, ihre Kinder einzuschulen – oder eben nicht. „Viele Eltern gaben uns die Rückmeldung, dass sie ihr Kind deshalb lieber noch ein Jahr länger in der Kita lassen“, berichtet Klaußner. Ein Problem sei auch gewesen, dass Infoveranstaltungen wie der Tag der offenen Tür nicht stattfinden konnten. „Wenn Eltern die Schule nicht von innen sehen können, die Lehrer nicht richtig kennenlernen können, alles nur online abläuft, ist es nicht das Gleiche.“

Nicht unerheblich sind für viele Eltern sicherlich auch die Kosten, die monatlich auf sie zukommen: 390 Euro Schulgeld zuzüglich 60 Euro Essensgeld. Diese Summe relativiere sich jedoch angesichts der Tatsache, dass Nachmittagsbetreuung auch an staatlichen Schulen Geld koste. „Bis zu 250 Euro im Monat. So betrachtet, ist die Differenz gar nicht mehr so groß“, findet die Schulleierin. „Wir haben dafür viel anzubieten, alles aus einer Hand und nicht mit wechselndem Personal.“ Zudem seien die Schulkosten steuerlich absetzbar, fürs Finanzamt gebe es eine separate Auflistung.

Die Zufriedenheit bei den Eltern sei hoch. „Auch wenn es utopisch wäre zu sagen, sie liegt bei 100 Prozent“, stellt Klaußner klar. Vieles unterscheide sich von dem, was die Eltern von staatlichen Schulen kennen. „Es ist für Eltern schwieriger, den Lernstand nachzuvollziehen, weil es keine Hausaufgaben gibt“, nennt sie ein Beispiel. Zudem sei der Unterricht im wahrsten Sinne des Wortes bewegt. Stundenlanges Sitzen am Platz gibt es nicht. So wird in einer Mathestunde „Bank“ gespielt oder es geht ins Treppenhaus, um mit Hilfe der Stufen Addieren zu lernen. „Die Kinder betrachten diese Form des Lernens als Spiel“, weiß die Pädagogin. Das sei positiv, doch wenn sie dann zuhause erzählen, sie hätten den ganzen Tag gespielt, könne es Eltern irritieren.

Corona erfordert neue Wege, digitale Unterrichts-Angebote sind auch an der Wildbachschule zum Alltag geworden. Die Mischung von Distanz- und Präsenzunterricht sei für die Lehrkräfte sehr aufwendig, so Klaußner. „Im Gegensatz zum Frühjahr hatten wir jetzt aber Zeit, uns darauf einzustellen.“ Wichtig ist ihr, die Eltern mit ins Boot zu holen: „Wir geben Projektbeschreibungen, fassen Gelerntes zusammen, führen Entwicklungsgespräche.“

Es gibt eine Lern-Cloud für Eltern und Kinder, die technischen Voraussetzungen seien zum Großteil vorhanden. Die „Gebärde der Woche“ kommt in Videoform. Damit die Kinder die Abstandsregeln einhalten, hat jedes ein imaginäres Tier oder Freund, der immer an seiner Seite ist und Platz braucht. Resilienztraining steht ebenfalls auf dem Lehrplan. „Die Situation macht viel mit unseren Kindern. Wir wollen sie dabei unterstützen, es besser zu überstehen“, sagt Klaußner.

Sie wünscht sich, dass bald wieder mehr Planungssicherheit und Normalität für Eltern und Kinder einkehrt – und die Schule ihre Bekanntheit steigert. Auch Geschäftsführer Ruff hofft, nächstes Schuljahr endlich zwei erste Klassen eröffnen zu können. Schließlich ist es auch eine wirtschaftliche Frage...

Infos im Internet

wildbachschule.de

Von Veronika Schade

Thomas Ruff, Awo-Geschäftsführer

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