Statt Döner Höherprozentiges

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Na dann: Prost! Bis zu 30 verschiedene Sorten belgisches Bier bietet Mensur Yalçin seinen Gästen an.

Offenbach - Sie haben Lust auf ein frisches, kühles Pils? Es könnte so einfach sein: Schoppen bestellen, Schoppen an die Lippen und das Bier herunter kippen. Doch so gefühllos und trivial geht es im belgischen Bierhaus „Le Belge“ nicht zu. Von Fabian I. El Cheikh

Und einfach nur Pils gibt es auch nicht. Hier, am Wilhelmsplatz, ist das wahlweise helle oder dunkle Gebräu mehr als nur Durstlöscher, mehr als nur alkoholisches Erzeugnis, sondern Zeugnis historischer Bierbrauerkunst.

Doch bis es zum erhofften Geschmacksrausch kommt - vom Vollrausch soll hier nicht die Rede sein -, kann es im „Le Belge“ schon ein Weilchen dauern: 20 bis 30 verschiedene Biersorten bietet der türkisch-stämmige Gastwirt Mensur Yalçin seinen Gästen an. Allesamt aus Belgien, einige teils hochprozentig. Da treten Namen auf wie „Kwak“, „Chimay“, „Kriek“, „Duvel" und „Brigand“, und das Studieren der Getränkeliste kostet deutlich mehr Zeit als gewöhnlich.

In Belgien gibt es über 1000 Biersorten

Wer bislang davon ausgegangen ist, dass nur Deutschland über eine ausgesprochen vielfältige und vielleicht sogar einzigartige Bierbrauerszene verfügt, wird spätestens nach einem Gespräch mit Mensur Yalçin feststellen, dass er daneben lag: Mehr als 1 000 unterschiedliche Sorten Bier gibt es in Belgien. Darunter fruchtig-aromatische, ober- und untergärige sowie spontangärende. „Allein rund 300 bis 400 Sorten zählen zu den gängigsten“, berichtet Yalçin.

Ein kleines Land mit einer so großen Biervielfalt - wie passt das zusammen? Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Sortenvielfalt hatte ein Gesetz, das ab 1919 den Verkauf von Spirituosen verbot, und damit eine Nachfrage nach Bier mit höherem Alkoholgehalt erzeugte. Das Gesetz wurde 1983 aufgehoben - die Sortenvielfalt ist geblieben.

Türkische Küche ist hier Fehlanzeige

Nun also gibt es eine kleine Ecke Belgien auch in Offenbach, wird Offenbach noch ein wenig internationaler und bierseliger. Oder ist das Bierhaus in Wahrheit doch nur ein weiteres Stück Türkei? „Nein, nein“, versichert Inhaber Mensur Yalçin, „türkische Spezialitäten haben mich nie interessiert.“ Obwohl er Döner sehr gerne esse, wie der 53-jährige Frankfurter versichert. Statt Lahmacun und Kebap bietet die Küche also traditionelle belgische Gerichte mit französischem und holländischem Einschlag. So dürfen keinesfalls die hausgemachten belgischen Pommes fehlen, ebenso wenig Brotkuchen, belgische Waffeln oder Miesmuscheln, die - wie in Flandern, Brüssel und Wallonien - ganzjährig angeboten werden.

Aber auch Deutsches gibt‘s: „Wer sein Steak zum Bier haben möchte, bekommt dies auch bei uns“, betont Chefkoch Claus Strupp aus Saarbrücken. Strupp möchte den Offenbachern auch ein wenig die saarländische Küche nahe bringen, die selbst unter frankophonen Einfluss steht.

Ein gutes Stück Belgien auf dem Wilhelmsplatz

Wie aber kommt ein deutscher Türke aus Frankfurt zu einem belgischen Bierhaus in Offenbach? „Ganz einfach“, meint der Gastronom, „mein Bruder lebt in Brüssel und ich habe früher jedes Wochenende dort verbracht. Ich bin fasziniert von der sehr lockeren Atmosphäre in den belgischen Cafés, ich mag die belgischen Waffeln und das belgische Bier.“ Alles das möchte er nun auch in Offenbach etablieren: „Früher war hier gastronomiemäßig nichts los, inzwischen ist aber gerade der Wilhelmsplatz sehr interessant geworden.“

Seit 25 Jahren ist Yalçin Gastronom. Ob es in Offenbach klappt, bleibt abzuwarten: „Ich weiß, viele Deutsche bestehen aufs Reinheitsgebot, aber auch die belgischen Biere haben ihr Reinheitsgebot. Und selbst die Fruchtbiere werden nicht chemisch aromatisiert, sondern zusammen mit den Früchten gebraut.“

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