Statt Nachwuchs gibt’s nur Gips

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Taubenzüchter Klaus Hafner ist der (ehren)amtliche Eierdieb: Nach dem Austausch bebrüten die Vögel jetzt Imitate.

Offenbach (tk) ‐ Der ausgediente Bauwagen steht seit 2008 zu doppeltem Zweck an der Bahnunterführung Bieberer Straße. Seinen neuen Nutzern soll er zum einen Unterkunft sein, zum andern sie zur Fortpflanzung genau dort anregen. Allerdings mit heimtückischem Hintergedanken:

Denn nicht Vermehrung, sondern das genaue Gegenteil ist der Zweck. Es geht darum, auf sanfte Weise eine Verkleinerung der städtischen Taubenpopulation zu erreichen.

Die Rechnung scheint aufzugehen, der Trick zu wirken. Klaus Hafner, 71, ist der ehrenamtliche Taubenwart, der die Reaktionen der in Massen nicht wohlgelittenen gefiederten Offenbacher vorausahnte und damit alles richtig gemacht hat.

Zunächst setzt er eigene Zuchttauben in den umgebauten Bauwagen. Als erfolgreiche Lockvögel für ihre verwilderten Artgenossen: Inzwischen sind 17 der rund 40 unter der Bahnbrücke lebenden Stadttauben dort heimisch geworden. Das heißt, sie hinterlassen einen Großteil ihrer Verdauungsprodukte im Wagen, der gereinigt werden kann, und nicht mehr auf dem Bauwerk.

Methode scheint bei den Menschen akzeptiert zu sein

Der zweite erhoffte Effekt trat in diesem Frühjahr erstmals ein. In den Nistkästen wurden Eier gefunden und Klaus Hansen machte den Eierdieb - beziehungsweise den Austauscher. Die Tauben bebrüten jetzt Gipsimitate. „Und sie kriegen nichts mit“, sagt Klaus Hafner.

Die Methode scheint bei den Menschen akzeptiert zu sein. Bislang haben sich noch keine Tierschützer über seelische Grausamkeit gegenüber Tieren beklagt. Der erste Erfolg erlaubt, über eine Ausweitung aufs Stadtgebiet nachzudenken.

Etwa 1000 züchterlose Tauben flattern durch Offenbach. Zu viele - das ist angesichts ihrer Hinterlassenschaften und ihrer Neigung, Parasiten zu befördern, fast allgemeiner Konsens. Auf die Suche nach einer tierfreundlichen Möglichkeit, die Population - viele sprechen von Plage - in den Griff zu bekommen, begab sich die Stadtkonzern-Initiative „Besser leben in Offenbach“.

Innenraum musste komplett umgestaltet werden

Projektleiterin Sabine Süßmann griff eine Idee des Offenbacher Ordnungsamts auf und mobilisierte Helfer. Eine Behausung musste her, die den Tauben als Futterstätte, Zuflucht aber eben auch als stilles Örtchen dient. Die Lösung fand sich in Form des alten Bauwagens. Erste Ausbesserungsarbeiten an dem über das Internet ersteigerten Bauwagen übernahmen zunächst Mitarbeiter des Stadtdienstleisters ESO. Anschließend wurde das Gefährt in Mühlheim von Jugendlichen der Projektgruppe „Steinbeisser“ unter der Federführung des Starthauses renoviert und umgebaut.

Der Innenraum musste komplett umgestaltet werden. Insgesamt wurden zwanzig Fächer zum Nisten und Rasten in die Seitenwände eingebaut. Darüber hinaus wurden Futter- und Wasserstellen installiert. Fachkundige Beratung gab es auch vom Tierschutzverein Offenbach.

Im November 2008 wurde der Bauwagen dann zu seinem heutigen Standort, der Bahnunterführung an der Bieberer Straße, transportiert.

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