Status des Bieberer Bahnhofs

„Unterschutzstellung bringt viele Vorteile“

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Schutzschirm für Biebers Bahnhof? Dominik Mangelmann und Rainer Rist plädieren für die Sanierung des Gebäudes.

Bieber - Gerade die betagteren Bieberer erinnern sich daran: Ein hübscher Klinkerbau mit schmiedeeisernen Verzierungen innen und außen, eine schöne Eingangstür, ein Kanonenöfchen in der Wartezone und schmucke Stuckdecken. Von Veronika Szeherova

Heute ist der Bieberer Bahnhof nur ein Schatten seiner selbst. Das 1895 erbaute Gebäude gammelt ungenutzt vor sich hin, verfällt zusehends. Wie am Samstag berichtet, will der Eigentümer aufgrund eines jahrelangen Konflikts mit der Stadt um den Denkmalschutz-Status nicht mehr sanieren. Wenn sich kein Mieter findet, der die Kosten übernimmt, scheint das Bahnhofshaus – obwohl als Kulturdenkmal in der hessischen Eisenbahntopografie verzeichnet – endgültig dem Untergang geweiht zu sein.

Für die Denkmalbeirats-Mitglieder Dominik Mangelmann und Rainer Rist ist das Verhalten des Eigentümers nicht nachvollziehbar. „Durch die Unterschutzstellung hat er sogar mehr Vorteile, die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten sind massiv“, sagt Mangelmann. „Von vornherein hätte er mit der Denkmalschutzbehörde kooperieren sollen, auch diese ist zugunsten des Gebäudes bereit zu kleinen Veränderungen und Kompromissen – da ist was möglich.“

Ein Blick in den Bieberer Bahnhof

So marode ist der Bieberer Bahnhof

Mangelmann ist Diplom-Ingenieur und „zertifizierter Tragwerksplaner in der Denkmalpflege“. Die Bausubstanz sieht er in noch recht gutem Zustand. „Natürlich wäre eine gründliche Analyse von innen und außen notwendig.“ Nur eine denkmalgerechte, wenn auch aufwändigere Sanierung könne das Gebäude langfristig erhalten. „Viele moderne Materialien wie etwa Styroporplatten bringen bei einem solchen Altbau nichts, sie beschleunigen nur den Verfall“, weiß der Fachmann. Eine neue Heizungsanlage und die richtige Innendämmung seien erste wichtige Schritte, sowie ein neues Dach, dessen Gestaltung man sich am Bahnhof Obertshausen abgucken könnte. „Der Bieberer Bahnhof ist in Offenbach der einzige Vertreter eines Typs, der in der Region verbreitet war – ein Beispiel für Zweckarchitektur der Jahrhundertwende“, so Rist.

Streit um Sanierung des Bieberer Bahnhofs

Streit um Sanierung des Bieberer Bahnhofs

Durch das Nichtstun wird eine mögliche Sanierung immer teurer. Dabei seien viele Nutzungen denkbar, denen der Denkmalschutz nicht im Weg stehe. Ein Szenelokal mit Außengastronomie, ein Café, Geschäftsräume. Rist könnte sich vorstellen, dass eine Einrichtung wie etwa eine Pflegeschule dort unterkommen könnte, schon allein wegen der guten Verkehrsanbindung.

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„Mit einem guten, sensiblen Architekten, der ein Bewusstsein für die Herausforderungen denkmalgeschützter Gebäude hat, ließe sich viel erreichen“, meint Mangelmann. „Die Behörden, denke ich, wären dem Eigentümer entgegengekommen, wäre er nicht gleich auf Konfrontationskurs gegangen.“

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