Orgel von St. Josef wird grundgereinigt

Staubfrei klingt sie viel schöner

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Orgelbauer Eric Schönberner stimmt eine Pfeife. Seit Ende Oktober überholt er die Orgel von St. Josef.

Offenbach -  2518 Pfeifen, 33 Register, vier Tonnen Gesamtgewicht und eine Höhe von fast sieben Metern: Die Orgel der Kirche St. Josef an der Brüder-Grimm-Straße ist ein beeindruckendes Instrument. Von Veronika Schade 

Das aber zurzeit nicht ertönt, denn seit Ende Oktober wird es einer Grundreinigung unterzogen. Eine echte Mammutaufgabe. Am 6. Februar 1994 wurde die Orgel der Firma Förster & Nicolaus aus Lich eingeweiht. Seitdem wurde sie jährlich von der Firma gewartet, aber nie grundlegend gereinigt. Und dafür war es nach 23 Jahren höchste Zeit. „Wie oft das passieren muss, hängt vom Standort der Orgel ab“, weiß Orgelbauer Eric Schönberner. „In der Stadt häufiger als auf dem Land, einfach weil die Luft verschmutzter ist.“ Staub und Dreck setzt sich auf den Pfeifen ab, lässt Leder und Holz verschleißen,

Sie glänzen wieder: Die Pfeifen der 23 Jahre alten Orgel waren stark von Staub verschmutzt.

„Über Jahre hinweg hat die Gemeinde für die Reinigung Geld gesammelt“, berichtet Pfarrer Michael Kunze. 50.000 Euro betragen die Kosten. Dafür ist Schönberner zusammen mit einem Kollegen seit 23. Oktober täglich am Werk. „Wie lange so eine Reinigung dauert, kann man im Vorfeld nie genau sagen“, so der Fachmann. Es gibt immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, sobald das Instrument sein Innerstes offenbart. Manchmal sind mehr Teile auszutauschen als erwartet, manchmal ist die Verschmutzung ungewöhnlich stark. „Hier mussten wir teilweise mit Scheuermilch an die Pfeifen“, berichtet der Orgelbauer – und ist umso glücklicher über die Unterstützung seitens ehrenamtlicher Helfer von der Gemeinde. Auch Pfarrer Kunze ist dankbar, dass immer wieder Freiwillige den Putzlappen in die Hand genommen haben: „Es wurden Handynummern ausgetauscht, man ist auch mal spontan eingesprungen.“

Die Orgel wurde komplett auseinandergebaut, das Gehäuse gesäubert, die Elektrik überholt und die insgesamt 1450 Meter langen Trakturwege mit ihren hölzernen Verbindungsstäbchen vom Spieltisch zum Pfeifenventil überprüft. Über ein Gerüst erreichen die Männer auch schwer zugängliche Orgelteilen vorne an der Empore. Jede einzelne Pfeife haben sie ausgebaut und gereinigt – von der winzigen, 40 Gramm leichten Zinnpfeife bis zur größten, 4,50 Meter langen Pfeife mit einem stolzen Gewicht von 40 Kilogramm.

Über ein Gerüst erhalten die Orgelbauer Zugang auch zu schwer zugänglichen Stellen.

Derzeit steht das Stimmen der Orgel auf dem Programm. „Fis!“, ruft Schönberner seinem Kollegen zu und lauscht. Ist er nicht zufrieden, wird nachjustiert. Und sei es, dass das Messingplättchen im Inneren der Pfeife nur um einen Hauch enger anliegt. Es sind Nuancen, für den Laien im Grunde nicht zu unterscheiden. Muss der Orgelbauer ein besonders feines Gehör haben? „Es ist das geschulte Gehör“, relativiert er und erklärt, was bei der Intonationsarbeit besonders wichtig ist: „Alle Pfeifen innerhalb eines Registers müssen gleich laut sein. Und einen Klangcharakter haben, die Klangfarben gleichmäßig sein.“ So sollen Blockflöten wie Blockflöten klingen, und Trompeten eben wie Trompeten.

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Es ist die Liebe zum Handwerk und zur Musik“, sagt er über die Entscheidung für seinen Beruf, den er seit 2005 ausübt. Ein bisschen Schreiner, ein bisschen Metallbauer, ein bisschen Elektriker – die Arbeit ist vielseitig. Und im Wandel: Moderne Orgeln arbeiten mithilfe von Computern. „Ein bisschen Programmierer müssen wir in Zukunft auch sein“, blickt er voraus. Wobei, so betont er, die Instrumente im Wesentlichen seit Jahrhunderten nach derselben Bauweise funktionieren.

Funktionieren soll auch die Orgel in der St. Josefskirche bald wieder. Sobald sie im Laufe dieser Woche zusammengebaut und gestimmt ist, wird sie erneut in voller Pracht erklingen. „Der Klang ist nach der Reinigung viel freier, der Staub macht die Orgel dumpf“, erklärt Schönberner. „Es ist, als würde ich mir die ganze Zeit die Hand vor den Mund halten und plötzlich wegnehmen.“ Auch Pfarrer Kunze und seine Gemeinde freuen sich schon darauf. Zurzeit muss ein Klavier als Ersatz herhalten. „Ein Gottesdienst ohne Orgel ist einfach nicht dasselbe“, sagt er. Vor allem an Weihnachten...

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