Stechmücken-Plage

In zehn Minuten 30 Stiche

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Kamikaze-Alarm über den „Eichen“? Anwohner klagen über eine Mückenplage.

Offenbach - Stechmücken überfallen Waldheim und das Baugebiet an den Eichen. In seiner Vor-Ort-Reihe erfährt der OB, was die Leute dort sonst noch plagt: Busse, Raser, starker Rauch und Fluglärm. Von Ronny Paul

Stechmücken fallen derzeit überall in Schwärmen über die Menschen her; Bewohner von Waldheim und An den Eichen finden ein öffentliches Forum für gemeinsame Klagen: Im Haus am Wiesengrund können sie dem Oberbürgermeister eindringlich schildern, wie sie unter den aus Bächen und Feuchtgebieten aufsteigenden Quälgeistern leiden. Horst Schneider, dort als „OB vor Ort“, gibt sich verständnisvoll. Den zerstochenen Anwohnern kann er aber kein Patentrezept zur akuten Problemlösung anbieten. Auch weil er und seine Begleiter – Ordnungsamtschef Peter Weigand, Oliver Gaksch von der ESO, Jan Schmidbauer von der Straßenverkehrsbehörde – zum ersten Mal von der Waldheimer Insekteninvasion hören.

„Wenn wir nach 20 Uhr vor die Tür gehen, sind wir nach zehn Minuten mit bis zu dreißig Stichen übersäht“, schildert ein Anwohner, wie’s seiner Familie dieser Tage am Bischofsheimer Weg ergeht. „Vor allem für die Kinder in unserer Straße ist es unzumutbar, in den Abendstunden vor die Tür zu gehen“, empört er sich angesichts des für ihn von Mückenschwärmen verdunkelten Sommers. Die Situation sei so prekär, dass sich viele Nachbarn schon ärztliche Gutachten über die schmerzlichen Stiche hätten ausstellen lassen. Im neuen Baugebiet An den Eichen wirkt sich aus, was seit jeher rund ums Ausflugslokal Käsmühl’ lästige Tradition ist. Die Senke am Bieberbach gilt als „Schnakenloch“, die Wirtschaft hält elektrische Fliegenklatschen und Mückenspray bereit.

Die Waldheimer haben den benachbarten Kuhmühlgraben als Quelle des Übels ausgemacht. Durch bauliche Maßnahmen sei der fließende Bach zu einem stehenden Gewässer geworden und stelle so eine ideale Brutstätte für Stechmücken dar, lautet eine dem OB vorgetragene Schlussfolgerung. Abhilfe versprechen sich die Bewohner durch eine Art biologische Kriegsführung: In den ostdeutschen Hochwassergebieten wurden verstärkt BTI - Tabletten eingesetzt; die enthalten einen Bazillus, der die Darmzellen der Larven zersetzt. Die Stadt Hanau hat die Tabletten kürzlich kostenlos verteilt.

Der OB verspricht, das Umweltamt einzuschalten. Wir haben dieses gestern schon zu Ursachen und Gegenmaßnahmen befragt. Amtsleiterin Heike Hollerbach glaubt nicht, dass die Renaturierung des Kuhmühlgrabens der alleinige Grund für ein erhöhtes Auftreten der Stechinsekten sein könnte: „Starke Regenfälle im Laufe des Jahres, sowie die folgenden  tropisch-warmen Wochen danach, bieten vergünstigte Brutbedingungen.“ Meist reichten zum Ablegen der Eier bereits kleinste Wassermengen aus – in Baumhöhlen, Felsmulden, Regentonnen oder ähnlichen Behältern, auch auf Wiesen und Pfützen in der Nähe von Wohnbebauung.

Hollerbach wird sich in der nächsten Woche, zusammen mit Vertretern des Stadtgesundheitsamts und des Ordnungsamts, ein Bild von der beschriebenen Lage machen. Sie sagt: „Generell gilt: Mensch vor Mücke. Wenn es nötig erscheint, werden wir handeln.“ Allerdings ist das auch eine Frage der Kosten. Eine BTI - Behandlung der Wasserflächen müsste kontinuierlich wiederholt werden, um Wirkung zu erzielen.

Wenigstens eine Perspektive. Gegen den allseits beklagten Fluglärm, der ihn auch an diesem Abend immer wieder unterbricht, kann OB Schneider den Waldheimern nichts kurzfristig Wirksames versprechen. Um eine andere, ihm schon vor drei Jahren geklagte Lärmbelästigung will er sich jetzt kümmern: In Waldheim stören zu schnell und zu häufig leer fahrende Busse der OVB-Linie 107. Dazu haben die Bürger aus dem statistischen Bezirk 42 dem OB schon zu Beginn der Runde eine Petition gegen die Streckenführung durch die Straße Am Wiesengrund und die Verlängerung des Bischofsheimer Wegs vorgelegt. Die Verfasser erinnern Horst Schneider daran, dass er ihnen bereits 2010 versprochen habe, sich um eine andere Streckenführung zu bemühen.

Auch außerhalb Offenbachs sollte der OB wohl einmal Einfluss nehmen: An den Eichen beschwert man sich massiv über Rauch, der aus Mühlheimer Kleingartenanlagen zu ihnen herüber weht; dort werde offenbar häufig illegal gezündelt, vermutlich sogar Plastikmüll verbrannt. Anwohner mit Lüftungsanlage hätten sich schon besondere Filter einbauen müssen.

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