EVO ist Vorreiter in Region

Weg von der Stechuhr

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Offenbach - Der klassische Arbeitstag hat in vielen Betrieben ausgedient. Experten sehen in neuen, flexiblen Arbeitszeitmodellen Vorteile sowohl für Firmen als auch Beschäftigte. In der Region bietet die Offenbacher EVO den Mitarbeitern vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten an. Von Achim Lederle 

40,6 Stunden pro Woche verbrachten Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob nach eigener Einschätzung im vergangenen Jahr am Arbeitsplatz, wie das Statistische Bundesamt nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Selbstständige kamen auf 50,2 Stunden. Die durchschnittliche Arbeitszeit aller Erwerbstätigen lag bei 35,3 Wochenstunden, damit befand sich Deutschland knapp unter dem EU-Durchschnitt von 37,2 Stunden: Griechenland etwa kam nach Erhebungen des europäischen Statistikamtes Eurostat auf 42,1 Stunden, die Niederlande auf 30.

Ob Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice oder Jobsharing: Es gibt unter Arbeitnehmern verstärkt das Bedürfnis nach Alternativen zum starren Nine-to-Five-Job, wie Personalwissenschaftlerin Jutta Rump laut dpa erklärte. Sie lehrt an der Fachhochschule Ludwigshafen und leitet das Institut Beschäftigung und Employability. „Die Zukunft liegt in flexiblen Arbeitszeitmodellen, die es den Mitarbeitern ermöglichen, ihre private und ihre berufliche Situation in Balance zu halten“, sagt sie. Die 40-Stunden-Woche über 45 Jahre lang habe als Modell ausgedient, meint auch Claudia Bogedan von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Individuelle Lösungen

Die IG Metall brachte Anfang des Jahres eine 30-Stunden-Woche für Mütter und Väter ins Spiel. Es müsse möglich sein, die Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren, etwa zur Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder zur Weiterbildung.

Auch die IHK Offenbach sieht in flexiblen Modellen nur Vorteile: „Individuelle, auf den Bedarf von Unternehmen und Mitarbeitern zugeschnittene Lösungen tragen zu höherer Motivation und geringeren Fehlzeiten der Mitarbeiter, einer schnelleren Rückkehr von Eltern nach der Kinderpause oder Pflegezeit bei. Wer als Arbeitgeber attraktive Arbeitsbedingungen schafft, erhöht seine Chancen im Wettbewerb um die begehrten Fachkräfte“, sagte Sprecher Klaus Linke unserer Zeitung.

In einer Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK unter Arbeitnehmern im Alter von 45 bis 60 Jahren wünschten sich laut dpa 56 Prozent der Befragten mehr Unterstützung beim Übergang vom Job in den Ruhestand. Ganz oben auf der Wunschliste standen flexiblere Arbeitszeitmodelle (75 Prozent).

Insgesamt 27 verschiedene Arbeitszeitmodelle bietet der Offenbacher Energieversorger EVO an und ist damit einer der flexibelsten Arbeitgeber der Region. Wie Sprecher Harald Hofmann unserer Zeitung sagte, hat die EVO „ein Gesamtpaket für Familie und Mitarbeiter geschnürt“. Die strikte Trennung zwischen Beruf und Familie gebe es nicht mehr. Gefragt seien „lebensphasen-orientierte Modelle“, so Hofmann. Die könnten völlig unterschiedlich aussehen: Fixpunkt seien bei der EVO Kernarbeitszeiten, um die herum flexible Lösungen gesucht würden. Hofmann: „Klar ist jedoch auch, dass dies kein Wunschkonzert ist. Die flexible Arbeitszeit muss von Vorgesetzten genehmigt und mit der Personalabteilung abgestimmt werden.“

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Für den DGB Offenbach ist wichtig, dass die größere Flexibilität nicht in dauerhafte Mehrarbeit ausartet. Wie Organisationssekretär Mike Josef sagte, müsse heute häufig mehr Arbeit in gleicher Zeit erledigt werden. Überstunden, die nicht abgebaut werden könnten, häuften sich an. Josef: „Flexible Arbeitszeiten sind gut und vor allem für Eltern wichtig, die nach der Babypause wieder in der Beruf einsteigen wollen. Aber es müssen klare Regelungen her, um Beschäftigte vor zu viel Arbeit zu schützen.“ Auch wenn das Thema wichtiger wird: Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland noch hinterher. In Finnland boten dpa zufolge 2013 rund 57 Prozent der Firmen Mitarbeitern an, Arbeitsbeginn und Ende ihren Bedürfnissen anzupassen, wie die EU-Agentur Eurofound ermittelte. Deutschland liege mit 31,8 Prozent nur knapp über dem EU-Durchschnitt.

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