Steigende Lachfrequenz

Offenbach - Ein voller Erfolg war die erste „Komische Nacht“. Nicht, dass es in Offenbach auch sonst genug zu lachen gäbe, aber der „Comedy-Marathon“ erwies sich am Mittwoch als Publikumsmagnet. Von Claus Wolfschlag

Sechs Comedians traten zeitgleich in sechs verschiedenen Lokalitäten auf: In der Lounge am ehemaligen Schlachthof, im Wiener Hof, im Markthaus am Wilhelmsplatz, im Berliner 109, in der Sandgasse 26 und in der Weinstube im Nordend.

Es war eine Show im Rotationsprinzip: Die Künstler zogen nach ihren Auftritten rasch zur nächsten Bühne. Aus logistischen Gründen gab es an jedem Ort „nur“ fünf Auftritte. Die organisatorische Betreuung lag in den Händen Kai Schmidts (Kulturinitiative „Offenbach am Meer“). „Mit dem Markthaus und der Weinstube standen wir schon zuvor im engeren Kontakt. Dann aber begaben wir uns auf die Suche nach Lokalitäten mit ausreichender Kapazität“, erklärte Schmidt. Die brauchte es auch, denn - abgesehen von der Sandgasse - waren alle Lokale faktisch ausverkauft.

Die Idee zum ungewöhnlichen Comedy-Marathon stammt ursprünglich von Thomas Schulz, Kulturagentur „Mitunskannman. reden“, ein Freund Schmidts. Seit vier Jahren veranstaltet Schulz in Oldenburg „Komische Nächte“. Das Konzept kam so gut an, dass es mittlerweile auf acht Städte ausgeweitet wurde, aber bislang nur in Norddeutschland. Münster galt als südlichster Außenposten, doch der Rang wurde ihm nun von Offenbach abgerungen.

Britischer Humor mit Don Clarke

Fürs Hessenland wurde bei der Künstlerauswahl darauf geachtet, Programme zu finden, die die Problematik des Zusammenlebens von Deutschen und Ausländern humorvoll beleuchten. Das teils durchaus politisch unkorrekt angegangene Thema zog sich somit durch die Auftritte, auch wenn sich die Bandbreite der geschilderten komischen Szenen keinesfalls darin erschöpfte.

Den Start in der Lounge machte der Engländer Don Clarke, dessen Akzent sich auch nach 28 Jahren in Deutschland nicht verloren hat. Mit britischem Humor schilderte er, wie es für ihn anfänglich schwer war, die Buchstabenfolge „ie“ und „ei“ auseinander zu halten. Ein Problem. Vor allem, wenn man in den „Lauenburger Schießverein“ eintreten möchte. Clarke schilderte humorvoll seine Annäherung an die deutsche Sprache, etwa als er das erste mal ungläubig den Ausspruch „Das Bügeleisen ist im Arsch“ hört. „Da bleibt keine Falte“, bemerkte er dazu trocken.

Ihm folgte Henning Schmidtke, der sich über Polizisten und reiche Leute lustig machte, die sich über ihre abgefackelten Autos ärgern. Das mit politischen Spitzen durchsetzte Programm widmete sich auch Ikea und der Servicewüste Deutschland.

Michael Eller auf hessisch

Als Dritter betrat Michael Eller die Bühne, der zugab, einst in Frankfurt gelebt zu haben, nun aber Mainzer zu sein. Mit hessischem Idion lieferte er ein souveränes Heimspiel ab. Sein Ding: Das Altern als solches und die Midlife-crisis als besondere. Er berichtete von Frauen, die seit vielen Jahren 29 sind, von den Konflikten zwischen Omas und ungeduldigen Teenagern an der Supermarktkasse, zwischen jugendlichen und älteren Disko-Besuchern. Den Satzbau junger Migranten beschrieb Eller folgendermaßen: „Subjekt, Prädikat, Beleidigung, Alder.“ Die Lounge kam so langsam auf Touren...

Aus der Reihe tanzte Cloozy Haber. Sie war die einzige Frau des Abends, zudem Gewinnerin mehrerer Preise und lieferte mit Berliner Schnauze einen Bühnenauftritt, der stark improvisiert wirkte. Dieses unkonventionelle Vorgehen, das Gäste nahe der Bühne („Sprudelbecken“) aktiv ins Geschehen einbezog, polarisierte stärker als die anderen Auftritte. Es ging im Stakkato um Penisverlängerungen, Vaginavertiefungen, die Feinstaubparadiese Neukölln und Offenbach, ums Jobcenter, Deutschland als Land der Dichter und Döner. Und die deutsche Sprache müsse man in der Schule schon lernen, um später den Hartz IV-Antrag selbstständig ausfüllen zu können.

Marokkaner Abdelkarim mit Witzen über das Migranten-Dasein

Den Schlusspunkt in der Lounge bildete der Marokkaner Abdelkarim aus Bielefeld („der „Stadt mit dem gewissen Garnichts“), der mit viel Humor das Migranten-Dasein auf die Schippe nahm. So berichtete er, dass sein muslimischer Vater vom Schachspiel gar nicht angetan war: „Die Dame darf ja überall hin.“ Abdelkarim habe ihn zu beruhigen versucht: „Wenn du dir Mühe gibst, darfst du die Dame schlagen.“ Oder er schilderte seinen Freund Ali, der dem böse bei der Polizeikontrolle blickenden Beamten unvorsichtig entgegenhielt: „Ey denkst du, du bist der einzige, mit einer Waffe?“ Und Abdelkarim gab den Rat mit, beim Bewerbungsgespräch auf die Frage, wo man sich in einigen Jahren sähe, nicht zu antworten mit „Auf der anderen Seite des Tisches“. Mit seiner sympathischen Art und einigen Rap-Einlagen erreichte er die Herzen des Publikums, das lautstark „Zugabe“ einforderte.

„Der war am besten“, meinten auch Petro und Claudia, die sich bei Bier und Wein das Programm angeschaut hatten. „In dieser Komik steckt eine Menge Wahrheit, denn es sind viele Alltagsszenen, in denen man sich selbst wieder findet.“ Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und aus der Presse hatten sie von der Veranstaltung erfahren. „Ein so lustiges Konzept abseits der großen Räume in der Stadthalle und im Capitol ist etwas völlig anderes für Offenbach“, äußerten sie zufrieden.

Sie können sich freuen. Laut Kai Schmidt ist eine Fortsetzung der Veranstaltung geplant, dieses oder nächstes Jahr. Und dann womöglich gar in acht Lokalitäten.

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