Stellenkrieg immer heißer

Offenbach - Es dürfte ungemütlich bis stürmisch werden für den Oberbürgermeister und seine Stellenbewertungkommission: An diesem Samstag tagen die städtischen Amtsleiter in Klausur, am 30. Mai ist das Büsingpalais Ort einer Versammlung der gesamten Rathausbelegschaft. Von Thomas Kirstein

Beide Male wird es auch um den Vorschlag einer 17-köpfigen Runde gehen, wie die rund 1000 Mitarbeiter der Verwaltung in Zukunft bezahlt werden sollen. Ein aktueller interner E-Mail-Verkehr macht das Konfliktpotential deutlich.

Wie berichtet, hatte schon der Entwurf für großen Zorn gesagt: Die Liste war im Intranet veröffentlicht worden, sodass für jeden ersichtlich war, wessen Stelle auf- oder abgewertet würde. Zitat eines Betroffenen: „Jetzt kann jeder sehen, dass ich mein Geld eigentlich nicht wert bin.“

Mehr als 200 individuelle Anhebungen

Die Überprüfung solle eine nicht mehr gegebene Vergleichbarkeit wiederherstellen, hatte der Personaldezernent, OB Horst Schneider, den 2009 mit einem Magistratsbeschluss eingeleiteten Prozess begründet. Unter seinem Vorgänger Gerhard Grandke habe es mehr als 200 individuelle und funktionsbezogene Anhebungen gegeben.

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Wer sein Geld wert ist und wer nicht

Nun sollen aufgrund eines von der Kommission genutzten Punktesystems rund 180 Stellen besser und 150 Stellen schlechter eingestuft werden. Die finanziellen Auswirkungen der Umschichtung haben inzwischen den Regierungspräsidenten in Darmstadt auf den Plan gerufen. Er scheint nicht willens, den 2012er Haushalt zu genehmigen, falls sich die Personalkosten erhöhen.

Zwar heißt es seitens der Stellenbewerter, ihre Veränderungen seien kostenneutral, doch ist nicht klar, wann das zutrifft: Denn kein „abgewerteter“ Beamter oder Angestellter muss jetzt Einbußen befürchten, da ein Minus erst bei Wiederbesetzung seiner dereinst frei gewordenen Position greift; hingegen müssen sich Beförderungen von Angestellten sofort in Euro auswirken.

Arbeit der Dienstleister im Rathaus offenbar wenig geschätzt

Im Januar stand neben der Intranet-Veröffentlichung des Stellenplanentwurfs besonders im Mittelpunkt der Kritik, dass die Amtsleiter nicht eingebunden worden seien. Es hieß zudem, die in der Kommission stark vertretene sogenannte innere Verwaltung schätze die tägliche Arbeit der Dienstleister im Rathaus offenbar gering.

Absteiger finden sich beispielsweise in Kämmerei, Kassen- und Steueramt, Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, Ordnungsamt, Wohnungs-, Versicherungs- und Standesamt sowie Amt für Öffentlichkeitsarbeit. Über einen Aufstieg freuen sich unter anderen Ausländeramtsleiter, Feuerwehrchef und Vize, der Vorsteher des Sportbüros, die Chefin des Bürgerbüros sowie die Frauenbeauftragten.

Die neuesten E-Mails richten sich gegen das Personalamt, dessen Vorgehensweise als selbstherrlich empfunden wird. Mehrere Amtsleiter beklagen erneut, nicht eingebunden worden zu sein, obwohl nur sie in der Lage wären, die Anforderungen an Mitarbeiter zu definieren. Konkretes Beispiel: Für eine Stelle hält das Personalamt ein Hochschulstudium für überflüssig, obwohl ein solches in der Stellenausschreibung gefordert worden war.

Verbitterung auf Amtsleiterebene

Aus den uns vorliegenden Texten spricht eine gewisse Verbitterung auf Amtsleiterebene, die Zitate von Amtsleitern und Betroffenen sprechen Bände über die gegenwärtige Stimmung im Rathaus.

Zum generellen Verfahren: „...ein Schlag ins Gesicht vieler Ämter und Mitarbeiter und ein Lehrbeispiel negativer Personalpolitik.“

Zu einer abgelehnten Korrektur: „Eine solche Wertung ist eine Frechheit und als Umgang mit Belangen der Mitarbeiter nicht hinnehmbar. Es fällt schwer, daraus nicht ein völliges Desinteresse an Mitarbeiter- und Amtsbelangen abzuleiten.“

Zur Weigerung der „Geschäftsstelle Stellenbewertung“, Betroffenen weitergehende Erläuterungen zu geben: „Diese Basta-Mentalität ist für mich und meine Mitarbeiter äußerst problematisch.“ „Hier wird ganz nach Gutsherrenart verbal abgewatscht - wahrlich ein toller Umgang mit Menschen, die sich täglich für Offenbach und seine Bürger einsetzen.“

Kuriosum am Rande

Sympathie und Mitleid bekundet in einem Brief CDU-Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Peter Freier. Er will das Thema in der nächsten Sitzung des zuständigen Ausschusses ansprechen. Schon jetzt urteilt er: Eine seltsame Auffassung von Mitarbeiterführung liege der Art und Weise zugrunde, „wie über die Köpfe der Betroffenen hinweg versucht wird, Arbeitsinhalte und Voraussetzungen für die Leistungserbringung von den Stelleninhabern und ihrem individuellen Einsatz abzukoppeln“.

Kuriosum am Rande: Der Leiterin des Stadtverordnetenbüros gelang ganz frisch der Sprung vom gehobenen in den höheren Dienst, obwohl die Bewertungskommission ihre Stelle für die Zukunft abwerten möchte.

Rubriklistenbild: © Offenbach_Bardewyk / Pixelio.de

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