Varroa-Milbe

Das Sterben im Bienenstock

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Honigbienen bei der Arbeit.

Offenbach - Zum Frühstück ein Honigbrot: In vielen Haushalten wird der süße Aufstrich regelmäßig verzehrt. Doch die Imker in Hessen haben ein Problem. Ihnen gehen die Bienen aus, die den Honig produzieren sollen. Von Daniel Schmitt

„Die Verluste sind sehr groß“, sagt Jürgen Panthöfer, Zweiter Vorsitzender des Offenbacher Imkervereins. Zwar dienen Bienen in erster Linie nicht der Honigproduktion, sondern der Bestäubung von Pflanzen, der Honig ist laut Panthöfer aber ein gern gesehenes „Abfallprodukt“. „Um die Kosten für die Bienenhaltung zu decken“, wie er sagt.

In der Stadt Offenbach bewegen sich die Verluste in diesem Jahr bei zirka 30 Prozent. Da es im Kreis deutlich mehr als die 290 gelisteten Imker gibt, liegt die Sterberate dort wohl noch weit höher.

Stolzer Imker: Jürgen Panthöfer präsentiert eines seiner Bienenvölker. Vier hat er in diesem Jahr schon verloren.

Schuld am Aussterben der Honigbiene ist die Varroa-Milbe - ein 1,6 Millimeter großer Parasit. Er schwächt die Bienen, vermehrt sich in deren Brut und erleichtert anderen Viren sowie Bakterien die Arbeit. Ohne menschliches Eingreifen bedeutet ein Varroa-Befall für den Honig-lieferanten fast immer den Tod. Da sich der Sommer im vergangenen Jahr aus Sicht der Imker viel zum lange hinzog, hatte die Milbe noch im Oktober bei milden Temperaturen gute Chancen, sich zu vermehren. Die Verluste treten nun als Spätfolgen auf. Auch in diesem Jahr werden derartige Schwierigkeiten erwartet.

„Varroa nicht mehr aufzuhalten“

Dabei wäre das Sterben im Bienenstock schnell in den Griff zu bekommen – mit Hilfe von Ameisensäure oder dem Öl Thymovar. Beide Substanzen werden versprüht. Kommt die Milbe mit ihnen in Kontakt, wird sie abgetötet. „Wir würden die Milben dadurch nicht ganz weg bekommen, den Befall aber auf ein Minimum reduzieren“, sagt Panthöfer, der bei seinen eigenen Bienen mit diesen Präparaten arbeitet. Dennoch verlor der Imker vier seiner zwölf Völker. „Weil es in Offenbach eine hohe Zahl von unorganisierten Bienenkulturen gibt, bei denen der Befall nicht bekämpft wird“, erklärt er. Allein im Stadtteil Bürgel gebe es rund 100 nicht angemeldete Kulturen.

Die Verbreitung der Milben geschieht beim sogenannten Räubern: Starke Bienenvölker brechen im Spätsommer auf, wenn die Blüten weniger werden, um die Vorräte schwächerer Völker zu plündern. Da vor allem die schwachen Völker von Milben befallen sind, schleppen die räubernden Bienen nicht nur den fremden Honig, sondern auch den Parasiten in den eigenen Stock. „Wenn nicht alle Imker gleichzeitig gegensteuern, wird es immer schlimmer“, befürchtet Panthöfer.

Aus diesem Grund richtete der Offenbacher Imkerverein vor wenigen Tagen eine Infoveranstaltung aus. Referent Bruno Binder Köllhöfer, ein Fachberater vom Bieneninstitut in Kirchhain, machte den 50 Anwesenden deutlich, dass es auf die kommenden zwei Wochen ankomme: „Im August müssen die richtigen Schritte eingeleitet sein. Danach ist die Varroa nicht mehr aufzuhalten.“ Die Mittel zur Bekämpfung seien da, nur müssten sie von allen Imkern im gleichen Zeitfenster angewandt werden. Panthöfer und viele Honigliebhaber hoffen auf die Einsicht der nicht gelisteten Imker, die nur selten auf dem neusten Stand der Milbenbekämpfung sind. Denn: „Der Honig, den wir uns aufs Brot schmieren, macht Bienen als Hobby erst spannend.“

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