Großes Staunen über Sterne

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Geheimnissen auf die Spur gekommen: Dekanin Eva Reiß hat ihre Kirche in ein „Sternenzelt“ verwandelt.

Offenbach ‐ Während die ersten Weihnachtsbäume zu nadeln beginnen und sich die glitzernden Spitzen langsam zur Seite neigen, steht die eigentliche Zeit der Sterne erst noch bevor. Nein, sie sind nicht nur Boten der Weihnachtszeit, sondern finden sich auch in Biologie, Pädagogik, Astronomie und Mathematik. Von Katharina Platt

Diesen bislang wenig beachteten Seiten der Sterne widmet sich die Ausstellung „Sterne – eine Sache für Astronomen, Pädagogen und Mathematiker?“ in der Stadtkirche an der Herrnstraße. Noch bis Samstag, 9. Januar, dürfen Besucher die großen und kleinen Himmelskörper bewundern.

Der Herrnhuter Stern hat eine spannende Vergangenheit.

Viel geschnitten und gefaltet hat Dekanin Eva Reiß, um die fünf Ausstellungstische in der Kirche zu bestücken. Nun bevölkern kleine, filigrane, größere, stachelige, glitzernde und sogar wasserfeste Sterne das Gotteshaus in der Innenstadt. Den Zeitpunkt der Präsentation hat die Dekanin nicht allein wegen Weihnachten gewählt, sondern vor allem, weil die Sterne in den dunklen Wintermonaten die Welt mit Licht erhellen. Der Morgenstern, der einst den Weisen aus dem Morgenland den Weg nach Bethlehem wies, hat seinen großen Auftritt erst am 6. Januar. Im Mittelpunkt der Schau steht die Geschichte des Herrnhuter Sterns, der mit seinen vielen Zacken häufig als Advents- oder Weihnachtsstern verwendet wird, ursprünglich allerdings erst zum Epiphaniasfest am 6. Januar aufgehängt wurde.

Der Wurzelstern strahlt im Verborgenen

Die Geschichte des imposanten Sterns reicht ins 18. Jahrhundert zurück, als Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf Glaubensflüchtlingen aus Mähren auf seinem Gut Asyl gewährte. Die christliche Glaubensgemeinschaft Herrnhut entstand. Als ihre Mitglieder zu missionieren beginnen, bauen sie ein Internat für ihre Kinder. Diese entwickeln und basteln im Mathematikunterricht erstmals den Herrnhuter Stern. Beim Epiphaniasfest 1821 hängen sie einen buntfarbigen Stern mit 110 Strahlen auf. „Morgenstern auf finstrer Nacht, der die Welt voll Freude macht“, heißt es in einer Schrift aus dieser Zeit. „Dieser Stern ist fast völlig verloren gegangen“, sagt die Dekanin. „Sterne werden immer nur mit der Adventszeit verbunden. Das ist falsch.“

Den vergessenen, verschwundenen und verborgenen Sternen widmet sich Reiß mit der kleinen Schau. Verborgen und gut behütet ist auch der Stern, der sich zeigt, wenn man die Wurzel eines chinesischen Rotholzbaums durchs Mikroskop betrachtet. Der Wurzelstern strahlt im Verborgenen, ebenso wie die Sterne, die sich häufig zeigen, wenn man einen Baumstamm zersägt und das hölzerne Innenleben betrachtet. Die Ausstellungsmacherin weiß: „Viele Sterne müssen erst entdeckt werden, mit dem Fernrohr oder dem Mikroskop.“

Die große Sternenkarte fasziniert

Die große Sternenkarte, über dem ersten Ausstellungstisch in der Kirche, fasziniert. Millionen winziger Punkte blitzen auf dem Dunkel, das den finsteren Himmel darstellt. Ein Himmelszelt, das man in den hell erleuchteten Metropolen nicht mehr erkennen kann. Verschwunden sind sie, die Sterne. Weggeleuchtet von blinkenden Lichterketten, Straßenbeleuchtung, greller Leuchtreklame.

Geöffnet ist montags bis freitags von 12 bis 18, samstags von 11 bis 13 Uhr.

Die Schau im Gotteshaus holt sie aus ihren Verstecken und erzählt, wo sie zu finden sind und was der Pädagoge Friedrich Fröbel mit ihnen zu tun hat. Der ungewöhnliche Ansatz dieser Präsentation kommt fast ganz ohne Weihnachten aus, rettet aber die besinnliche Stimmung ins neue Jahr.

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